Hilfe kommt von der Insel Sylt - für Flutopfer aus Rheinland-Pfalz

Stand: 20.07.2021 08:25 Uhr

Die Wassermassen sind verschwunden, es bleiben bretthart gewordener Schlamm, meterhoher Schutt und viel Leid. Viele Menschen im Südwesten Deutschlands haben ihr Zuhause verloren. Der Lister Bürgermeister kann in einem Fall helfen.

Ilse von Rauchhaupt war zur Kur auf Sylt, als das Wasser kam - zum Glück, muss man wahrscheinlich sagen. Aber sie kann nicht zurück in ihr Haus in Walporzheim im Landkreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz - jene Region, die so heftig von den Wassermassen getroffen wurde. Kurz vor Rauchhaupts geplanter Heimreise kam die Flut. Sie steht mit ihrem Rollator am Lister Hafen und erzählt: "Das war eine Riesenflutwelle, die alles mitgerissen hat. Da sind Leute im Schlaf überrascht worden." Dramatische Szenen müssen sich zu Hause abgespielt haben. Die Rentnerin erzählt von ihrer Tochter: "Das Letzte, was sie sagte: 'Das Wasser steht bis zum ersten Stock, ich will noch nicht sterben.'" Ihre Tochter ist noch rechtzeitig herausgekommen. Doch die Wassermassen zerstörten das ganze Haus.

Bürgermeister von List kann helfen

Mehrere zerstörte Häuser nach einer Flut in Ahrweiler in Rheinland-Pfalz. © NDR
Wassermassen haben in Walporzheim im Landkreis Ahrweiler das Zuhause von Ilse von Rauchhaupt zerstört.

Die 82-Jährige denkt zurück: "Das Haus ist 1964 gebaut, hat eine wunderschöne altdeutsche Weinstube. Der Bürgermeister sagte noch, es wäre die schönste Weinstube von der ganzen Ahr. Alles weg, alles weg". Die Rentnerin wendet sich an den Bürgermeister von List. Ihn hatte sie zufällig in einem Corona-Testzentrum kennengelernt, in dem Ronald Benck ehrenamtlich arbeitet. Sie kam zu ihm ins Testzentrum und erzählte von dem Verlust ihres Zuhauses - und sagte, dass sie in ihrer Not schon so weit sei, den Lister Bürgermeister anzurufen. Dass sie genau mit diesem Bürgermeister sprach, ahnte Ilse von Rauchhaupt zu dem Zeitpunkt noch nicht.

Ilse von Rauchhaupt darf erstmal bleiben

Benck stellt ihr eine Gemeinde-Wohnung zur Verfügung, lässt extra eine Rampe für den Rollator einbauen. "Salz und Brot kommt später, der Schlüssel aber sofort", sagt Benck und schafft es, dass Ilse von Rauchhaupt kurz lachen kann. Sie freut sich über die Hilfe und würde am liebsten für immer auf Sylt bleiben, sagt sie. In ihre Heimat möchte sie jedenfalls erst mal nicht mehr zurück. In der Wohnung kann sie erst einmal bis zu vier Wochen bleiben. Unwahrscheinlich dankbar sei sie, sagt Ilse von Rauchhaupt. Und der Lister Bürgermeister ist sich sicher: "Sie wird sich hier wohlfühlen."

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