Annalena Baerbock klopft Robert Habeck auf die Schulter.  Foto: Kay Nietfeld

Habeck: Vom "jungen Aktivisten" zum grünen Spitzenpolitiker

Stand: 19.04.2021 14:16 Uhr

Robert Habeck tritt einen Schritt zurück. Am Montagvormittag hat er im Livestream angekündigt, dass Co-Chefin Annalena Baerbock die Grünen als Spitzenkandidatin in die Bundestagswahl führen wird. Dabei war es auch sein Wunsch.

von Constantin Gill

Nun wird er mit Baerbock zusammen um eine Regierungsbeteiligung kämpfen. Aber aus der zweiten Reihe. Eine neue Rolle für ihn. Bislang stand er meist im Mittelpunkt. Gestalten, etwas verändern - mit diesem Ziel ging Robert Habeck vor knapp 20 Jahren erstmals zur Kreismitgliederversammlung der Grünen in Tarp im Kreis Schleswig-Flensburg. Doch, so erinnert sich Habeck, es bot sich ihm ein ganz anderes Bild: "Es waren nicht viele Leute da und die waren eher trübselig drauf." Die Mitglieder hätten ihm deshalb kurzerhand gesagt: "Wenn Du es willst, mach Du das doch" - und dann wählten sie Habeck zu ihrem Kreisvorsitzenden.

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Manfred Willner-Höfer kennt Habeck aus dieser Zeit. Ein "junger Aktivist" sei Habeck gewesen, sagt Willner-Höfer, und habe "viel Potential" gehabt. Er beschreibt ihn als "Mann der Sprache" und "Weltbürger."

Rasanter Aufstieg in der Partei

Und so geht es für Habeck geht es nach seiner Zeit in der Kommunalpolitik rasant nach oben. Fünf Jahre lang ist er Landesvorsitzender. Wird 2009 Fraktionschef im Landtag und 2012 stellvertretender Ministerpräsident und Umweltminister in Schleswig-Holstein. In dieser Zeit verschafft er sich Respekt auch bei den Gruppen, die grünen Umweltministern gegenüber traditionell eher kritisch eingestellt sind: Landwirten etwa und Fischern.

Wie Habeck Kompromisse erzielt, hat er zuletzt anhand eines Zitates des Schriftstellers Max Frisch erklärt. Man dürfe den Menschen die Wahrheit nicht wie einen nassen Lappen ins Gesicht schlagen, sondern müsse sie wie einen Mantel hinhalten, in den man reinschlüpfen kann. So will der 51-jährige das Wahlprogramm der Grünen umsetzen. Umweltschutz nur in Einklang mit der Landwirtschaft. Die Wirtschaft umbauen, um mehr Klimaschutz zu ermöglichen - aber die Rede ist von Transformation, nicht Revolution.

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Die Aussicht, dass die Grünen mit diesem Kurs erfolgreich sein könnten, scheint auch Kritiker verstummen zu lassen. "Allen ist klar, dass das eine unglaubliche Chance ist", sagt die Kreisvorsitzende in Schleswig-Flensburg, Uta Bergfeld.

Kandidat im Heimatwahlkreis

Im Jahr 2015 versucht Habeck, Spitzenkandidat für die Bundestagswahl 2017 zu werden. Er unterliegt dabei nur knapp dem damaligen Parteichef Cem Özdemir, den er dann ein Jahr später ablösen wird. Der Abschied aus Schleswig-Holstein fällt Habeck schwer. Nach seiner Wahl zum Grünen-Bundeschef, erzählt Habeck, habe er sich erst einmal eine "Nordabstinenz" auferlegt. Er muss sich nun in der Berliner Politikszene zurecht finden. Dabei erlaubt er sich auch Patzer: Etwa beim Erklären der Pendlerpauschale oder der Frage, wie die Grünen zur Inhaftierung von Julian Assange stehen.

Die "Nordabstinenz" ist nun längst vorbei, inzwischen hat sich Habeck wieder häufiger in Schleswig-Holstein sehen lassen. Vor zwei Tagen ließ er sich als Direktkandidat für den Wahlkreis 1 Flensburg-Schleswig aufstellen. Dass in Berlin auf ihn höhere Aufgaben warten, war zu diesem Zeitpunkt schon klar: Ob nun als einfacher Abgeordneter, Regierungsmitglied, Minister. So bat Habeck die Mitglieder der Kreisverbände schon einmal im Voraus um Verständnis, nach der Wahl "nicht jeden Dienstag eine Bürgersprechstunde" anbieten zu können.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.04.2021 | 12:00 Uhr

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