Hochwassergebiete: Helfer aus SH unterstützen Aufräumarbeiten

Stand: 21.07.2021 18:13 Uhr

Rund 600 Helfer aus dem Norden sind in den Hochwassergebieten Rheinland-Pfalz und helfen vor Ort mit.

Mit dabei sind Helfer von Feuerwehr, DLRG, Rotes Kreuz, Johanniter, Malteser und Technisches Hilfswerk, die an der Ahr die Aufräumarbeiten unterstützen wollen. Anders als geplant kamen die Helfer zunächst nicht im Katastrophenschutz-Logistikzentrum am Nürburgring unter, weil dort bereits alles belegt war. Sie wurden zunächst nach Windhagen geschickt, mittlerweile konnten sie doch zum Nürburgring umziehen. Der gesamte Einsatz wird von dort koordiniert - allein vom THW sind aus ganz Deutschland dort inzwischen 3500 Helfer stationiert.

Viele Aufgaben für Helfer

Am Mittwochmorgen war die erste Lagebesprechung der Einsatzkräfte aus SH. Laut Florian Gottschalk vom THW in Kaltenkirchen müssen sich die Helfer darum kümmern, den Strom wieder herzustellen. "Es werden Brücken gesprengt, um Behelfsbrücken zu bauen. Es werden ganz viele Lebensmittel per Hubschrauber auch in die Gebiete gebracht", sagt Gottschalk. "Man muss sich vorstellen, dass in einigen Gebieten jetzt Krater von zehn bis zwölf oder fünfzehn Metern sind. Und drumherum ist teilweise bis zu 100 Metern alles weg, fast wie ein Canyon", beschreibt er. Gegen Mittwochnachmittag konnten die THW-Kräfte aus Schleswig-Holstein dann mit der tatsächlichen Hilfe vor Ort beginnen - sie unterstützen hauptsächlich im Kreis Ahrweiler.

Betroffene Bewohner in den Hochwassergebieten fühlten sich zum Teil alleine gelassen, berichtet Gottschalk. Viele beschwerten sich, dass die Rettungskräfte von außerhalb sich in der Region nicht auskennen. Er erzählt von Toten, die immer wieder gefunden werden und von bedrückenden Einsätzen. Zwei Tornados aus Jagel haben inzwischen Bilder aus der Luft gemacht - so sollen die Rettungskräfte einen besseren Überblick bekommen, welche Wege befahrbar sind.

Suche nach Vermissten in der Ahr

Einige Einsatzkräfte sind bereits vor wenigen Tagen in der Katastrophenregion angekommen. So sind seit Montag 72 Polizeikräfte aus Eutin in Rheinland-Pfalz, um im Raum Antweiler bei der Suche nach Vermissten zu unterstützen. Dort helfen sie dabei, Häuser auszuräumen, verschüttete Keller freizuräumen und Straßen freizulegen. Am Mittwochvormittag waren außerdem Taucher der Polizei aus Schleswig-Holstein in der Ahr, berichtet ein Helfer der Polizei auf Facebook.

Wie lange die Polizisten dort noch im Einsatz sind und wann sie abgelöst werden, wissen sie noch nicht. Knut Kasulke von der Polizei-Hundertschaft in Eutin geht allerdings davon aus, dass er und seine Kollegen noch mindestens bis zum Wochenende im Krisengebiet bleiben. Auch das Technische Hilfswerk (THW) aus Norddeutschland ist mit einigen Kräften schon seit ein paar Tagen vor Ort. Aktuell hilft das THW aus SH dabei, Häuser abzustützen, die einsturzgefährdet sind und Menschen zu orten. Außerdem bauen die Helfer eine mobile Stadt auf, dort werden Helfer versorgt.

Günther bedankt sich bei Helfern

Ministerpräsident Daniel Günther und Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras (beide CDU) verabschieden den Hilfskonvoi. © NDR Foto: Kevin Bieler
Ministerpräsident Daniel Günther und Neumünsters Oberbürgermeister Olaf Tauras verabschieden den Hilfskonvoi.

Dienstag hatte Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) die Helfer in Neumünster verabschiedet. "Die Frauen und Männer, die ich hier verabschiede, sind alles diejenigen, die sich sofort gemeldet haben. Die gesagt haben: Wir wollen mit anpacken, wir wollen nicht bei Seite stehen, sondern wir wollen diesen Einsatz genau jetzt machen", sagte Günther. Der Ministerpräsident bedankte sich für diesen Einsatz: "Dass sie das so schnell noch auf die Reihe bekommen haben, das finde ich wirklich bewundernswert. Von daher bin ich wirklich stolz auf die Frauen und Männer, die jetzt diesen Dienst leisten."

 

Ein Feuerwehrmann steht im Dorf Mayschoß vor einem völlig zerstörten Haus. © picture alliance/dpa | Boris Roessler Foto: Boris Roessler
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Einsatz soll bis zu 72 Stunden dauern

Da aufgrund der Lage vor Ort auf keinerlei Infrastruktur zurückgegriffen werden kann, liegen laut Landesregierung besonders im Bereich der Logistik, Verpflegung, Hygiene und Unterbringung große Herausforderungen. Günther sprach von dem größten Einsatz der Hilfskräfte außerhalb Schleswig-Holsteins in den vergangenen Jahrzehnten. Der Einsatz der rund 600 Katastrophenschutzkräfte soll bis zu 72 Stunden dauern. Die Einheiten haben aber die Möglichkeit, bei Bedarf bis zu fünf Tage zu bleiben.

Kaum vergleichbare Einsätze

Für Holger Bauer vom Landesfeuerwehrverband und seine Kollegen ist dieser Einsatz keine Alltäglichkeit: "Das ist ein sehr besonderer Einsatz. Vergleichbar - aber lange nicht in der Größenordnung - war der letzte Einsatz bei Hochwasser an der Elbe oder seinerzeit an der Oder. Danach hat es so etwas so nicht mehr gegeben." Die Herausforderung sei deshalb hoch, sagte er weiter. Doch die Bilder der vergangenen Tage hätten die Einsatzkräfte nicht kalt gelassen, sodass sie jetzt unbedingt helfen wollen, so Bauer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.07.2021 | 08:00 Uhr

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