Stand: 20.03.2018 19:08 Uhr

"Gorch Fock": Sanierung verschlingt weitere Millionen

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Der Bund ist bereit, 135 Millionen Euro für die Sanierung der "Gorch Fock" auszugeben, die derzeit auf einer Werft in Bremerhaven liegt.

Die "Gorch Fock" ist ein schwimmendes Stück Tradition der Bundeswehr. Fast alle Offiziere der Marine haben auf dem Segelschulschiff ihre Ausbildung absolviert. Dem Bundesverteidigungsministerium ist die Reparatur des 60 Jahre alten Dreimasters Millionen wert. Die Kosten steigen und steigen. Anfänglich war man von geschätzten zehn Millionen Euro ausgegangen. Nun könnte die Instandsetzung bis zu 135 Millionen Euro kosten, sagte ein Ministeriumssprecher am Dienstag. Die Koalition sei von Ministerin Ursula von der Leyen informiert worden. Damit bestätigte der Sprecher einen entsprechenden Bericht von NDR Info. Das Ministerium hat trotz der Kosten-"Explosion" entschieden, die Arbeiten an der "Gorch Fock" weiter durchführen zu lassen. Sie waren zwischenzeitlich gestoppt worden, nachdem im Januar - nicht zum ersten Mal - deutlich geworden war, dass die Sanierung deutlich teurer wird als geplant.

Immer neue Reparaturen werden nötig

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Ober- und Zwischendeck der "Gorch Fock" müssen ausgetauscht werden.

Nach NDR Informationen ist nun klar, dass die Außenhaut des Schiffs fast vollständig erneuert werden muss. Außerdem soll das Ober- und das Zwischendeck ausgetauscht werden. Ein Teakholzbelag wird neu verlegt. Arbeiter der Elsflether Werft, die sich in einem Dock in Bremerhaven um den Dreimaster kümmern, müssen auch den Motor überholen. Oppositionspolitiker im Bundestag hatten die Kostensteigerungen zuletzt massiv kritisiert.

Ministerium: Neubau in Erwägung gezogen

Zuletzt war über eine Stilllegung des Schiffes und einen Neubau diskutiert worden. Im Ministerium heißt es, man habe alle Möglichkeiten überprüft und auch den Neubau eines Segelschulschiffes in Erwägung gezogen. Doch damit wären 70 Millionen Euro verloren gewesen. Werften haben laut NDR Info bereits Arbeiten im Wert von 45 Millionen Euro erbracht, Leistungen im Wert von 25 Millionen Euro sind vertraglich vereinbart.

"Gorch Fock" soll 2019 wieder fahren

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Die Kadetten der Marine werden momentan auf der "Mircea" ausgebildet.

Bei der Marine heißt es, ein Neubau würde frühestens 2025 zur Verfügung stehen. Bis dahin könnte die Fähigkeit, Großsegler zu betreiben, verloren gegangen sein. Die "Gorch Fock" soll im ersten Halbjahr 2019 wieder auf Reisen gehen können. Seit dem vergangenen Sommer findet die Kadettenausbildung der Marine vorübergehend auf dem rumänischen Großsegler "Mircea" statt.

Kommandant: "Wieder Wind zu spüren"

Der Kommandant der "Gorch Fock" zeigte sich ob der aktuellen Entwicklungen erleichtert. "Nach langer Zeit der Flaute ist wieder Wind zu spüren", sagte Nils Brandt. "Das tut gut, denn die 'Gorch Fock' erfüllt einen ganz wesentlichen Auftrag zur Ausbildung unseres Nachwuchses."

Zur Besonderheit der Bark gehört, dass die Offiziersanwärter in die Takelage steigen, um die Segel zu setzen. Ob das bei einem neuen Segelschulschiff aus Sicherheitsgründen überhaupt noch erlaubt wäre, ist fraglich.

"Gorch Fock": Traditionsschiff in der Werft

Schlie: "Notwendige Entscheidung"

Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU) nannte die Entscheidung für die Fortsetzung der Sanierung "notwendig". Er habe sich in Bremerhaven selbst angeschaut, "was dort als Rest der 'Gorch Fock' noch liegt". Das Schiff habe noch seinen alten Kiel, ansonsten sei es neu. Das Geld dafür auszugeben sei richtig, weil das Schiff entsprechend lange halte werde, so Schlie.

Bund der Steuerzahler: Geld könnte besser eingesetzt werden

Kritik kommt vom Bund der Steuerzahler aus Schleswig-Holstein. Geschäftsführer Rainer Kersten sagte, es sei damit jetzt genau das eingetreten, was alle schon seit Jahren befürchtet hätten: "Nämlich dass noch mal viel mehr Geld in diesen rostigen Kahn gesteckt werden muss." Das sei ein Ärgernis. "Dieses Geld fehlt, um die Bundeswehr einsatzbereit zu machen, um unsere Bündnisverpflichtung zu erfüllen", so Kersten.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 20.03.2018 | 13:00 Uhr

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