Stand: 03.12.2019 18:47 Uhr

Foodwatch vergibt Schmähpreis an Zwergenwiese

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Am Dienstag war eine Verbraucherschützerin von Foodwatch bei Zwergenwiese, um den ersten Preis zu überreichen: die Nachbildung eines übergroßen Windbeutels.

Es ist der Schmähpreis von Foodwatch: Mit dem "Goldenen Windbeutel" ehrt - beziehungsweise straft - die Verbraucherorganisation Unternehmen für die "Werbelüge des Jahres". In diesem Jahr geht der Negativpreis an den Bio-Nahrungsmittelhersteller Zwergenwiese aus Silberstedt (Kreis Schleswig-Flensburg). Das betroffene Produkt ist eine Tomatensoße, die im Marketing besonders auf Kinder ausgerichtet ist und laut Foodwatch mehr als doppelt so viel Zucker enthält wie die meisten Tomatensoßen für Erwachsene: Pro 100 Gramm finden sich in der "Kinder-Tomatensoße" 11 Gramm Zucker. Bei der vergleichbaren "Tomatensoße Traditionale" sind es 3,7 Gramm.

Zwergenwiese nimmt Kritik "sehr ernst"

Manuel Wiemann von Foodwatch sagte, der "Bio-Pionier" sollte sich an die Empfehlungen von Kinderärzten halten und nur Soßen ohne Zuckerzusatz als Kinderprodukt bewerben. "Eltern kaufen Bio-Produkte, um ihren Kindern etwas Gutes zu tun", sagte Wiemann, "aber Zwergenwiese jubelt Kindern eine Extra-Portion Zucker unter und nutzt das Vertrauen der Eltern aus."

Zwergenwiese teilte mit, die Kritik am Zuckergehalt der Soße werde "sehr ernst genommen" und die Bemühungen zur Reduktion der natürlichen Süße weiter vorangetrieben. Anfang November, als die Nominierung Zwergenwieses für den "Goldenen Windbeutel" bekannt geworden war, hatte das Unternehmen darauf verwiesen, dass der in dem Produkt enthaltene Zucker unter anderem aus Apfeldicksaft komme.

Dies ließen die Verbraucherschützer schon damals nicht gelten. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) gelte auch Zucker aus Fruchtsaftkonzentraten als zugesetzter Zucker.

Auch Schwartauer Werke landen in "Top Fünf"

Vier der für die "Werbelüge des Jahres" nominierten Unternehmen waren von Verbrauchern gemeldet worden. Die Jury bestand ebenfalls aus Nutzern. Bei einer Online-Abstimmung mit fast 70.000 abgegebenen Stimmen wählten rund 53 Prozent das Zwergenwiese-Produkt auf Platz eins. Hinter dem Getränk "Yakult" der gleichnamigen Firma, dem "100 % Bio Direktsaft Karotte" von Hipp und den Wasabi Erdnüssen von Rewe "Beste Wahl" landete in diesem Jahr ein weiteres Unternehmen aus Schleswig-Holstein: Die Schwartauer Werke wurden mit ihrem Müsliriegel "Corny Protein Lower Carb" Fünfte auf der Liste der beanstandeten Produkte.

Kinderärzte fordern Regeln im Kindermarketing

Foodwatch sieht das Hauptproblem in der Vermarktung von Kinderlebensmitteln und fordert, dass die Politik die Regeln dafür verschärft. Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte in Schleswig-Holstein wird noch deutlicher: "Als erster Schritt fordert unser Verband, dass die Werbung für Kinderlebensmittel verboten wird", sagte der Landesvorsitzende Ralf van Heek am Dienstag. Karies und Übergewicht seien zwei Probleme, vor denen Ärzte warnen. Van Heek betont aber auch: Zucker sei grundsätzlich nicht schlecht. Auf die richtige Menge komme es an.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 03.12.2019 | 17:00 Uhr

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