Eichenpfähle im Sand an der Brodauer Steilküste. © NDR

Illegal trotz guter Absichten: Küstenschutz ohne Genehmigung

Stand: 28.01.2021 08:36 Uhr

Küstenschutz ist wichtig, um Landflächen vor Überflutungen zu schützen. Wenn jemand allerdings sein eigenes Ding macht - ohne die Naturschützer einzubeziehen - dann gibt es Ärger.

Isabell von L. gehört Land oberhalb der Brodauer Steilküste in Schashagen (Kreis Ostholstein). Am Telefon bestätigt sie NDR Schleswig-Holstein, dass sie 500 Eichenpfähle direkt vor der Steilküste einrammen lassen will. Schriftlich teilt sie mit: "Wir möchten mit den Eichenpfählen und Steinbuhnen die Küste schützen und den Abbruch der Steilkante verzögern." Bagger haben bereits am Strand den Weg für Baufahrzeuge frei geräumt.

Steilkante wichtiger Lebensraum

Der Naturschutzbund (NABU) kritisiert diese Baumaßnahme. Die Steilkante sei wichtiger Lebensraum für gesetzlich geschütze Vögel. Und genau dort hat sich laut NABU eine Uferschwalbenkolonie angesiedelt. "Die ist darauf angewiesen, dass die Fläche offen ist, dass sie freien Zugang hat, dass sie dort graben kann", erklärt Ingo Ludwichowski vom NABU. Nach einer Sicherung würden die Uferbereiche und Hängen zuwachsen und damit würde die Uferschwalbe ihren Lebensraum verlieren.

Keine Genehmigung

Laut NABU braucht man für eine solche Küstenschutzmaßnahme zur eigenen Landsicherung eine schriftliche Genehmigung. Der Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz (LKN) hat eine solche Maßnahme allerdings nicht genehmigt. In einer offiziellen Stellungnahme des LKN gegenüber NDR Schleswig-Holstein heißt es: "Eine aktuelle Genehmigung wurde nicht beantragt und nicht erteilt."

Isabell von L. bestätigt, sie habe keine schriftliche Genehmigung für das Einrammen der Eichenpfähle direkt vor der Steilküste. Nur für den Bau der Steinbuhnen, die direkt ins Wasser ragen, liege ein schriftliches Einverständnis eines Lübecker Amtes vor, das es so heute gar nicht mehr gibt. Sie bezieht sie sich dabei auf eine 24 Jahre alte Genehmigung. Das Einrammen der Holzpfähle sei damals nur "besprochen" worden.

NABU: Verstoß gegen Landesnaturschutzgesetz

Ingo Ludwichowski vom NABU sieht einen klaren Verstoß gegen das Landesnaturschutzgesetz. Zuständig für die Überwachung der Steilküste am Brodauer Ufer ist der LKN. Der teilte NDR Schleswig-Holstein schriftlich mit: "Der LKN.SH wird Kontakt zum Landeigentümer als Verantwortlichen der Maßnahme aufnehmen und behält sich weitere Schritte vor." Das Einrammen der Eichenpfähle wurde zunächst eingestellt. Der NABU fordert jetzt den kompletten Rückbau zum Schutz der Uferschwalbe.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 27.01.2021 | 19:30 Uhr

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