Frau aus Wedel legt Betrüger rein

Stand: 30.01.2021 13:49 Uhr

Eine 62-jährige Frau erhält einen Anruf von einem vermeintlichen Polizisten. Sie durchschaut den versuchten Betrug und sorgt dafür, dass echte Beamte einen Tatverdächtiger festnehmen können.

von Helge Albrecht

Sonntagabend, 21:40 Uhr: Margot Hummelt sitzt zu Hause in ihrer Wohnung in Wedel. Dann klingelt ihr Telefon: ein Anruf mit unterdrückter Nummer. Da ahnt sie bereits, dass das kein normales Gespräch wird. Schon einen Monat zuvor hatte sie einen seltsamen Anruf erhalten. Trotzdem geht sie ran.

Angeblich Einbrecher unterwegs

Der Anrufer warnt sie: Es bestehe höchste Gefahr für sie. Der Unbekannte sagt, er sei von der Polizei und einer Einbrecherbande auf der Spur. Zwei Einbrecher hätte er bereits festgenommen, doch zwei seien noch unterwegs. Sie stehe auf einer Liste, die er bei den Verbrechern gefunden habe. Sie müsse sich und ihr Geld in Sicherheit bringen.

Anrufer fragt nach Schmuck

"Da hab‘ ich gleich gemerkt, dass der nicht von der Polizei ist. Die würden ja nie mit unterdrückter Nummer anrufen", erzählt Margot Hummelt. Der falsche Polizist fragt, wie viel Bargeld sie zu Hause in ihrer Wohnung habe und ob sie allein sei. "Sowas sollte man am Telefon ja nicht einfach irgendwem erzählen. Mir war klar, dass das ein Betrüger ist."

Notizzettel als Geldscheine

Doch Margot Hummelt spielt mit. "Ich finde das so hinterhältig, dass ältere Leute so reingelegt werden, da wollte ich was gegen tun." Sie gaukelt dem Anrufer vor, sie sei allein zu Hause und habe 11.000 Euro für ihren Neffen bei sich. "Bei 2.000 Euro beißen solche Typen ja nicht an, das muss sich auch nach was anhören", erklärt sie rückblickend. "Damit das auch glaubwürdig ist, hab ich meinen Notizblock genommen und mit dem Papier geraschelt als wären es die Geldscheine."

Hobby-Theaterspielerin glänzt in ihrer Rolle

Die 62-Jährige, die in ihrer Freizeit Theater spielt, winkt ihren Mann zu sich. Der ruft mit einem zweiten Handy bei der richtigen Polizei an und bleibt während der gesamten Zeit am Telefon. Als ihr Mann ihr etwas zuflüstert, wird der unbekannte Anrufer misstrauisch. Er will wissen, ob da nicht doch jemand anderes bei ihr ist. Aber die Theaterspielerin hat immer wieder einen spontanen Einfall, um das Gespräch weiterzuführen erhalten: "Ich hab dann einfach behauptet, dass das der Fernseher ist."

Lustiges Taschenbuch in ernster Lage

Und sie treibt es auf die Spitze. Als es zur Übergabe kommen soll, ist die Polizei in Zivil bereits vor Ort. Margot Hummelt macht sich bereit und nimmt einen Beutel, doch da fällt ihr ein, dass sie diesen nicht einfach leer übergeben kann. "Dann merkt der Typ ja, dass ich gar kein Geld dabei habe." Das Risiko, dass sie bei der Übergabe auffliegt, minimiert sie pragmatisch: "Ich hab dann einfach so'n Micky-Maus-Buch genommen und da reingestopft."

Die Übergabe

Montagmorgen, 01:40 Uhr: Sie macht sich mit ihrem Comic-Beutel auf den Weg zum Treffpunkt. Auf der Straße trifft sie einen jungen Mann, der den Beutel entgegennimmt. "Man weiß ja nicht, wie solche Leute reagieren, aber Angst hatte ich nicht. Ich wusste, mein Mann ist da und die Polizei auch", sagt Margot Hummelt. Nach wenigen Schritten des Mannes klicken die Handschellen, die Polizei bringt den Mann in Untersuchungshaft. Sie lobt die Wedelerin für ihren Mut, mahnt allerdings, man dürfe sich dabei nie selbst in Gefahr bringen. "Man sollte nicht alles so nachmachen", findet auch Margot Hummelt, "Am besten immer direkt die Polizei rufen, die helfen super!"

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Seniorin beim Telefonieren, hinter ihr die Silhouette eines Mannes (Bildmontage) © picture-alliance / Sven Simon, Fotolia Foto: Sven Simon, ia_64

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Schleswig-Holstein Magazin | 30.01.2021 | 19:30 Uhr

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