Auf dem vergrößerten Foto ist der Jupiter und der Saturn zu sehen.  Foto: Elmenhorst Schmidt

Große Konjunktion: Wie sich Jupiter und Saturn annähern

Stand: 22.12.2020 21:01 Uhr

Der Leiter der Sternwarte Neumünster beobachtet seit Tagen, wie sich Jupiter und Saturn annähern. Eine Theorie besagt, dass die sogenannte Große Konjunktion der "Stern von Bethlehem" gewesen sein könnte.

von Kai Peuckert

Ein Fahrradlicht kämpft sich durch die Dunkelheit. Der Feldweg am Stadtrand von Neumünster hat keine Straßenbeleuchtung. Der Fahrradfahrer hat sich diesen Ort bewusst ausgewählt. Hier hat er beste Sicht auf den Himmel. Der Radler ist Marco Ludwig, Leiter der Sternwarte Neumünster. Er holt seine beiden Kameras und verschiedene Objektive aus dem Kinderanhänger seines Rades, den er zum Gepäckträger umfunktioniert hat. Seit Tagen zieht es Ludwig immer um kurz vor 17 Uhr an einen dunklen Ort am Rande der Stadt, denn die Sternwarte ist Corona-bedingt geschlossen. Dort versucht er, unter freiem Himmel die Große Konjunktion von Jupiter und Saturn - den beiden größten Planeten unseres Sonnensystems - zu beobachten. "Die beiden tanzen seit dem Sommer umeinander. Und zur Wintersonnenwende kommen sie sich am nächsten", kommentiert Ludwig die Annäherung der Planeten.

Eine geschlossene Wolkendecke

In den vergangenen Tagen waren einige Abende sternenklar. Marco Ludwig konnte beeindruckende Videos und Bilder machen. Heute gibt es eine Wolkendecke mit nur wenigen Lücken. Trotzdem will er versuchen, die Planeten zu sehen. Wenn die Wolken an der richtigen Stelle im Südwesten, rechts vom Mond, aufreißen, werden Jupiter und Saturn mit dem bloßen Auge wie ein heller Stern aussehen. "Da ist der Mond", ruft der Sternengucker plötzlich. "Jetzt bin ich wieder optimistisch, dass ich heute etwas zu sehen bekomme."

Nur die Umlaufbahnen kreuzen sich

Es ist der Optimismus eines Mannes, der für beste Sicht auf astronomische Ereignisse schon um die halbe Welt geflogen ist. Die Große Konjunktion ist, wie viele Himmelsphänomene, ein perspektivisches Phänomen. Die Umlaufbahnen der Planeten kreuzen von der Erde aus gesehen. "Im Weltall sind Jupiter und Saturn fast 750 Millionen Kilometer voneinander entfernt. Zum Vergleich: Die Distanz von der Sonne zur Erde beträgt nur 150 Millionen Kilometer", erläutert Ludwig. Für ist aber nicht nur der Tag der nächsten Annäherung ein Ereignis: Anders als bei einer Mond- oder Sonnenfinsternis baut sich das Treffen von Saturn und Jupiter langsam auf - und danach wieder ab. Es beeindruckt den Neumünsteraner und auch Astronomen rund um den Erdball für mehrere Tage.

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War die Konjunktion der "Stern von Bethlehem"?

Auch der deutsche Astronom Johannes Kepler, der die Gesetzmäßigkeiten des Sonnensystems entdeckte, habe vor rund 400 Jahren eine Große Konjunktion gesehen, berichtet der Sternwarten-Leiter, während in Sichtweite der Regionalexpress 7 von Neumünster in Richtung Norden vorbeirauscht. "Und er hat Berechnungen angestellt, dass auch vor gut 2.000 Jahren eine Große Konjunktion stattgefunden hat. Es kann also sein, dass dieses Phänomen der "Stern von Bethlehem" war, dem die Heiligen Drei Könige zum Jesuskind an die Krippe gefolgt sind."

Phänomen ist für wenige Minuten zu sehen

Um kurz nach 18 Uhr verstaut Marco Ludwig sein Equipment wieder in seinen Kinderanhänger. "Die Planeten sind jetzt schon wieder untergegangen. Es ist typisch für Schleswig-Holstein, dass große astronomische Ereignisse maximal ein paar Minuten zu sehen sind", sagt er. Ludwig steigt auf sein Rad und fährt durch die wolkenverhangene Nacht nach Hause. Auch in den nächsten Tagen wird er sich wieder einen dunklen Ort am Rand von Neumünster suchen. Denn er weiß: So nah zusammen wie im Moment wird er Jupiter und Saturn nicht mehr sehen. Das wird laut Ludwig erst in 60 Jahren wieder passieren.

Kurze Zeit später bekommt Marco Ludwig von befreundeten Astronomen die ersten Fotos aufs Handy - aus Rostock und Rom. Sie hatten mehr Glück. Und wer weiß: Vielleicht ist es ja wirklich der Weihnachtsstern auf den Bildern.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 22.12.2020 | 19:30 Uhr

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