Stand: 13.09.2020 10:04 Uhr

Green Screen: Kirche wird zur Filmfest-Kulisse

von Andrea Schmidt

Die Filmemacher Annette und Klaus Scheurich von der Marco Polo Film AG in Heidelberg haben sich ganz hinten in die Sankt Nicolai Kirche gesetzt. Gleich läuft der Naturfilm "Polartag - Skandinaviens Wildnis im Sommer", an dem sie als Produzenten mitgewirkt haben (Regie: Steffen und Alexandra Sailer). Das Ehepaar, das schon so viele Preise für Natur- und Tierfilme eingeheimst hat, ist mal wieder zu Gast beim mittlerweile 14. Green Screen Festival in Eckernförde, dem bedeutendsten Naturfilmfestival Europas. Einmal kurz nicht an Corona denken, einmal ausblenden, dass hier sonst mehr als 150 Filmemacher vor Ort sind und 45.000 Menschen die Filme in vielen verschiedenen Filmstätten bewundern. "Wir freuen uns einfach unglaublich, dass Green Screen überhaupt stattfindet, und dann noch vor Publikum in dieser restaurierten Kirche", strahlt Annette Scheurich.

Nur etwa 50 Zuschauer passen in die wunderschöne Sankt Nicolaikirche. "Wir müssen jeden dritten Platz freihalten", sagt Ulrike Lafrenz vom Vorstand Green Screen. Zusammen mit rund 150 freiwilligen Helfern hat sie das Festival unter den außergewöhnlichen Umständen auf die Beine gestellt. "Wir sind froh, dass wir die Kirche dazubekommen haben, weil ja in diesem Jahr auch die Stadthalle komplett wegfällt." Vorne ist eine große Leinwand aufgestellt, überall stehen Lautsprecher. Die Zuschauer verfolgen den 45-minütigen Film, staunen über eindrucksvolle Bilder von Rentieren oder Braunbären, verfolgen das Erwachen des Frühlings, die ewige Taghelle im Hochsommer, die schlüpfenden Stechmücken, die Hitzewellen, den Klimawandel und noch so viel mehr. Austernfischer tanzen zur Hintergrundmusik, Seeadler schwingen ihre riesigen Flügel im Zeitraffer.

Zuschauer: "Wundervolle Atmosphäre"

Am Ende des Films folgt herzlicher Applaus. Bente aus Schwentinental (Kreis Plön) - zum zweiten Mal beim Festival dabei - ist begeistert. "Die Atmosphäre hier in der Kirche ist wunderschön. Die Akustik war ganz toll und macht das Ganze noch etwas erhabener." Beeindruckend, wie die Rentiere durch das Meer schwimmen oder wie die Bäume quasi am Boden entlang kriechen. "Schon Wahnsinn, was die Natur macht, um zu überleben." Die Filmemacher kommen nach vorne und erzählen ein bisschen über die Dreharbeiten. Zum Beispiel über die Mücken. "Die Burschen fressen einen schon auf. So manch ein Kameramann hatte sich angezogen wie ein Imker", sagt Klaus Scheurich und lacht. Das Publikum darf in diesem Jahr wegen Corona leider keine Fragen stellen. In den Jahren zuvor entstanden hier immer lebhafte Diskussionen. Schade. Auch Organisatorin Ulrike Lafrenz gibt zu: "Wir vermissen die Festivalatmosphäre in Eckernförde."

Nah dran an den Filmemachern - auch ohne Fragestunde

Die Zuschauer sind dennoch dankbar, dass Green Screen überhaupt stattfindet. "Großartig, wie die Helfer das hier organisiert haben", sagt Besucher Ralf Blömer aus Mönkeberg (Kreis Plön). Auch nach dem kurzen Auftritt der Filmemacher haben er und seine Frau Anne einen guten Eindruck von der Arbeit hinter den Kulissen bekommen. "Es ist erstaunlich, wie viel Aufwand und Vorbereitung nötig sind für einen 45-minütigen Film." Und Anne Blömer ergänzt: "Und wann lernt man schon die Filmemacher kennen? Die zwei sind sehr nahbar. Menschen wie du und ich." Annette und Klaus Scheurich dürfte das freuen. Ihr größtes Ziel: Zuschauer mit den Naturfilmen begeistern und auf die Umweltprobleme der Welt aufmerksam machen.

Preisverleihung online

Am Wochenende fand außerdem die Preisverleihung von Green Screen statt - moderiert von Festivalleiter Dirk Steffens und online ausgestrahlt - wie so vieles in diesem Jahr. Der beste Film war "My Octopus Teacher" von James Reed und Pippa Ehrlich. Ein Film, der in der Unterwasserwelt vor der Küste Südafrikas spielt und das Leben eines Tintenfisches begleitet. Wer noch in den Genuss kommen möchte, einen Film live zu sehen: In Eckernförde werden noch bis zum 20. September Dokumentationen gezeigt - entweder in der Sankt Nicolai Kirche oder in Carls Eventlocation. Außerdem können Interessierte Filme jeden Tag kostenlos auf der Website des Festivals sehen. Auch in Kiel, Schleswig und Rendsburg werden in den Kinos ab dem 21. September gemäß der geltenden Hygienevorschriften Naturfilmproduktionen präsentiert - noch bis zum 15. Oktober.

Karten zum Teil noch erhältlich

Karten für einzelne Vorstellungen in Eckernförde sind noch an den Abendkassen erhältlich. Für die Vorführungen ab dem 21. September im Studio Kino Kiel, im Schleswiger Capitol sowie im Kino-Center und der Schauburg Rendsburg gibt es die Tickets direkt in den jeweiligen Kinos.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Moin! Schleswig-Holstein – Von Binnenland und Waterkant | 15.09.2020 | 20:05 Uhr

Einige Menschen sitzen in einer Kirche und schauen einen Film über eine Leinwand.  Foto: Andrea Schmidt

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