Stand: 27.10.2016 20:08 Uhr

Gierige Gaffer klauen Feuerwehr die Brötchen

Feuerwehrleute stehen an ihrem Einsatzwagen © NDR Foto: Julian Marxen
Die freiwilligen Feuerwehrleute hatten nach eigenen Angaben erhebliche Probleme beim Einsatz in Timmendorfer Strand.

Rücksichtslose Gaffer behindern immer wieder die Arbeit von Einsatzkräften. Auch nach dem Großbrand im "Nautic Club" am Mittwoch klagen Feuerwehrleute über das Verhalten von Schaulustigen an der Einsatzstelle im Zentrum von Timmendorfer Strand. Während die rund 150 Feuerwehrleute gegen die Flammen in der Einkaufspassage kämpften, bedienten sich nach Angaben der Feuerwehr einige Gaffer am Proviant der ehrenamtlichen Einsatzkräfte. "So etwas habe ich noch nie erlebt", sagt Gemeindewehrführer Stephan Muuss im Gespräch mit NDR 1 Welle Nord.

Gaffer greifen bei Käsebrötchen munter zu

Eine Bäckerei in der Fußgängerzone hatte die belegten Brötchen und den Kaffee für die ehrenamtlichen Helfer aufgestellt. "Bevor wir dazu kamen, uns zu stärken, waren die Gaffer schon dabei", sagt Gemeindewehrführer Muuss von der Freiwilligen Feuerwehr Timmendorfer Strand. Auch Aufforderungen, die Käsebrötchen nicht zu essen, überhörten die vier oder fünf jungen Männer und griffen nach seinen Angaben erneut munter zu. Schließlich entschied die Feuerwehrleitung, den Tisch direkt an ihren Kommandowagen zu stellen - gegen den Protest der Schaulustigen. "Ich hatte eigentlich andere Dinge im Kopf", sagt Muuss und spricht von einer "dumm-dreisten Aktion" der Gaffer. Wer die Männer waren, konnte Muuss nicht sagen.

Andere Feuerwehrleute hätten ihm darüber hinaus von uneinsichtigen Autofahrern berichtet, die sich nicht von den Straßensperren der Feuerwehr aufhalten lassen wollten. Die Ortsdurchfahrt des Ostseebades war während der stundenlangen Löscharbeiten gesperrt. Der Landesfeuerwehrverband hat nach Angaben eines Sprechers nur über Medienberichte und entsprechende Kommentare im Internet von den Problemen bei dem Einsatz erfahren.

Brandermittler untersuchen Ruine

Bei den Löscharbeiten war eine Feuerwehrfrau leicht verletzt worden. Die Polizei begann am Donnerstag mit der Untersuchung der Brandruine. Wie der Sprecher der Lübecker Polizei, Dierk Dürbrook, mitteilte, haben die Einsatzkräfte zunächst nur die Stabilität der Wände und Decken in Augenschein genommen. Sie wollten anschließend nicht sagen, ob sie schon erste Hinweise auf Brandstiftung gefunden haben oder nicht. Die Beamten befragten außerdem Anwohner und Feuerwehrleute und werteten Fotos aus der Brandnacht aus.

Der Schaden durch die Ruine für den angrenzenden Einzelhandel und den Tourismus schätzt Tourismus-Chef Joachim Nitz auf einen zweistelligen Millionenbetrag. Derzeit wird das Löschwasser in den angrenzenden Geschäften von Spezialmaschinen abgepumpt. Das Weihnachtsgeschäft werde leiden, langfristige gebe es einen Imageschaden für Timmendorfer Strand, so Nitz.

Kreisverwaltung: Keine Baugenehmigung

Der Betreiber hatte die Diskothek gerade erst modernisieren lassen - nach Angaben der Kreisverwaltung in Eutin lag dafür noch keine Baugenehmigung vor. Eine Sprecherin des Kreises sagte NDR 1 Welle Nord, der Betrieb habe zwar einen Bauantrag gestellt, dieser sei aber nicht positiv beschieden worden.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 28.10.2016 | 06:00 Uhr

Nachrichten aus Schleswig-Holstein

Blick auf den Lübecker Weihnachtsmarkt am Rathaus. © dpa-Bildfunk Foto: Daniel Bockwoldt

Corona: Weihnachtsmarkt in Lübeck abgesagt

Die Liste der Weihnachtsmarkt-Absagen wird immer länger. In Lübeck gilt ab Dienstag zudem eine erweiterte Maskenpflicht. mehr

Ein junger Mann und eine ältere Dame sitzen sich an einem Tisch gegenüber.

"Wohnen für Hilfe": Studentenwerk vermittelt Wohnpartner

Bezahlbarer Wohnraum für Studierende ist knapp. Das Studentenwerk bringt private Wohnraumgeber und Studierende zusammen. mehr

Am Eingang eines Geschäfts wird auf das Tragen eines Mundschutzes verwiesen. © dpa-Bildfunk Foto: Friso Gentsch

Corona-Risikogebiete: Was gilt wo in SH?

Mehrere Kreise überschreiten die Warnschwellen bei Corona-Neuinfektionen. Aber nicht überall gelten dieselben Schutzmaßnahmen. mehr

Blick von oben auf gehende Menschen. © photocase Foto: testfight

Corona: Stormarn über 50er-Inzidenz-Wert

Der Kreis hat die Corona-Auflagen noch am Montag verschärft. Segeberg und Lübeck erreichten die erste Warnstufe. mehr

Videos