Fraßschäden durch Wildgänse: Situation auf Amrum

Stand: 02.06.2021 21:19 Uhr

Fraßschäden durch Gänseschwärme sind an der Westküste ein Dauerthema - auch auf der Insel Amrum. Ministerpräsident Günther hat einen Bauern besucht und sich ein Bild von der Lage gemacht.

Eigentlich sind Nonnen- und Graugänse in Schleswig-Holstein nur auf der Durchreise, doch sie sind lange genug vor Ort, um auf den nordfriesischen Inseln oder auf Eiderstedt die Weideflächen der Landwirte kahl zu fressen. Der Kreisbauernverband Südtondern (Kreis Nordfriesland) hatte Daniel Günther (CDU) deswegen im vergangenen Jahr eingeladen. Der Verband klagt: Da es immer mehr Gänse im Land gibt, gibt es auch mehr Fraßschäden. Bei den Nonnengänsen waren es 2018 noch 250.000 Tiere in Schleswig-Holstein, inzwischen sind es schon 300.000 - pro Jahr wächst die Gänsepopulation laut Kreisbauernverband im Land um zehn Prozent.

So gebe es auf Amrum im Frühjahr keine Grasernte mehr. Bei Landwirt Oke Martinen habe sich die Roggenernte in den vergangen acht Jahren um 75 Prozent dezimiert. Er schilderte Ministerpräsident Günther am Mittwoch seine Sorgen. "Das Problem ist einmal im Ertragsverlust und die Verschmutzung unseres Futters durch den Kot der Tiere", erklärte er.

Forderung: Mehr Jagen, mehr Flächen für die Gänse

"Was passieren muss, ist eine Minimierung des Bestandes. Es muss auf jeden Fall das Jagdrecht ausgeweitet werden", forderte Martinen. Aktuell können 2.000 Nonnengänse pro Jahr geschossen werden, von Oktober bis Mitte Januar. "Wenn man sich das hier anguckt, merkt man über Entschädigung alleine wird es nicht gehen, über Jagdrechtsausweitung wird es wahrscheinlich auch alleine nicht gehen. Es bedarf einer ganz vielfältigen Kulisse auch an Maßnahmen", sagte Günther bei dem Treffen.

Eine andere Forderung der Bauern: Es müsse durch Neuaussaat eine Fläche geschaffen werden, auf der die Gänse sich niederlassen können, ohne die Kulturfläche der Landwirte zu zerstören. All das soll nun geprüft werden.

Winter- statt Sommerhafer anbauen

Kurzfristig glaubt Martinen an keine Lösung der Situation. Da die finanziellen Ressourcen der Familie aufgebraucht sind, will sie nun den Betrieb umstellen. Jedes Jahr mache man 70.000 Euro Verlust. Der Wechsel von Sommer- zu Winterhafer soll für eine bessere Ernte sorgen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 02.06.2021 | 19:30 Uhr

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