Stand: 01.07.2020 10:45 Uhr

Geomar-Projekt: Der Ozean als Klimaretter?

Etwa 70 Prozent der Erdoberfläche sind mit Wasser bedeckt. Kann der Ozean den Klimawandel eindämmen, indem er klimaschädliches Kohlendioxid (CO2) quasi schluckt? Mit dieser Frage beschäftigen sich seit Mittwoch Kieler Forscher gemeinsam mit anderen Wissenschaftlern aus dem Ausland. Koordiniert wird das Projekt "Ocean NETs" (Ocean-based Negative Emission Technologies) vom Geomar Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel. Insgesamt arbeiten Ökonomen, Seerechtler, Natur- und Umweltwissenschaftler aus sechs Ländern zusammen.

In Versuchen soll der ph-Wert des Ozeans erhöht werden

Der Ozean könne theoretisch allein durch seine Oberfläche viel CO2 aufnehmen und speichern, sagt Geomar-Projektleiter David Keller. Eine Möglichkeit, CO2 aus der Atmosphäre zu holen, könnte demnach die Erhöhung des ph-Wertes des Ozeans sein. Das Kieler Forscher-Team soll vor Gran Canaria in Spanien und Bergen in Norwegen untersuchen, wie Ökosysteme auf einen erhöhten ph-Wert reagieren.

Dazu werden alkalische Mineralien in abgeschlossenen Versuchsbehältern im Meerwasser gelöst. Man wolle mögliche Risiken und Nebenwirkungen, aber auch mögliche positive Effekte für das Leben im Meer besser verstehen, ergänzt Ulf Riebesell von Geomar.

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Tornado © Fotolia.com Foto: swa182

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EU fördert Projekt mit knapp 7,2 Millionen Euro

Erklärtes Ziel der Forscher ist es, der Versauerung der Weltmeere entgegenzuwirken. Das Projekt "Ocean NETs" soll herausfinden, inwieweit Technologien im Ozean dazu beitragen können, die Klimaziele der internationalen Gemeinschaft zu erreichen. Außerdem soll das Projekt untersuchen, welche Auswirkungen die Technologie auf Politik, Wirtschaft und Gesellschaft haben können. Gefördert wird das Projekt von der Europäischen Union in den nächsten vier Jahren mit knapp 7,2 Millionen Euro.

Sonderbericht Weltklimarat: 1,5-Grad-Ziel erreichbar

2018 hat der Weltklimarat einen Sonderbericht veröffentlicht, der aufzeigte, welche Vorteile die Begrenzung der globalen Erwärmung auf nur 1,5 Grad mit sich bringt. Auf die 1,5 Grad hatte sich die internationale Gemeinschaft 2015 in Paris geeinigt. Modellrechnungen des Sonderberichts zeigten, dass das 1,5-Grad-Ziel erreichbar ist, allerdings nur mit negativen Emissionen. "Das bedeutet, dass neben den dringend notwendigen Emissionsreduktionen auch Technologien und naturnahe Lösungen notwendig sind, die Kohlendioxid aktiv aus der Atmosphäre entfernen", erklärt Geomar-Klimaforscher Keller.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 01.07.2020 | 07:00 Uhr

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