Stand: 18.06.2019 12:03 Uhr

Geiseldrama in JVA Lübeck nach fünf Stunden beendet

Die Geiselnahme in der Justizvollzugsanstalt Lübeck ist am Montagabend um kurz nach 20 Uhr - nach fünf Stunden - beendet worden. Wie die Polizei mitteilte, konnte der Täter überwältigt werden. Die weibliche Geisel blieb unverletzt, der Täter wurde leicht verletzt und ist nach Angaben der Polizei ein Insasse der JVA Lübeck. "Die in Geiselhaft genommen Frau ist unverletzt, befindet sich aber trotzdem noch in ärztlicher Behandlung", teilte Polizeisprecher Stefan Muhtz mit. Die Polizei nimmt nun gemeinsam mit der Lübecker Staatsanwaltschaft die Ermittlungen auf und prüft strafrechtliche Konsequenzen für den Insassen. Am Dienstag wollte die Polizei Einzelheiten bekannt geben.

Weibliche Geisel unverletzt

Am Montagabend um kurz nach 20 Uhr konnte die Geiselnahme beendet und der Täter überwältigt werden. Nach Angaben eines Sprechers des Justizministeriums handelt es sich um einen 36-jährigen Mann, der wegen eines Sexualdelikts eine mehrjährige Haftstrafe zu verbüßen hat. Die weibliche Geisel blieb unverletzt, der Täter wurde leicht verletzt und ist nach Angaben der Polizei ein Insasse der JVA Lübeck.

Täter mit Messer bewaffnet?

In der Justizvollzugsanstalt Lübeck hatte ein Häftling am Montagnachmittag gegen 15 Uhr eine Frau in seine Gewalt gebracht. Wie es konkret zu der Geiselnahme kam, ist noch nicht bekannt. Es gibt Gerüchte, wonach es sich bei der Waffe, mit der der Mann die Frau bedroht hatte, um ein Messer gehandelt haben soll. Die Polizei hatte nach Bekanntwerden der Geiselnahme Spezialkräfte angefordert. Beamte - zum Teil in Zivil - und das SEK waren vor Ort. Auch aus Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern kamen Einsatzkräfte. Rund um das Gefängnis waren Zufahrten gesperrt und es kam zu Verkehrsbehinderungen.

Drei Detonationen waren zu hören

Am Abend waren drei Detonationen vom Gelände der JVA zu hören, mutmaßlich handelte es sich dabei um den Zugriff der Beamten. Wie genau dieser abgelaufen ist, beschreibt die Polizei aus taktischen Gründen nicht. Einsatzkräfte kamen bei dem Einsatz nicht zu Schaden. Nach Informationen von NDR Schleswig-Holstein soll sich die Geiselnahme in der Sozialtherapie in der Justizvollzugsanstalt abgespielt haben, dort, wo normalerweise rückfallgefährdete Täter behandelt werden. Medien berichten übereinstimmend, dass das Opfer eine Psychologin ist. Die Polizei bestätigte das aber bisher nicht.

Justizministerin: "Natürlich werden wir das aufarbeiten"

Die Hintergründe für die Geiselnahme sind noch unklar. Justizministerin Sabine Sütterlin-Waack (CDU) dankte den Einsatzkräften für den erfolgreichen Einsatz: "Ich bin sehr erleichtert, dass unsere Mitarbeiterin unverletzt befreit werden konnte. Wir werden ihr alle Hilfestellungen geben, das Erlebte zu verarbeiten. Ich danke allen Beteiligten für ihre professionelle Arbeit." Versäumnisse sieht die Politikerin nicht - verspricht aber Aufarbeitung: "Natürlich werden wir das aufarbeiten. Das ist völlig klar. Aber eines muss man natürlich in diesem Zusammenhang erwähnen, dass in Lübeck eben Straftäter sitzen, die schon erhebliche Straftaten begangen haben."

Nicht erste Geiselnahme in JVA Lübeck

Es ist nicht die erste Geiselnahme in der JVA Lübeck. An Heiligabend 2014 hatten vier Männer einen Justizvollzugsbeamten in ihre Gewalt gebracht, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Der Versuch scheiterte und die Männer wurden 2016 zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Vor einem halben Jahr war ein Gefangener auf das Dach der JVA geklettert und hatte sich dann stundenlang an Gitterstäben eines Fensters festgehalten.

Zudem hatte ein Mann im Juli 1997 in der JVA Lübeck einer Sozialpädagogin nach einem Gespräch in ihrem Büro plötzlich ein selbst gebasteltes Messer an den Hals gehalten und sie für rund fünf Stunden als Geisel genommen. Der Fall wurde ohne Verletzte beendet, als der Geiselnehmer mit der Frau das Gefängnis in einem von der Polizei präparierten Fluchtauto verlassen wollte. Bei der Geisel handelte es sich um die Frau des damaligen Leitenden Oberstaatsanwalts. Der Täter wurde später zu fünf Jahren Haft verurteilt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 18.06.2019 | 12:00 Uhr

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