Stand: 03.05.2016 08:10 Uhr

Friedrichstadt: "Wir brauchen keine Superhelden"

von Oliver Kring

Knapp 150 Jahre lang war die Feuerwehr in Friedrichstadt eine Freiwillige Feuerwehr. Seit anderthalb Wochen aber hat sie auch unfreiwillige Mitglieder. 54 Friedrichstädter bekamen Post vom Ordnungsamt. Sie wurden zum Dienst bei der Feuerwehr verpflichtet. Bis zu den Sommerferien soll die neue Wehr einsatzbereit sein. Am Montag trafen sich zum ersten Mal alte und neue Mitglieder zu einem Informationsabend im Gerätehaus. Viele unterstützten den ungewöhnlichen Weg. Allerdings legten 16 der 54 Mitglieder gegen ihre Verpflichtung Widerspruch ein.

Gegner: Keine Zeit und nicht belastbar

Die Betroffenen nannten am Abend unterschiedliche Gründe für ihre Widersprüche. "Ich arbeite häufig auf Sylt und dann sollen wir uns abends noch hierhin quälen", sagte einer der Kritiker. Ein anderer sagte: "Es ist einfach nicht meins. Ich kann das einfach nicht." Verletzte oder sogar Tote sehen - das wolle und könne er nicht. Bürgermeister Eggert Vogt (SPD) will die Neu-Feuerwehrleute in begründeten Fällen wieder entlassen und dafür andere Friedrichstädter verpflichten.

Kreiswehrführer: "Wir brauchen keine Superhelden"

Der Wehrführer der Feuerwehr Nordfriesland, Christian Albersten, steht in der Halle der Feuerwehr. © NDR Foto: NDR Fernsehen
Kreiswehrführer Albertsen: "Es gibt viele Möglichkeiten zu helfen."

"Es muss nicht jeder direkt vorne mit dabei sein", beruhigte auch Kreiswehrführer Christian Albertsen. Es gebe für jeden eine passende Verwendung in der Feuerwehr: "Wir brauchen keine Superhelden, die überall dabei sind", sagte der erfahrene Feuerwehrmann weiter. Feuerwehr sei Teamarbeit. Man brauche auch Helfer, um Unglücksorte abzusichern oder Maschinen zu bedienen. Möglichkeiten gebe es viele.

Viele lassen sich auf die Pflichtfeuerwehr ein

So sieht es auch eine neu verpflichtete Feuerwehrfrau. "Ich bin im Moment etwas angespannt", sagte sie, "aber ich bin völlig unvoreingenommen. Ich warte ab, was auf mich zukommt", meinte die 40-Jährige. Das sahen die meisten der neu verpflichteten Kräfte ebenso. Sie seien zwar nicht freiwillig gekommen, aber nun müsse man sich erstmal anhören, wie es weitergehen soll und wann welche Lehrgänge anstehen, so die überwiegende Meinung.

Erster Grundkurs für die "Neuen" steht

Nach den Vorstellungen von Kreiswehrführer Christian Albertsen ist der erste Übungsabend für den 19. Mai geplant. Dann soll der 70 Doppelstunden umfassende Grundkurs für die "Neuen" beginnen. In der Pflichtfeuerwehr sind allerdings auch 23 Kameraden der bisherigen Freiwilligen Feuerwehr. Hintergrund für deren Auflösung waren jahrelange Querelen. Am Ende war die Feuerwehr aus Sicht von Stadt, Amt und Kreis nicht mehr handlungsfähig.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | 03.05.2016 | 08:00 Uhr

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