Stand: 27.07.2018 13:16 Uhr

Hitzewelle ist sogar aus dem Weltall zu sehen

Die seit Monaten anhaltende Trockenheit verändert Schleswig-Holstein - das zeigen Aufnahmen der NASA, die dem NDR Schleswig-Holstein vorliegen. War das Land im Mai noch komplett grün, sind der Norden des Landes sowie die beiden Küsten gelb. Und gelb, das heißt trocken. Während sich Urlauber und Ferienkinder über das gute Wetter freuen, leiden die Landwirte.

Eine Satellitenaufnahme von Schleswig-Holstein aus dem Juli 2018. © NASA Worldview Eine Aufnahme von Schleswig Holstein aus dem Mai 2018. © NASA Worldview

Wenn Sie den Schieberegler verändern, sehen Sie den Unterschied zwischen Schleswig-Holstein im Mai (Schieberegler am linken Bildrand) und der aktuellen Situation (Schieberegler am rechten Bildrand).

Eine Satellitenaufnahme von Schleswig-Holstein aus dem Juli 2017. © NASA Worldview Eine Satellitenaufnahme von Schleswig-Holstein aus dem Mai 2017. © NASA Worldview

Zum Vergleich die Situation im vergangenen Jahr: Schieben Sie den Regler ganz zum linken Bildrand, um die Lage im Mai 2017 zu sehen - steht der Regler am rechten Bildrand, sehen sie Schleswig-Holstein im Juli 2017.

Ernteausfälle bei Mais und Gerste im Westen

Christian Magnus Petersen, Landwirt in Süderlügum (Kreis Nordfriesland) rechnet damit, in diesem Jahr rund 30 Prozent weniger Futtermais für seine Kühe ernten zu können. "Die Kolben müssten 15 Zentimeter haben, aber das sind nicht mal fünf", berichtete er dem Schleswig-Holstein Magazin. Geregnet habe es auf seinen Feldern das letzte Mal Mitte April. Wässern kann er nicht, weil das Wasserwerk zum Sparen aufruft. Außerdem würde das Wasser im Sandboden einfach durchlaufen, so Petersen. Wenn es am Wochenende nicht ausgiebig regnet, muss er seinen Mais ab Anfang kommender Woche noternten.

Ähnliche Probleme gibt es mit der Sommergerste, berichtet Wolfgang Stapelfeldt, Landwirt aus Emmelsbüll-Horsbüll: "Auf diesem Acker werde ich rote Zahlen schreiben. Das ist der langen Hitze- und Dürreperiode zuzuschreiben. Hier lohnt sich eigentlich das Dreschen nicht."

30 Millionen Liter Wasser fürs Gemüse

In Friedrichsgabekoog im Kreis Dithmarschen kämpft Landwirt Ulf-Peter Carstens mit Wasser gegen die Dürre. In den vergangenen zweieinhalb Monaten brachte er 30 Millionen Liter Wasser auf seine Felder, damit sein Gemüse überlebt. Zwölf Stunden wässert der Bauer - jede Nacht. Tagsüber geht es nicht. Da kommt das Wasserwerk mit dem Aufbereiten nicht hinterher.

Beim Blumenkohl müssen der Landwirt und seine Mitarbeiter selbst Hand anlegen: Weil die Blätter gut ein Drittel kürzer sind als üblich, müssen die Köpfe per Hand mit Blättern abgedeckt werden. Sonst würde sich der Blumenkohl durch die Sonne gelb färben. Er würde zwar noch schmecken, lässt sich aber nicht mehr verkaufen, erklärt Carstens. Er rechnet mit bis zu 50 Prozent weniger Ertrag durch die Trockenheit. Wie sich das finanziell auf den Betrieb auswirkt, das kann er noch nicht sagen.

Erdbeerernte könnte ebenfalls enttäuschend ausfallen

Auch bei der Erdbeerernte rechnen Experten mit deutlichen Einbrüchen. Derzeit wird laut Statistikamt Nord von rund 7.000 Tonnen Erdbeeren ausgegangen. Damit läge die Menge noch hinter dem regenbedingt niedrigen Wert des Vorjahres von knapp 8.000 Tonnen. In guten Jahren werden im nördlichsten Bundesland mehr als 10.000 Tonnen der Früchte geerntet.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 26.07.2018 | 19:30 Uhr

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