Maren Andresen, Landesinnungsmeisterin des Bäckerhandwerks, hält eine Tüte mit der Aufschrift: "Gewalt kommt nicht in die Tüte" in die Höhe. © NDR

Häusliche Gewalt in SH: 4.900 Opfer in einem Jahr

Stand: 23.11.2020 12:39 Uhr

Bäckereien in Schleswig-Holstein haben am Montag eine Aktionswoche gestartet, um auf das Problem der häuslichen Gewalt aufmerksam zu machen. Ministerin Sütterlin-Waack betont die Bedeutung der Aktion gerade während der Pandemie.

Seit Montag packen Bäcker in ganz Schleswig-Holstein Brötchen, Brezeln und Zimtschnecken wieder in Papiertüten, auf denen die Botschaft "Gewalt kommt nicht in die Tüte" zu lesen ist. Der Innen- und Gleichstellungsministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) ist diese Aktion gerade in Zeiten der Corona-Pandemie ein besonderes Anliegen. Die eigenen vier Wände seien nicht für alle Frauen ein sicherer Ort, so die Ministerin. Wenig Platz und Freiraum zu Hause in Verbindung mit finanziellen Sorgen oder psychischen Erkrankungen erhöhe das Risiko von körperlicher und sexueller Gewalt.

Durchschnittlich mehr als 13 Fälle pro Tag in SH

Die Aktion "Gewalt kommt nicht in die Tüte" sei deshalb umso wichtiger, sagte Sütterlin-Waack. Sie rufe alle auf, hin zu schauen und wachsam zu sein. Nach Angaben ihres Ministeriums wurden im vergangenen Jahr 4.900 Menschen Schleswig-Holsteiner Opfer von Partnerschaftsgewalt, 3.900 von ihnen Frauen. Deutschlandweit kamen im vergangenen Jahr 117 Frauen durch Gewalt ihres Partners ums Leben.

Hilfetelefon: 08000 - 116 016

Rund 280 Bäckereien in ganz Schleswig-Holstein geben bis Sonnabend fast 320.000 Tüten heraus, auf denen nicht nur das Motto der Aktionswoche abgedruckt ist, sondern auch die Nummer des Hilfetelefons (08000 116 016). Hier können Betroffene rund um die Uhr Unterstützung bekommen. Die Aktionswoche findet in Schleswig-Holstein bereits zum 17. Mal statt - auch diesmal wieder rund um den 25. November, den "Internationalen Tag zur Beseitigung von Gewalt an Frauen".

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Die Initiatorin der Ausstellung "Was hattest du an?" sitzt im Schneidersitz auf einem Stuhl. In den Händen hält sie eine Tafel mit der Aufschrift: "Für jede stumme Stimme. Für jede unerzählte Geschichte. Für jede Sekunde Leid. Gegen jede Art von 'Was hattest du an?'." © Sarah Denecken Foto: Sarah Denecken

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 23.11.2020 | 19:30 Uhr

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