Beherbergungsverbot: Hoteliers in Sorge

Stand: 14.10.2020 05:00 Uhr

Die Ministerpräsidenten der Länder beraten heute mit Kanzlerin Angela Merkel über das Beherbergungsverbot für Urlauber aus Corona-Risikogebieten. Die Hoteliers sind schon jetzt genervt.

Schleswig-Holstein schreibt vor, dass Urlauber aus Gebieten mit hohen Infektionszahlen nur dann im Land untergebracht werden dürfen, wenn sie ein negatives Corona-Testergebnis vorlegen können, das nicht älter als 48 Stunden ist. Die Beherbergungsbranche klagt nun über Buchungseinbrüche und Mehrarbeit. Weitere Beherbergungsverbote wären eine Katastrophe für die Hotel-Branche, sagte der Vorsitzende des Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) Nordfriesland-Süd, Ove Thomsen.

Keine Gäste mehr aus dem Ausland

Wenn noch mehr Städte und Kreise zu Risikogebieten erklärt würden, käme das einem branchen-spezifischen Shutdown gleich. Viele Gäste hätten schon storniert, so Thomsen: "Das Auslandsgeschäft ist komplett eingebrochen, Gäste aus Dänemark haben kaum Verständnis für die deutschen Corona-Regeln." Und auch aus Deutschland kommen laut Thomsen immer weniger Gäste. Für die Zeit nach den Herbstferien seien, anders als in früheren Jahren, kaum Buchungen reingekommen. Besondere Angst hat er davor, dass Hamburg zum Risikogebiet wird: Derzeit seien ein Drittel der Gäste in seinem Haus aus Hamburg - die müsste er im Zweifel alle wegschicken. Und bliebe auf den Kosten sitzen.

Mehr Arbeit für Hoteliers durch Corona

Hinzu kommt der zusätzliche Arbeitsaufwand: Täglich um 10 Uhr überprüft Thomsen die Liste der Risikogebiete und informiere dann die Gäste, ob sie kommen dürfen oder nicht und, wenn ja, unter welchen Bedingungen. Thomsen kritisiert die Maßnahmen, da es kaum Probleme in Hotels und Ferienwohnungen gebe. Hohe Infektionszahlen beobachte man eher nach Hochzeiten und anderen Partys. Die Beherbergungsbranche weiter zu regulieren, sei nicht zu Ende gedacht. Nun setzt er Hoffnungen auf das Treffen der Ministerpräsidenten: "Die Stimmen mehren sich ja auch aus der Politik, wo gesagt wird: 'Wir wollen dieses Beherbergungsverbot nicht!' Bisher sind es hauptsächlich Frau Schwesig und Herr Günther, die das wollen. Aber ich denke mal, dass vielleicht doch noch ein Konsens gefunden wird, der auch in unsere Richtung geht."

Günther ist zufrieden

Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) hat allerdings davor gewarnt, bei der Eindämmung der Corona-Pandemie von dem bisherigen Plan abzuweichen. "Wir haben klare und abgestimmte Regelungen in Deutschland", sagte Günther. Das Land sei bislang sehr gut damit gefahren, dass diese regional, je nach Ausbruchsgeschehen, angepasst werden könnten. "Diesen Erfolg jetzt als Kleinstaaterei abzutun und von Flickenteppichen zu schwadronieren, halte ich für ziemlich dümmliches Gerede." Es bleibt also abzuwarten, wie es heute für Thomsen und seine Kollegen weitergeht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.10.2020 | 08:00 Uhr

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