Hilfsaktion: Krankenhausbetten aus SH für Osteuropa

Stand: 10.04.2021 06:00 Uhr

Ehrenamtler haben in Lübeck Krankenhausbetten verladen. Sie sind für marode Kliniken in Moldawien und der Ukraine bestimmt. Die Spende des Lübecker UKSH soll mit Lastwagen in die bedürftigen Länder transportiert werden.

von Hauke von Hallern

Mit Schwung schiebt ein Gabelstapler seine rostigen Zinken unter ein weiß gestrichenes Krankenhausbett. Neben dem Geräusch des Motors ist ein leichtes Schürfen zu hören. Vanessa Holdysz kneift kurz die Augen zusammen. "Pass bitte auf", ruft sie dem Staplerfahrer zu. Mit kritischem Blick verfolgt die Organisatorin der Aktion "Freunde Helfen! Konvoi" wie auf dem Gelände des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Lübeck das erste Krankenbett in einen Lkw verladen wird. Diese sollen schließlich ohne größere Kratzer auf die Ladefläche gehoben und dort von Helfern geschickt und platzsparend in den 40 Tonner gestapelt werden. Die 165 ausgemusterten Betten sind für marode Kliniken in Moldawien und der Ukraine bestimmt.

Es fehlt an Betten, Gehhilfen und Rollstühlen

"Dort schlafen Kinder auf kaputten Stahl-Betten ohne Matratze. Die zugigen Zimmer haben zerbrochene Fenster, die notdürftig mit Plastikfolien zugeklebt sind", berichtet Holdysz. In den osteuropäischen Ländern fehle es an elementarsten Dingen wie Verbandszeug und Desinfektionsmittel. Es gebe keine Rollstühle und Gehhilfen. Vor dem Lastwagen hilft die 35-Jährige dabei, Seiten und Kopfteile der Betten abzumontieren. "Das spart Platz und wir bekommen mehr Material in den Lkw." Neben den Betten verladen die insgesamt 40 Ehrenamtler auch Matratzen, Stühle und zerbrechliche OP-Lampen.

Mit Weihnachtspäckchen fing alles an

Seit mehr als 20 Jahren unterstützen Holdysz und ihr Team Krankenhäuser, Waisen- und Pflegeheime in Osteuropa. Allein im vergangenen Jahr mit 24 Konvois und einer Gesamtladung von 126 Tonnen. Das Material wird von Kliniken und Praxen in ganz Schleswig-Holstein gespendet. Angefangen hat alles mit Weihnachtspäckchen für Kinder- und Pflegeheime. "Ich war persönlich vor Ort und es sind einige behinderte Bewohner ohne Rollstuhl oder Krücken auf mich zugekrochen, um sich zu bedanken. Das war entwürdigend für diese Menschen und für mich ein Schlüsselmoment", erinnert sich Holdysz. Von da an sei ihr klar gewesen, dass die Organisation auch im medizinischen Bereich Hilfe leisten müsse.

Ehrenamtler nehmen extra Urlaub

Niko Raap dirigiert von der Ladefläche aus den Gabelstapler. Jetzt wird es langsam eng auf dem Trailer. "Das wird jetzt mehr und mehr Zentimeterarbeit. Das ist eine echte Herausforderung, wir sind ja keine Logistik-Profis", meint Raap. Der 37-Jährige arbeitet eigentlich im Management eines großen Unternehmens und hat sich wie viele seiner ehrenamtlichen Kollegen für die Aktion extra einen Tag Urlaub genommen. "Wer zum Beispiel Bilder aus einem Krankenhaus in Drobeta im Süden Rumäniens sieht, der lernt schnell wie privilegiert wir es in Deutschland haben und wie gut unser Gesundheitssystem ausgestattet ist", sagt Raap. Für ihn sei es deshalb selbstverständlich sich zu engagieren.

Spenden Willkommen

Gegen Mittag ist der erste Lastwagen beladen. Er soll in Kürze in Richtung Chisinau aufbrechen. Die Haupststadt Moldawiens liegt von Lübeck aus etwa 1.800 Kilometer entfernt. Eine Spedition hat den Lkw kostenlos zur Verfügung gestellt. Maut-, Fracht- und Benzinkosten muss die Organisation aber selber tragen. "Wir finanzieren uns über Spenden. Wer helfen möchte, ist willkommen", sagt Vanessa Holdysz und zieht vorsichtig die Seitenplane des Lastwagens zu.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 09.04.2021 | 19:30 Uhr

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