Stand: 10.03.2020 13:47 Uhr

Geiselnahme in JVA Lübeck: Mann gesteht Tat

Knapp neun Monate nach der Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt Lübeck hat am Dienstag vor dem Lübecker Landgericht der Prozess begonnen. Einem 37-jährigen Mann wird vorgeworfen, im Juni 2019 auf der sozialtherapeutischen Station der JVA eine Psychologin in seine Gewalt gebracht und mit einem Küchenmesser bedroht zu haben. Der Angeklagte wurde in Fußfesseln in den Gerichtssaal gebracht. Er gestand die Tat - von Reue war jedoch keine Spur: Entschuldigen wollte er sich nicht. Zum Motiv sagte er, er habe vorzeitig aus der Haft entlassen und in sein Heimatland Rumänien abgeschoben werden wollen. Außerdem sagte er, er fühlte er sich von Mitarbeitern der JVA schikaniert und als Rumäne gegenüber Deutschen benachteiligt.

Vier Verhandlungstage und zwölf Zeugen

In Gänze wollte der mutmaßliche Geiselnehmer seine Taten allerdings nicht einräumen. "Er bestreitet zum Beispiel, die Stationspsychologin mit dem Tode bedroht zu haben - oder ihr auch gedroht zu haben, einen Finger abzuschneiden", sagte die Oberstaatsanwältin Ulla Hingst. Das Gesetz sehe für den Tatbestand der Geiselnahme einen Strafrahmen von fünf Jahren bis 15 Jahren Freiheitsstrafe vor. Das Gericht werden außerdem zu prüfen haben, ob gegen den Angeklagten die Sicherungsverwahrung zu verhängen ist, weil er für die Allgemeinheit gefährlich ist, so Hingst. Außerdem soll eine Gutachterin die Frage klären, ob der Angeklagte psychisch gesund und damit zurechnungsfähig war. Das Gericht hat für den Prozess vier Verhandlungstage geplant. Es sollen zwölf Zeugen aussagen.

JVA Lübeck - mehrfach Geiselnahmen

Die Polizei hatte die Geiselnahme nach mehr als fünf Stunden ohne Blutvergießen beendet. Sie überwältigte den Mann, als er zwei von ihm verlangte Döner in Empfang nahm. Der zu sechs Jahren und zehn Monaten verurteilte Sexualstraftäter lebte zuletzt in der psychosozialen Station der JVA Lübeck.

Der Vorfall hatte eine Diskussion über die Sicherheitsvorkehrungen in der JVA Lübeck ausgelöst. Dort war es in der Vergangenheit bereits mehrfach zu Geiselnahmen gekommen, zuletzt an Heiligabend 2014. Damals hatten vier Männer einen Justizvollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. 

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.03.2020 | 12:00 Uhr

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