Gepanschter Apfelsaft? Das Landeslabor macht den Check

Stand: 11.01.2021 14:46 Uhr

Ein Gerät des Landeslabors in Neumünster kann die Einzelbestandteile des Apfels decodieren. So kann man erkennen, woher ein Apfel kommt - und ob ein Saft verbotene Zusatzstoffe enthält.

Sie sind das Lieblingsobst der Deutschen: die Äpfel. Im südlichen Schleswig-Holstein gibt es große Anbaugebiete. Verkauft wird das Obst meist ganz - oder als Saft. Doch ist der Fruchtsaft wirklich Fruchtsaft, der per Gesetz keine Farb- und Konservierungsstoffe, Geschmacksverstärker oder zusätzlichen Zucker enthalten darf? Herausfinden kann das ein Gerät des Landeslabors in Neumünster: ein sogenanntes Kern-Resonanzspektroskop. Nur sechs davon gibt es in Deutschland. Einer steht seit kurzem im Landeslabor. Kosten: 750.000 Euro. In der Testphase schauen sich die Wissenschaftler die Einzelbestandteile der Äpfel an.

Zehn Minuten für eine Decodierung

"Man sieht hier beispielsweise den Haushaltszucker, die Saccharose, die Glucose, den Traubenzucker, die Fructose und die Äpfelsäure. Also letztendlich alles, was in dem Apfel drinnen ist. Die Intensitäten sind charakteristisch für jede Apfelprobe", erklärt René Bachmann, Lebensmittelchemiker am Landeslabor. Rene Bachmann leitet das neue Projekt. Gerade mal zehn Minuten dauert es, die Probe mit dem reinen Apfelsaft zu decodieren und quasi den Fingerabdruck des Apfels zu bekommen.

"Wie phosphoreszierende Aufkleber"

Das funktioniert mithilfe eines starken Magnetfeldes, erklärt Bachmann: "Die Probe wird in das Magnetfeld gefahren. Und was wir dann machen ist, dass wir mit einem Radiopuls diese Probe anregen. Das kann man sich vorstellen wie phosphoreszierende Aufkleber. Wenn ich da mit Licht rangehe, dann kann ich das Licht auch noch sehen, wenn ich die Lampe schon weggenommen habe. Das Magnetfeld bewirkt, dass bei unserer Probe dieses Nachleuchten, dieser Messeffekt entsteht." Mit nur einer Messung könne man verschiedenste Parameter des Apfels sehen, genauso wie nicht zulässige Konservierungsstoffe oder Aromaträgerstoffe, betont Bachmann.

Nach den Äpfeln die Fruchtsäfte

Mit der neuen Technik wolle man die Herkunft von Äpfeln in Schleswig-Holstein nachweisen, um so die Verbraucherinnen und Verbraucher sowie Landwirtinnen und Landwirte zu schützen, sagt Katrin Luetjen, die Direktorin des Landeslabors. "Wir werden von den Äpfeln weitergehen zu den Fruchsäften. Weil gerade im Sektor Fruchtsäfte viele Möglichkeiten gegeben sind zu strecken, zu verlängern oder eben Zusätze zuzugeben, was wir aufdecken wollen. Weil Irreführung und Täuschung führt irgendwann möglicherweise eben auch zum Lebensmittelbetrug", erklärt sie.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.01.2021 | 19:30 Uhr

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