Stand: 11.12.2019 15:47 Uhr

Gewerkschaft: Weiter angespannte Arbeitsbedingungen

Zwei Sackkarren mit vielen Paketen stehen vor einem weißen Transporter während ein Paketzusteller die Pakete einlädt. © dpa Foto: Frank Hoermann
Viele Versand-Dienstleister beauftragen Subunternehmen - oft erkennbar an den unbedruckten Transportern.

Auch für Paketzusteller in Schleswig-Holstein steht mit der Vorweihnachtszeit die stressigste Phase des Jahres an. Allein der Paketservice der Deutschen Post DHL erwartet in der Zeit vor Heiligabend bundesweit über elf Millionen Paketsendungen täglich. "Mehr als doppelt so viele wie an normalen Tagen", berichtet Maike Wintjen, Pressesprecherin der Deutschen Post AG in Hamburg. Sie spricht von einem Rekordhoch. Im vergangenen Jahr waren es demnach rund sieben Prozent weniger. Der Druck auf die Zusteller in Schleswig-Holstein sei entsprechend hoch, erklärt ver.di-Nord-Sprecher Lars-Uwe Rieck. Die Arbeitsbedingungen seien angespannt.

Gewerkschaft spricht von zwei Sorgenkindern

Problematisch sind laut Rieck vor allem die Verhältnisse bei den Paketdienstleistern Deutscher Paketdienst (DPD) und General Logistics Systems (GLS). Bei beiden ist die Zulieferung demnach ausschließlich über Subunternehmer organisiert. Die Generalunternehmer haben so keine Handhabe über Arbeitsbedingungen und Löhne. Für Mitarbeiter der Subunternehmer herrschten zum Teil ruinöse Geschäftsmodelle vor, erklärt Rieck. Er berichtet von Mitarbeitern, die betrogen würden - die beispielsweise von deutlich mehr Arbeits- als Abrechnungszeit erzählten oder nicht wüssten, dass sie selbstständig sind.

Verbesserungen in diesem Zusammenhang sieht der ver.di-Sprecher bei Hermes. Zwar seien in Schleswig-Holstein auch noch Subunternehmer für den Versanddienstleister unterwegs, allerdings gingen die Zahlen zurück und Hermes stelle vermehrt eigene Zusteller ein, sagte er.

Paketdienstleister sollen Zulieferung selbst regeln

Rieck fordert, dass Paketdienstleister künftig komplett auf Subunternehmer verzichten: "Wer im Paketzustelldienst unterwegs ist, soll das bitte auch mit eigenen Leuten machen." Nur so könnten die Konzerne steuernd eingreifen und dafür sorgen, dass die Paketzusteller nicht nur Mindestlohn, sondern auch Tariflohn erhielten. Das kürzlich in Kraft getretene Gesetz "Paketboten-Schutz-Gesetz" bewertet er als gut.

Das Gesetz regelt, dass Paketdienste für Arbeitsbedingungen von Subunternehmern haften. Die Dienstleister sind über die sogenannte Nachunternehmerhaftung dazu verpflichtet, die Sozialabgaben nachzuzahlen, wenn ein Subunternehmer das nicht tut. Rieck kündigte an, dass die Gewerkschaft gerade bei GLS und DPD im kommenden Jahr überprüfen wolle, ob dieses Gesetz eingehalten werde.

DPD: Subunternehmen sind langjährige Partner

DPD sagte NDR Schleswig-Holstein, es sei richtig, dass die Arbeitnehmer über Subunternehmen angestellt seien. Doch das bedeute nicht automatisch schlechte Arbeitsbedingungen, so Peter Rey, Pressesprecher der DPD. Die Subunternehmer seien langjährige Partner. Auf gute Arbeitsbedingungen lege die DPD Wert. Es sei wichtig, dass die Arbeitszeiten nicht überschritten werden. Und dass der Lohn den gesetzlichen Anforderungen entspreche, das lässt die DPD laut Sprecher Rey regelmäßig von den Arbeitnehmern bestätigen.

Hermes: Vergütung erhöht

Hermes betonte, faire Arbeitsbedingungen und die soziale Absicherung der Zusteller seien dem Unternehmen wichtig. "Im Herbst 2019 hat Hermes die Vergütung seiner Servicepartner erhöht. Aktuell statten wir die Servicepartner so aus, dass diese ihren Mitarbeitern einen Stundenlohn in Höhe von mindestens 10,15 Euro zahlen können", teilte Hermes NDR Schleswig-Holstein mit. Das sei eine Steigerung von rund 7 Prozent.

GLS: sozialversicherungspflichtige Anstellungsverhältnisse

GLS sagte NDR Schleswig-Holstein, alle Transportpartner seien vertraglich dazu verpflichtet, ihre Fahrer in rechtskonformen, sozialversicherungspflichtigen Anstellungsverhältnissen einzustellen. "Dazu gehört auch, dass die Transportunternehmer ihren Fahrern mindestens den Mindestlohn zahlen und die entsprechenden geltenden Arbeitszeitregelungen einhalten", so eine GLS-Sprecherin.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 11.12.2019 | 05:00 Uhr

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