Stand: 15.03.2019 10:43 Uhr

"Fridays for Future": Was macht die Politik daraus?

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Schüler demonstrieren heute landesweit an über 20 Orten - in Kiel versammelten die Demonstranten sich vor dem Rathaus.

Schüler demonstrieren seit Monaten jeden Freitag für eine konsequente Klimapolitik. Sie fordern eine schnelle Reduzierung der Treibhaus-Emissionen. Bislang gibt es keine Ermüdungserscheinungen. Auch heute gehen sie unter dem Motto "Fridays for Future" wieder auf die Straße - dieses Mal aber in mehr als 100 Ländern auf allen Kontinenten. "In Schleswig-Holstein planen wir in mehr als 20 Städten Streiks, unter anderem in Sylt, Husum, Flensburg, Kiel und Elmshorn. Das wird in Schleswig-Holstein richtig abgehen", sagte Jakob Blasel NDR Schleswig-Holstein. Der 18-jährige Gymnasiast aus Kronshagen bei Kiel ist seit den Anfängen als Mitorganisator bei der Protestbewegung "Fridays For Future" dabei.

Was bewirkt die Bewegung politisch?

Der anhaltende Protest findet eine breite Wertschätzung - von Eltern über Prominente bis hin zu Wissenschaftlern. Sie unterstützen den Appell der Schüler, der die Politik zu mehr Klimaschutzmaßnahmen auffordert. Was bewirkt diese Bewegung aber politisch wirklich? NDR Schleswig-Holstein hat die umweltpolitischen Sprecher der sechs Fraktionen im schleswig-holsteinischen Landeshaus dazu befragt.

Rickers: Politik muss Lösungen bieten

Heiner Rickers von der CDU begrüßt, dass junge Menschen für ihre Überzeugungen auf die Straße gehen. Das sei viel zu lange nicht so gewesen. Rickers betonte, dass der Politik bewusst sei, "dass der Klimawandel mit das zentrale Problem der nächsten Jahrzehnte sein wird". Die Politik müsse auf fachlicher Seite Lösungen bieten und umsetzen. Das sei wichtig, sagt Rickers.

Redmann: Sie geben dem Klimaschutz ein Gesicht

Sandra Redmann von der SPD sieht durch die Demonstrationen der Jugend einen neuen gesellschaftlichen Prozess im Gange: "Ich finde es richtig, dass sie das machen, und einen ganz besonderen Effekt hat es ja, sie geben dem Klimaschutz ein Gesicht." Nach ihrer Ansicht reiche der Protest nicht, mache Menschen aber sensibler für das Thema. Die Sozialdemokraten haben Schüler zu einem Gespräch eingeladen, um zu hören, welche Ideen sie haben.

Voß: Wir müssen reagieren und Beschlüsse fassen

Als hoch engagiert, faktenbasiert und gut organisiert lobt der Grünen-Politiker Bernd Voß die "Fridays for Future"-Bewegung. "Die Politik wird nicht darum herumkommen, darauf zu reagieren", sagt er. Durch den Protest werde in der Gesellschaft intensiv über den Klimawandel und Energiewende diskutiert, jene zentralen Punkte, die "unser Leben bestimmen werden". Entscheidend sei, dass etwas passiere. "Die Initiative braucht uns nicht zur Unterstützung, sie ist stark. Wir müssen reagieren und Beschlüsse fassen, die kurzfristiger wirken", meint Voß.

Kumbartzky: Klimawandel ist täglich auf der Agenda

Oliver Kumbartzky von der FDP-Fraktion spürt inzwischen mehr Druck auf die Landespolitik. "Natürlich reden wir als Schleswig-Holsteiner schon länger über das Thema Klimaschutz, hier ist die Energiewende zu Hause. Aber es tut dem ganzen Land auch gut, über dieses Thema zu reden. Kumbartzky betont, dass seine Partei und die "Jamaika"-Koalition schon länger im Dialog mit der Schülerbewegung sei. "Wir bleiben dran, Energiewende und Klimawandel stehen bei uns täglich auf der Agenda", der FDP-Politiker.

Nobis: Keine Proteste während der Schulzeit nötig

Auch die AfD in Schleswig-Holstein sieht den Klimawandel als Problem und begrüßt das Engagement der Schüler. Laut Fraktionssprecher Jörg Nobis sind aber keine Proteste während der Schulzeit nötig. "Es gibt Grenzen und die Grenze ist die Schulpflicht. Da darf man nicht mit zweierlei Maß messen", stellt Nobis klar, der zugibt, dass der Protest bei der Politik einen Druck aufbaut. Der Druck wäre eigentlich nicht notwendig, denn die Politik wisse bereits, dass sie sich um Klimawandel und Klimaschutz kümmern müsse.

Meyer: Müssen die Bewegung unterstützen

Flemming Meyer vom SSW lobt die Bewegung und macht deutlich, dass die Schülerbewegung "Ahnung hat", von dem, was sie macht. "Hier sind junge Menschen engagiert unterwegs. Es soll keiner kommen und erzählen, dass sich unsere Jugend nicht engagiert. Das tun sie sehr wohl", meint Meyer und betont, dass "wir die Initiative nicht blockieren und schlecht reden sollten. Sie erwartet nun, dass wir sie unterstützen." Dem müsse man nun nachkommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.03.2019 | 17:00 Uhr

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