Stand: 11.03.2020 19:50 Uhr

"Friesenhof": Chronologie des Heim-Skandals

Die Fassade eines Jugendheimes in Dithmarschen. © dpa-bildfunk Foto: Carsten Rehder
Im Sommer 2015 hatte das Landesjugendamt zwei der zum "Friesenhof" gehörenden Einrichtungen geschlossen.

Die Vorwürfe gegen die Kinder- und Jugendhilfe-Einrichtung "Friesenhof" haben vor Jahren Jahren eine Debatte über Jugendhilfe ausgelöst. In den Heimen in Dithmarschen waren bis Juni 2015 überwiegend Mädchen im Alter von 12 bis 17 Jahren untergebracht. Sie hatten psychische Probleme oder auch einen kriminellen Hintergrund. Die Heime lagen in Wrohm, Hedwigenkoog und Wesselburenerkoog.

Bewohnerinnen beschwerten sich über Erniedrigung, Essensentzug und weiteren umstrittenen Strafen. Die Heime wurden geschlossen, das Parlament und das Verwaltungsgericht Schleswig beschäftigten sich über ein Jahr lang mit den Vorwürfen. Im Sommer 2015 hatte das Landesjugendamt zwei der zum "Friesenhof" gehörenden Einrichtungen die Betriebserlaubnis entzogen.

Freitag, 29. Mai 2015

Eine Anfrage der Partei "Die Linke" in der Hamburger Bürgerschaft bringt den Fall "Friesenhof" an die Öffentlichkeit. Nach Angaben der Partei hätten sich Mädchen bereits im Jahr 2007 beschwert. Die Partei bezieht sich auf Gespräche, die sie offenbar mit betroffenen Jugendlichen geführt habe. Sie fragt in ihrer Kleinen Anfrage den Hamburger Senat im Mai 2015 - wo die Beschwerden bearbeitet worden sind. In den Beschwerden der betroffenen Jugendlichen ist die Rede von Erniedrigungen. Mädchen mussten sich vor den Betreuern nackt ausziehen und wurden gegen ihren Willen fotografiert oder gefilmt.

Mittwoch, 3. Juni 2015

Das Landesjugendamt schließt zwei "Friesenhof"-Einrichtungen in Dithmarschen in Wrohm und in Wesselburenerkoog. Kurz danach stellt die Betreiberin Barbara Janssen Insolvenzantrag für ihre Barbara Janssen GmbH beim Amtsgericht Meldorf.

SPD-Sozialministerin Kristin Ahlheit muss sich im Sozialausschuss im Kieler Landeshaus erklären. Sie behauptet, erst seit Ende Mai von den Vorfällen gewusst zu haben. Dafür wird sie von Politikern der CDU und FDP kritisiert. Denn Beschwerden lagen auch an den Jugendämtern in Schleswig-Holstein vor. Die hätten seit 2014 keine Jugendlichen mehr in die Heime von Barbara Janssen geschickt. Die Mädchen kamen überwiegend aus Hamburg.

Donnerstag 25. Juni 2015

Die Sozialministerin Kristin Ahlheit stellt Strafanzeige gegen Unbekannt. In ihrem Ministerium sollen Akten zum Heim-Skandal manipuliert worden sein.

Mittwoch 29. Juli 2015

Betreiberin Barbara Janssen klagt beim Verwaltungsgericht in Schleswig gegen die Schließung ihrer Heime.


Dienstag 29 September 2015

Der Parlamentarische Untersuchungsausschuss (PUA) nimmt die Ermittlungen auf. Was passierte in den Friesenhof-Einrichtungen, welche Behörde hat was wann gewusst? Und wie kann es sein, dass das Sozialministerium von all dem nichts gewusst haben will? Diese Frage soll der PUA klären.


Mittwoch 22. März 2017

800 Seiten starker Abschlussbericht des PUA nach 16 Monaten, 40 Zeugen und 60 Anhörungen. Die Bilanz: keine generelle Gefährdung des Kindeswohls, kein Fehlverhalten der Heimaufsicht. Trotz der Aussagen der Jugendlichen und Betreuer und trotz der Tatsache, dass Schleswig-Holstein keine Jugendlichen mehr in die Heime nach Dithmarschen schickt. Die Meinungen, ob die Heimaufsicht zu spät aktiv wurde, sind nach wie vor geteilt. Die Sozialministerin sieht sich entlastet. Sie habe von den Vorgängen dort vor Ende Mai 2015 nichts gewusst.

Dienstag, 10. Dezember 2019

Entscheidung des Verwaltungsgerichts: Die Schließung der "Friesenhof"-Heime war rechtswidrig. Die Betreiberin Barbara Janssen will das Land nun auf Schadenersatz verklagen. Ihr Anwalt spricht von einer sechs- oder siebenstelligen Summe.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 11.03.2020 | 19:30 Uhr

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