Stand: 29.04.2020 08:22 Uhr

Hörup: Siedlungsreste aus Wikingerzeit entdeckt

In Hörup bei Flensburg haben Archäologen Siedlungsreste aus der Wikingerzeit entdeckt. Im Erdboden fanden sich Spuren von drei Wohnhäusern und mehreren Werkstätten. Schon bei der Voruntersuchung hatte sich angedeutet, dass sich eine Ausgrabung lohnen könnte. Die Mitarbeiter vom Archäologischen Landesamt in Schleswig katalogisierten schließlich rund 800 Befunde, berichtet Grabungsleiter Ringo Klooß. Sie waren angerückt, weil ein Hof seinen Betrieb auf der Geest zwischen Flensburg und Niebüll erweitern möchte.

Verfärbungen im Erdboden liefern Grundrisse

Die Lage befindet sich direkt im Ort auf einer Wiese nahe einer Straße. Drei Gehöfte müssen hier um das Jahr 500 herum gestanden haben. Ehemalige Pfosten sind als Verfärbungen in der Erde sichtbar. Hieraus lassen sich die Grundrisse der Langhäuser rekonstruieren. "Man sieht die Reihen und die Wände schön", sagt Klooß. "Darüber hinaus gab es um die Häuser herum auch Zaunanlagen."

Fundstücke im alten Fußboden

Außerdem fand das Grabungsteam sogenannte Grubenhäuser, die schon zu ihrer Entstehungszeit etwas abgesenkt im Boden lagen. Hier wurde etwa im Jahr 1000 Handwerk betrieben. "Innerhalb dieser Grubenhäuser hat man noch den Originalboden, auf dem die Menschen damals auch gegangen sind," stellt der Grabungsleiter fest.

Dort fand das Team Reste von Keramik, den Teil eines Mühlsteins und einen Wetzstein. Auch Webgewichte waren dabei, die einst die Schnüre an einem Webstuhl straff hielten, sowie Spinnwirtel, mit denen Wolle zu Fäden gesponnen wurde. Die Ausbeute sei beeindruckend, meint der Experte.

Ungewöhnlicher Ort mit archäologischem Potenzial

Alte Gehöftanlagen werden gelegentlich in Dänemark ausgegraben. Im nördlichen Schleswig-Holstein sind solche Funde laut Klooß aber selten. Wikingerzeitliche Siedlungen befinden sich zudem oft am Wasser. Hörup liegt aber etwa in der Mitte zwischen Nord- und Ostsee. Zudem sei eines der Grubenhäuser außergewöhnlich groß.

Private Detektorgänger fanden außerdem den Teil einer alten arabischen Münze auf einer benachbarten Fläche. "Das war zur Wikingerzeit das übliche Zahlungsmittel und wurde als Gewichtssilber genutzt," erklärt Klooß. Er glaubt: "Wo so etwas ist, da ist sicherlich noch mehr zu erwarten."

Die Ausgrabungen sind aber zunächst abgeschlossen. Retten, bergen, dokumentieren - das ist immer wieder die Aufgabe der Archäologen, bevor die Bagger kommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.04.2020 | 10:30 Uhr

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