Stand: 24.01.2020 15:41 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Gesperrte Kiellinie: Kampfmittelräumer im Einsatz

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An der Kiellinie - einst Vorzeige- und Flaniermeile - stehen schon seit Jahren Absperrungen.

Seit mehr als vier Jahren steht er da: der Bauzaun an der Kiellinie. 2015 wurde festgestellt, dass die Spundwand marode ist. Aus Sicherheitsgründen musste die Promenade am Westufer der Kieler Förde auf einer Länge von 500 Metern abgesperrt werden. Schön sieht das nicht aus. Die Forderung "Der Zaun muss weg" prangte auf gleich mehreren Wahlplakaten in den vergangenen Jahren.

Nun aber soll der Anfang für das Ende des Zauns eingeläutet werden: Kampfmittelräumer tauchen in der Förde und suchen nach Angaben der Stadt auf 2.500 Quadratmetern nach Munition. Erst wenn ausgeschlossen werden kann, dass sich in dem Bereich noch Kampfmittel befinden, kann die Sanierung der Kiellinie beginnen.

140 Metallgegenstände müssen kontrolliert werden

Eine erste Untersuchung hat ergeben: 140 metallische Gegenstände liegen in dem Gebiet. Taucher näherten sich den Gegenständen mit einem Spezialgerät, erläutert Raumstellenleiter René Kollmann, selbst auch Taucher. "Dann schaut er, was das ist. Das kann natürlich Schrott sein, ein Fahrrad oder sowas, das kann aber auch eine Bombe sein." Wenn es eine Bombe ist, werden die Arbeiten sofort eingestellt, der Bereich abgesperrt und der Kampfmittelräumdienst informiert.

An 700 Stellen wird der Meeresboden untersucht

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Kampfmitteltaucher suchen in der Förde nach Munition. Meistens finden sie andere Dinge.

Sind alle Metallteile identifiziert, folgt der nächste Schritt: Dann geht es rein in den Meeresboden. An 700 Stellen werden Sonden bis zu sechs Meter tief in den Boden gedrückt. Diese Sonden, so Kollmann, könnten feststellen, ob um sie herum etwas Magnetisches ist. "Diese Daten werten wir im Büro aus. Und wenn da was Magnetisches ist, dann tauchen wir diese Punkte an. Der Taucher gräbt sich dann richtig tief ein. Und damit er nicht zugeschüttet wird, hat er einen großen Ring - eine Art Kapsel - um sich herum, dass er geschützt ist." 

So saugt und spült sich der Taucher dann den Weg frei, bis vor zu dem magnetischen Gegenstand. Kollmann und seine Kollegen haben schon so Einiges geborgen: "Wir haben schon Einkaufswagen, Tresore und ganze Autos gefunden." Alles ist besser als eine Bombe.

Bauarbeiten dauern noch bis Ende 2022

Bis die Förde entlang der maroden Spundwand vollständig auf Waffen und Bomben kontrolliert ist, wird es laut Stadt wohl April sein. Dann ist erst mal Pause bis nach der Kieler Woche. Anschließend geht die Suche nach Überbleibseln aus dem Zweiten Weltkrieg weiter - und zwar an Land, skizziert Peter Bender, Leiter des Tiefbauamtes, den langfristigen Zeitplan: "Dann wird hier die Oberfläche abgetragen und nach Kampfmitteln gesucht. Bis das fertig ist, ist es ungefähr November. Und dann beginnen wir mit den Spundwandarbeiten, die werden etwa zwei Jahre dauern, sodass wir Ende 2022 hier wieder eine Spundwand haben."

Im Jahr 2023 würden Spaziergänger dann endlich wieder an der Kiellinie ohne Absperrungen und Bauarbeiten flanieren können, sagt Bender. Insgesamt rechnet die Stadt mit Kosten zwischen 20 und 25 Millionen Euro.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 24.01.2020 | 16:30 Uhr

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