Schafe weiden auf einem Feld an der Schlei. © dpa-Bildfunk Foto: Markus Scholz

Gericht: Kein Anspruch bei Schafs-Fehlgeburten nach Wolfsrissen

Stand: 19.11.2020 14:44 Uhr

Wenn ein Wolf Schafe reißt, dann können die Halter nicht in allen Fällen Schadenersatz vom Land verlangen - etwa bei Fehlgeburten. Das hat das Oberlandesgericht in Schleswig entschieden.

Wenn trächtige Schafe ihre Lämmer nach einem Wolfsangriff verlieren, steht den Schäfern für die Fehlgeburten kein Schadenersatz zu. Geklagt hatten Schafhalter und Züchter. Sie verlangten neben den Zuwendungen für die Risse auf Grundlage der sogenannten Wolfsrichtlinie auch Geld wegen behaupteter Fehlgeburten. Ein sogenannter Problemwolf hatte im Spätherbst 2018 mehrfach eine Schafherde angegriffen. Zwölf Tiere starben, bei 140 trächtigen Schafen soll es durch die Angriffe zum sogenannten Verlammen gekommen sein.

Wolf bei Autounfall getötet

Ende November 2018 überwand der Wolf "GW924m" bei einem anderen Schafhalter einen sogenannten wolfsabweisenden Zaun. Das Land gab das Tier zwar Anfang 2019 zum Abschuss frei, weil es laut Umweltministerium in mehr als einem Dutzend Fällen derartige Zäune überwunden und dort Schafe gerissen hatte. Sein Ende fand der Wolf erst im Januar nach einem Autounfall in Niedersachsen. Die Kläger machten geltend, das Land müsse einen absoluten Schutz vor Übergriffen durch Wölfe in Schafherden sicherstellen. Es sei verpflichtet, beispielsweise durch einen Zaun an der dänischen Grenze ein Eindringen von Wölfen zu unterbinden und diese einzufangen.

Gericht: Kein Gesetz verhindert Anwesenheit von Wölfen

Bereits das Landgericht wies die Klage ab. Nun wies das Oberlandesgericht die Berufung zurück. Nach Ansicht der Richter fehlt es an einer Gesetzesgrundlage für einen Schadenersatzanspruch. Es liege auch keine Amtspflichtverletzung durch Beamte vor. "Es gibt kein Gesetz, wonach das Land Schleswig-Holstein verpflichtet ist, die Anwesenheit von Wölfen in Schafzuchtgebieten im Land zu verhindern." Das Land - so die Richter - habe sich entsprechend der geltenden Gesetze verhalten und Entschädigungen sowie Schutzmaßnahmen gegen Wolfsangriffe festgelegt. Regelungen, die darüber hinaus gehen, könnten nicht Gerichte festlegen, das sei Aufgabe des Gesetzgebers.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.11.2020 | 15:00 Uhr

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