Stand: 19.12.2019 07:00 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Hebammenmangel: Notbetrieb im Rendsburger Kreißsaal

Rebecca Fuller soll in weniger als zwei Wochen ihre erste Tochter zur Welt bringen. das Kinderzimmer ist schon vorbereitet. Im Kleiderschrank mit Mäusemotiv hängen Schneeanzüge. Die Wickelkommode steht. Eigentlich war für Rebecca Fuller auch schon längst klar, wo ihre Tochter zur Welt kommen sollte: im Kreißsaal der Rendsburger Imland-Klinik. Doch daraus wird nichts. Alle Schwangeren, deren Stichtag zwischen dem 23. Dezember und dem 2. Januar liegt, müssen auf andere Krankenhäuser ausweichen. Insgesamt 20 Frauen sind betroffen. In der Zwischenzeit können lediglich Notfälle im Kreißsaal behandelt werden. Was ein Notfall ist, entscheiden die Ärzte vor Ort.

Klinik konnte Standard nicht halten

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Die Stofftiere für ihre Tochter hat Rebecca Fuller schon - die Klinik musste sie noch einmal wechseln.

Der Grund für die Notsituation: 2019 haben laut Klinik mehrere Hebammen die Klinik verlassen. Manche waren sogar von anderen schleswig-holsteinischen Krankenhäusern abgeworben worden. "Normalerweise arbeiten bei uns jeweils zwei Hebammen pro Schicht - in Acht-Stunden-Schichten", erklärt Professor Oliver Behrens, der Chefarzt der Imland-Klinik. Aktuell fehlen allerdings zwei bis drei Vollzeitkräfte. Hinzu kämen Urlaub und ein Krankheitsfall. Der Standard könne so nicht gehalten werden, so Behrens. Für die elf Tage könne nur gewährleistet werden, dass jeweils eine Hebamme vor Ort sei. Daher würden nur Notfälle aufgenommen.

Hebammenverband: Fall noch nie vorgekommen

Laut Hebammenverband hat es einen ähnlichen Fall noch nicht in Schleswig-Holstein gegeben. Die Stellen seien schwer zu besetzen, da unter anderem die Arbeitszeiten unattraktiv seien, die Belastung sei hoch und die Bezahlung gering. Außerdem müssten zusätzlich viele administrative Arbeiten erledigt werden. Es gäbe nur noch wenige Hebammen, die unter diesen Bedingungen Vollzeit arbeiten würden. "Ich glaube, dass - wenn sich die Situation in den Kreissälen nicht verbessert - Kolleginnen sich andere Tätigkeitsfelder suchen. Dann wird der Engpass noch größer als er sowieso schon ist", sagt Maike Pagel vom Hebammenverband.

Neuer Kreißsaal 40 Minuten entfernt

Fuller erfuhr von der Umstellung in einem sozialen Netzwerk. Sie hatte sich bereits im Sommer dafür entschieden, ihre Tochter in Rendsburg zur Welt zu bringen: "Ich war erst mal am weinen und total enttäuscht." Mittlerweile hat sich die werdende Mutter aber für eine andere Klinik entschieden. Die Tochter wird im Kieler Uni-Klinikum zur Welt kommen. Fahrtzeit knapp 40 Minuten. Das ist fast vier Mal so lang wie zur Rendsburger Klinik.

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.12.2019 | 19:30 Uhr

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