Stand: 11.12.2018 18:24 Uhr

HSH Nordbank: Nur 200 Stellen bleiben in Kiel

Für die Beschäftigten der HSH Nordbank in Kiel ist es hart: Nur noch rund 200 - von derzeit fast 700 - Stellen bei der Bank soll es künftig am Kieler Standort geben. Über diese Pläne hat Vorstandschef Stefan Ermisch am Dienstag auf einer Mitarbeiterversammlung informiert. Auch in Hamburg gab es eine Betriebsversammlung. Das Ergebnis: In der Hansestadt werden rund 300 der 950 Stellen aufgegeben. Insgesamt fallen also etwa 800 Stellen an beiden Standorten weg. Laut Betriebsratschefin Simone Graf sind zudem Stellenverschiebungen zwischen Kiel und Hamburg geplant.

Emotionale Veranstaltung in Kiel

In Kiel sei es eine sehr emotionale Veranstaltung gewesen, sagte Betriebsratschefin Simone Graf. Auch Tränen seien geflossen. "Das war für viele, obwohl sie vorbereitet waren, einfach ein Schlag ins Kontor. Die Privatisierung rettet Arbeitsplätze, aber der Preis ist irrsinnig hoch", betonte Graf.

Vertreter von Ver.di wie auch von der SPD schimpfen und meinen, das Land habe die Beschäftigten im Stich gelassen. Kiels Oberbürgermeister Kämpfer will einen Personal-Pool für entlassene HSH-Mitarbeiter auf den Weg bringen, um sie in anderen Unternehmen unterzubringen, die nach Fachkräften suchen.

Neuer Name: Hamburg Commercial Bank

Für Kiel sei unter anderem vorgesehen, dass von mehr als 180 IT-Mitarbeitern etwa 60 in der Bank bleiben, sagte Graf. Etwa 130 sollen zu einem Provider wechseln. Wer das sein wird, stehe noch nicht fest. Unklar ist noch, wann die Stellen abgebaut werden sollen. Auch Stellenverschiebungen zwischen Kiel und Hamburg sind laut Graf vorgesehen. Am Kieler Standort sollen bald nur noch Verwaltungs- und IT-Aufgaben erledigt werden.

Die privatisierte HSH Nordbank soll in Hamburg Commercial Bank umbenannt werden. Personal- und Sachkosten sollen reduziert werden. Zuletzt hatte die Bank noch 1.700 Beschäftigte, umgerechnet auf Vollzeit-Stellen.

Heinold: Keine Zusagen über Erhalt von Arbeitsplätzen

"Für uns als Land und für die Mitarbeiter ist es tief frustrierend, dass Arbeitsplätze abgebaut werden", sagte Finanzministerin Monika Heinold (Grüne) NDR Schleswig-Holstein. "Wir haben als Land mit dem Käufer keine Zusagen über den Erhalt von Arbeitsplätzen vereinbart", betonte sie weiter. Die Landesregierung habe gegenüber dem Vorstand aber deutlich gemacht, dass Kiel ein guter Bankenstandort sei. Der Verkauf sei aus Sicht der Regierung die bessere Alternative zur Abwicklung gewesen, wo es gar keine Perspektive auf Arbeitsplätze mehr gegeben hätte.

Landesregierung wirbt für Kiel

Derweil hat sich die Landesregierung eingeschaltet. Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) und Finanzministerin Heinold werben gemeinsam in einem Brief, der NDR Schleswig-Holstein vorliegt, für den Erhalt des Standorts am Kleinen Kiel. Die beiden Politiker nehmen die Stellenstreichung mit Bedauern zur Kenntnis. Sie halten Kiel für einen attraktiven Bankenstandort mit herausragendem wirtschaftswissenschaftlichen Umfeld und unternehmerischen Netzwerken. Zudem hätte die Stadt eine hervorragende Lebensqualität, die bei der Personalbindung und -gewinnung wichtig sei. Diese Aspekte sollten die Bankchefs bei zukünftigen Standort-Entscheidungen berücksichtigen, schreiben sie.

Milliarden-Garantien der Länder

Die HSH Nordbank war 2003 aus der Fusion der Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein hervorgegangen und hatte mit vielen Krisen und Skandalen zu kämpfen. Sie war in der Finanz- und Schifffahrtskrise in Schieflage geraten und brauchte Milliarden-Garantien der Länder. Nachdem die Bank zwei Mal von den Ländern vor der Insolvenz gerettet wurde, musste sie auf Anweisung der EU-Kommission verkauft oder abgewickelt werden. Ende November ging sie für einen Kaufpreis von einer Milliarde Euro an US-amerikanische Investmentfonds unter der Führung der Firma Cerberus und des Investors Christopher C. Flowers. Der US-Investor Cerberus ist ein Hedgefond und auf Firmen am Abgrund spezialisiert.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.12.2018 | 22:00 Uhr

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