Stand: 11.01.2018 17:00 Uhr

Habeck: Grüne sollen Spielmacher werden

von Stefan Böhnke

Es ist sein zweiter Versuch, auf bundespolitischer Bühne in seiner Partei Fuß zu fassen. Vor einem Jahr scheiterte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck knapp bei der Urwahl zum Spitzenkandidaten der Grünen für die Bundestagswahl. Nun will er Parteichef werden. Sollte Habeck beim Bundesparteitag Ende Januar in Hannover gewählt werden, würde er aber erst nach einer Übergangszeit ganz nach Berlin wechseln. Das könnte seiner Wahl zum Parteivorsitzenden nun entgegenstehen, denn dafür ist eine Satzungsänderung notwendig. "Bisher sind alle Satzungsänderungen gescheitert", stellt Habeck nüchtern im Interview mit NDR Schleswig-Holstein fest. Denn als die Satzung der Partei 1980 verabschiedet worden sei, hätten die Grünen noch überhaupt nicht daran gedacht, dass Regierungsverantwortung einmal Teil der Parteiarbeit werde.

Wenn's nicht klappt, will Habeck in SH bleiben

Seine Kandidatur sieht Habeck als Angebot an die Grünen. Die Delegierten des Parteitages müssten sich fragen: "Will die Partei, dass politische Erfahrung in der Umsetzung der Regierung in den Parteivorsitz einfließt? Und wenn die Antwort 'Nein' ist, dann kann ich es natürlich auch nicht machen", sagt Habeck selbstbewusst. Auf die Frage, ob er nicht in ein Loch fallen würde, wenn auch der zweite bundespolitische Anlauf scheitert, antwortet er gleich zwei Mal mit "gar nicht". Als grüner Parteichef müsste er in der Perspektive den besten Job aufgeben, den er je gehabt habe - als Umweltminister. Wenn er nicht gewünscht sei, dann "schüttele ich mich drei Tage - und dann bin ich mit großer Leidenschaft so lange wie ich das sein darf Minister in Schleswig-Holstein".

Chance mehr als neun Prozent zu bekommen

Mit dem Verzicht der bisherigen Bundesvorsitzenden Simone Peter auf eine erneute Kandidatur stehen die Grünen vor einem völligen personellen Neuanfang an der Spitze. Habeck begrüßte das im Gespräch mit dem NDR Schleswig-Holstein. Eine neue Zeit braucht seiner Meinung nach auch neue Personen mit neuen Ideen und neuem Elan. Denn Habeck sieht Chancen für die Grünen, außerhalb der Kerngruppe, Zustimmung zu erhalten und mehr als neun Prozent zu bekommen. Grüne Inhalte sind seiner Meinung nach in der Gesellschaft angekommen.

"Wir müssen Spielmacher und Spielführer werden"

Als Beispiele nennt er unter anderem die Energiewende, das Verhältnis Familie und das Thema gesunde Ernährung. Gleichzeitig verändere sich die politische Landschaft: Die Ränder würden populistischer - die Volksparteien in einer weiteren großen Koalition "müder". Habeck sieht dort eine aufkommende politische Lücke, die die Grünen mit einer ökologischen Reform-Agenda füllen könnten. Er sieht aber auch, dass dafür auch ein Image-Wechsel notwendig ist: "Und ja, das heißt, dass wir uns selbst nicht mehr als Kritiker der Gesellschaft - als von außen am Spielfeldrand stehende zurufende Besserwisser verstehen -, sondern auf dem Spielfeld, Spielführer oder Spielmacher werden müssen", sagt Habeck. Ob er für die Grünen dann künftig weiter in der Landes- oder in der Bundesliga spielt, entscheiden die Delegierten des Bundesparteitages Ende Januar in Hannover.

Weitere Informationen

Das reizt Habeck am Grünen-Parteivorsitz

Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck möchte Bundesvorsitzender der Grünen werden. In einer Pressekonferenz im Kieler Landeshaus hat er seine Beweggründe erläutert. mehr

Robert Habeck als Retter der Grünen?

Von Kiel nach Berlin? Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck will an die Grünen-Parteispitze. Es gibt mehrere Gründe für seine Kandidatur, kommentiert Christoph Prössl. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.01.2018 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Schleswig-Holstein

03:20
Schleswig-Holstein Magazin

Tierarztmangel auf dem Land

17.07.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
03:10
Schleswig-Holstein Magazin

Feuerwehr im Einsatz gegen Trockenheit

17.07.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin
02:25
Schleswig-Holstein Magazin

Dithmarschen: Trockenheit bereitet Probleme

17.07.2018 19:30 Uhr
Schleswig-Holstein Magazin