Stand: 12.02.2018 17:48 Uhr

Flüchtlingsintegration: Ausbildung bleibt Problem

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Eine neue Rahmenvereinbarung zwischen Arbeitsagentur und Bildungsministerin soll dabei helfen, Flüchtlinge in Ausbildung zu bringen.

Die Integration von Flüchtlingen in die Berufsausbildung kommt in Schleswig-Holstein nur schrittweise voran. Im vergangenen Jahr nahmen 319 Geflüchtete eine berufliche Ausbildung auf und damit drei Mal so viele wie 2016. Das teilte die Regionaldirektorin der Agentur für Arbeit, Margit Haupt-Koopmann, in Neumünster mit. Gemessen an der Zahl der Flüchtlinge insgesamt, die in den vergangenen Jahren nach Schleswig-Holstein kamen, ist die Zahl der Ausbildungsverträge aber weiter auf niedrigem Niveau. Alleine 2015 waren es 35.000 - darunter sehr viele junge Menschen.

Junge Flüchtlinge sollen stärker gefördert werden

Haupt-Koopmann und Schleswig-Holsteins Bildungsministerin Karin Prien (CDU) unterschrieben in Neumünster eine Rahmenvereinbarung zur Förderung von Auszubildenden mit Migrationshintergrund. Bei deren Integration gelinge bereits einiges, aber der Weg sei noch weit, sagte Haupt-Koopmann. Manche kämen morgens zu spät oder akzeptierten eine Frau als Chefin nicht, anderen seien acht Stunden am Tag zu viel. Wiederum andere müssten ihre Schlepper bezahlen und arbeiteten deshalb lieber, als einen Beruf zu lernen. Haupt-Koopmann rief die Arbeitgeber auf, sich von Rückschlägen nicht entmutigen zu lassen. Es gebe Beispiele, wo es nach mehreren Trennungen im vierten Anlauf dann geklappt habe.

Leichtere Prüfungen für Migranten?

Der Geschäftsführer des Neumünsteraner Hotels "Prisma", Burghard Wesselmann, war am Montag bei der Unterzeichnung ebenfalls dabei. Er forderte, die Prüfungsbedingungen bei den Industrie- und Handelskammern flexibler zu gestalten, um die Chance zu erhöhen, dass Migranten auch den theoretischen Teil bestehen könnten. Als Beispiel führte er einen seiner Kochlehrlinge an, der "in der Praxis bereits sehr, sehr gut ist".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 12.02.2018 | 17:00 Uhr

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