Stand: 21.09.2019 16:00 Uhr

Großreinemachen auf der Schlei

von Simone Steinhardt

"Wir wohnen hier vielleicht an einem der schönsten Orte der Welt. Und wir sollten unseren Beitrag dazu leisten, dass es hier schön bleibt", sagt Frank Nissen. Er ist einer von 70 freiwilligen Helfern, die heute mit ihren privaten Schlauchbooten über die Schlei tuckern und Müll einsammeln. Frank Nissen und seine beiden Mitstreiter im Boot sind ganz begeistert von der Müllsammelaktion, die die Rotarier Kappeln letztes Jahr zum ersten Mal gestartet haben. "Man nutzt das Wetter, ist draußen, macht was mit Freunden - und kann abends sagen: gutes Ding", meint Kai Lorenzen, der das Schlauchboot steuert.

Taucher fischen viel Metallschrott

Es ist kurz vor 11 Uhr - die drei haben gerade erst angefangen, ihr Gebiet nach Müll abzusuchen. Noch sind erst ein paar leere Bierdosen in ihrem blauen Müllsack auf dem Schlauchboot. Oberflächlich betrachtet ist das Wasser am Nordhafen in Kappeln momentan sauber. Plastik oder anderer Müll ist nicht sichtbar. Unter der Wasseroberfläche sieht es allerdings ganz anders aus. Ein vierköpfiges Taucherteam hat schon so einiges vom Grund geholt, was da nicht hingehört. Neben alten Fahrradreifen hat es vor allem viel Metallschrot aus viereinhalb Metern Tiefe gefischt: ein verrostetes Fahrrad, einen kompletten Bauzaun, an dem sich schon viele Miesmuscheln festgesetzt haben, ein Hinweisschild mit Abfahrtszeiten der Ausflugsdampfer.

Dabei hatten die Taucher eigentlich mit anderen Hinterlassenschaften gerechnet: "Vor allem Glasmüll, weil hier am Hafen ja auch gefeiert wird. Oder auch Einkaufswagen, die hier mal über die Kante gehen", sagt Tim Eggers, der das Tauchteam organisiert. Nach Müll taucht die Truppe heute zum ersten Mal. "Eigentlich sind wir Wracktaucher in der Nord- und Ostsee", verrät Eggers schmunzelnd.

Keine guten Tauchbedingungen

Während die Müllsammler sich auf dem Wasser über bestes Wetter freuen, sieht es für die Taucher im Hafenbecken ganz anders aus. Es gibt nämlich Besuch: von vielen Feuerquallen. "Außerdem ist die Sicht schlecht und wir haben Strömung. Es sind nicht die besten Bedingungen", fasst Taucher Ingo Diekmann zusammen.

Aktion: Freiwillige fischen Müll aus der Schlei

Dunkelheit und Müll an der tiefsten Stelle der Schlei

Außerdem soll sein Team heute noch bei Rabelsund auf Tauchstation gehen. Dort geht es rund 17 Meter in die Tiefe - bei ebenfalls schwierigen Bedingungen. "Es ist absolut dunkel da unten. Außerdem haben wir ungünstige Strömung. Wir gehen deshalb an einem Seil runter, damit wir in der Nähe des Bootes bleiben." Ansonsten wird die Taucher dort viel Müll erwarten, befürchtet Diekmann: "Tresore und vor allem jede Menge Industriemüll."

Wie viel Müll und was genau dieses Mal zusammenkommt, wissen die Helfer erst später. Vergangenes Jahr haben sie sieben Kubikmeter aus der Schlei gefischt. "Gummistiefel und -handschuhe und Autoreifen waren dabei. Das gehört definitiv nicht in die Schlei", sagt Frank Nissen. Über die kuriosesten Funde werden sie mit Sicherheit am Abend schnacken. Dann winkt als Belohnung Grillen für alle Helfer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.09.2019 | 15:00 Uhr

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