IG Metall: "Der Schiffbau steuert auf eine Katastrophe zu"

Stand: 27.10.2020 18:00 Uhr

Der Werft-Industrie im Land fehlen Aufträge. Die Landesregierung will helfen. Um auf die Situation aufmerksam zu machen, plant die IG Metall für Mittwoch einen Protestmarsch durch Kiel.

von Christian Wolf

Über den Werften im Land ziehen dunkle Wolken auf und es scheint, als ob sich ein Sturm zusammenbrauen würde. Bereits vor der Corona-Krise und den damit einhergehenden wirtschaftlichen Folgen hatte die maritime Branche im Land einige Herausforderungen zu meistern. Fehlende Aufträge machten vor allem der Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) und German Naval Yards in Kiel (GNYK) zu schaffen. Auch die Rendsburger Werft Nobiskrug musste in den vergangenen zwölf Monaten immer wieder die Belegschaft reduzieren und Stellen abbauen. Selbst der Werft-Riese ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) hat für einen Teil seiner Belegschaft Kurzarbeit angekündigt. Aber nicht nur Werften sind betroffen, sondern auch Zulieferer wie beispielsweise Caterpillar in Kiel.

IG Metall: Gut 2.000 Arbeitsplätze akut in Gefahr

Die IG Metall schlägt deswegen Alarm. "Der Schiffbau in Schleswig-Holstein steuert momentan auf eine Katastrophe zu", warnt Daniel Friedrich, Bezirksleiter Küste. Bereits jetzt sei der Abbau von mehr als 1.000 Arbeitsplätzen beschlossen worden oder aber in der Verhandlung, so der Gewerkschaftler: "Sollten wir jetzt nicht die Kurve kriegen, dann sind weitere 1.000 Arbeitsplätze in Gefahr."

Friedrich fordert daher ein deutliches Signal. Es seien genug Briefe geschrieben worden, man brauche jetzt Lösungen, erklärte er NDR Schleswig-Holstein. Auch die Opposition im Landtag sieht das so. SPD-Landeschefin Serpil Midyatli fordert von Ministerpräsident Daniel Günther (CDU), dass er den Marine-Schiffbau im Land zur Chefsache macht. "Wir brauchen hier einen Zukunfts-Gipfel, denn was weg ist, ist weg", sagt die SPD-Politikerin.

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Minister Buchholz: Ob Druck wirkt, "bleibt abzuwarten"

Die Situation sei schwierig, so Wirtschaftsminister Bernd Buchholz (FDP). Aus seiner Sicht kann nur die Bundesregierung mit Marine-Aufträgen helfen, die jetzt früher erteilt werden müssen als geplant: "Gemeinsam mit dem Ministerpräsidenten haben wir in Berlin Druck gemacht. Ob das was bewirkt, bleibt abzuwarten." Das Konzept zur Sicherung des Werftstandortes könne nur mit Hilfen aus den Wirtschafts-Stabilisierung-Fonds oder aber mit der Auftragsvergabe seitens der Regierung erreicht werden, so Buchholz: "Beides versuchen wir auf allen Kanälen."

Regierungschef Günther erklärte daher auch, bezogen auf die Forderung von SPD-Landeschefin Midyatli, dass die Werft-Industrie längst Chefsache sei. Er sei dazu wöchentlich im Gespräch mit der Bundesregierung, so Günther. Gemeinsam mit seinem Hamburger Amtskollegen Peter Tschentscher (SPD) hat er übereinstimmenden Medienberichten zufolge zudem einen Brandbrief an das Bundesverteidigungsministerium geschrieben. Es wäre nicht das erste Mal.

Offenbar Brandbrief ans Verteidigungsministerium

In dem Brief fordern Tschentscher und Günther offenbar, dass der Auftrag zum Bau von vier U-Booten für Norwegen und zwei für Deutschland nun auch umgesetzt wird. Ursprünglich sollte der Vertrag mit dem skandinavischen Land schon vergangenes Jahr unterzeichnet werden. Norwegen hat allein für den Kauf der vier Boote mehr als 4,3 Milliarden Euro eingeplant. Von dem Auftrag profitiert nicht nur TKMS in Kiel, sondern auch der Standort in Hamburg, wo 500 Mitarbeiter der Werft beschäftigt sind.

Zudem kritisiert die IG Metall, dass die Bundesregierung trotz der KriseAufträge europaweit ausschreibt, obwohl das nicht mehr nötig sei, da der Marine-Überwasserschiffbau zur Schlüsseltechnologie erklärt wurde. "Deswegen erwarten wir, dass Aufträge so schnell wie möglich an unsere heimischen Werften vergeben werden", fordert Daniel Friedrich, Bezirksleiter der IG Metall Küste.

Kundgebung am Mittwochvormittag am Landeshaus

Um auf die Situation der Branche aufmerksam zu machen, hat die Gewerkschaft für Mittwoch in Kiel einen Aktionstag geplant. Vor den Toren der Werften TKMS und GNYK soll sich eine Delegation treffen. Vom Matrosenplatz vor dem Hauptbahnhof aus soll es dann in Richtung Landeshaus gehen, wo für 9 Uhr eine Kundgebung geplant ist. Nach Gewerkschaftsangaben beteiligen sich an der Aktion nicht nur Arbeitnehmer. Auch die Geschäftsführung verschiedener Unternehmen soll an dem Protestmarsch teilnehmen. Das zeige einfach, wie dramatisch die Situation insgesamt sei, so die IG Metall.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.10.2020 | 17:00 Uhr

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