Stand: 17.04.2018 13:54 Uhr

Flensburger Rebellin fordert SPD heraus

von Sinje Stadtlich

Simone Lange ist ein sehr disziplinierter Mensch: Sie schläft wenig, isst gesund, trinkt keinen Alkohol und macht viel Sport. Sie ist Oberbürgermeisterin von Flensburg, Mutter von zwei Töchtern und kandidiert nebenbei noch für das Amt der SPD-Vorsitzenden. Wie sie das alles schafft? "Organisation", sagt sie und lacht. Überhaupt ist sie oft sehr fröhlich und hat neulich angekündigt, sogar SPD-Interims-Chef Olaf Scholz zum Lachen bringen zu wollen.

Echte Wahl statt Ernennung "von oben"

Simone Lange © NDR Foto: Screenshot

Rebellin Simone Lange fordert SPD heraus

Panorama 3 -

Simone Lange bietet Andrea Nahles die Stirn: Die Flensburger Oberbürgermeisterin will SPD-Bundesvorsitzende werden. Und setzt dabei auf Bürgernähe. Hat sie eine Chance?

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Dabei ist die Sache mit ihrer Kandidatur eine sehr ernste. Schon seit Gerhard Schröder und der Agenda 2010 war Simone Lange immer wieder mal unzufrieden mit den politischen Entscheidungen ihrer Partei - und auch mit der Personalpolitik. "Aber als dann nach der letzten Bundestagswahl Martin Schulz seinen Rücktritt erklärt hat und gleich Andrea Nahles direkt als Vorsitzende einsetzen wollte, das hat für mich das Fass zum Überlaufen gebracht", erzählt sie. Sie habe gehofft, dass irgendwer aufsteht und seinen Hut in den Ring wirft. "Das hat aber niemand getan, also hab ich gesagt: Dann mach ich es eben." Sie will, dass die Partei eine echte Wahl hat. Und nicht von oben verordnet bekommt, wer der oder die Vorsitzende sein soll.

Linkes Profil, Nähe zu den Bürgern

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Lange wirbt um die SPD-Basis - bei der sie gut ankommt.

Seitdem ist für Simone Lange eine anstrengende Zeit angebrochen. Gemeinsam mit ihrem "Team Simone" ist sie in ihrem VW-Bus quer durch Deutschland unterwegs und wirbt in den Ortsvereinen zwischen Flensburg und Coburg, zwischen Friedland und Neubrandenburg für ihre Kandidatur. Abend für Abend steht sie vor fünfzig bis hundert Menschen und spricht über ihren Werdegang, ihre Motivation und ihre Visionen für die SPD. Inhaltlich steht sie für ein linkes Profil: Friedenspolitik, Grundeinkommen, die Abschaffung von Hartz IV. Aber vor allem will sie eine Erneuerung der SPD und mehr innerparteiliche Demokratie. "Andrea Nahles will das Machtzentrum der SPD sein", sagt sie "ich will, dass es in der SPD gar keinen Zentralismus mehr gibt." Die Basis solle nicht "eingebunden" werden, sondern ernsthaft beteiligt.

Basis will wahrgenommen werden

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Axel Schnorrenberg, Vorsitzender des Ortsvereins Kieler Mitte, ist unzufrieden mit dem Partei-Vorstand.

Bei den Menschen in den Ortsvereinen, die sie besucht, kommt Simone Lange gut an. Natürlich sind das vor allem die, die ihre Kandidatur auch unterstützen. Aber trotzdem: Es gibt ein Bedürfnis der Basis nach Erneuerung, nach Reformen, nach echter sozialdemokratischer Politik. Und viele sind genau so unzufrieden wie Simone Lange mit dem Handeln ihres Partei-Vorstandes: "Wir finden es gut, dass Simone als ganz normale Parteigenossin kandidiert und dass nicht nur immer von oben bestimmt wird, wer denn der nächste wird", sagt Axel Schnorrenberg, Vorsitzender des Ortsvereins Kieler Mitte. Und Felix Willer, Vorsitzender des Juso-Kreisverbandes Mecklenburgische Seenplatte, hätte sich eine ähnliche Vorstellungstour von Andrea Nahles gewünscht: "Die hat zwar gesagt, sie möchte kandidieren, aber ich hab von ihr noch nirgends ein Bewerbungsschreiben oder eine Vorstellung gesehen."

Geringe Chancen auf Parteivorsitz

Die Chancen, dass Simone Lange tatsächlich Bundesvorsitzende wird, sind verschwindend gering. Trotzdem opfert sie für den Wahlkampf ihre Freizeit, verzichtet auf Ferien mit ihren beiden Töchtern, diskutiert bis spät abends mit der Basis über eine SPD-Erneuerung. Warum? "Weil ich ein sehr politischer Mensch bin. Und weil ich finde, man muss auch mal etwas investieren, ohne immer gleich aufzuwiegen, was man zurückbekommt." Am 22. April stimmen die Delegierten auf einem SPD-Sonderparteitag ab. Mit wie viel Prozent wäre Simone Lange zufrieden? Sie lacht. "Na, wer gewinnen will, muss ja mindestens 51 Prozent haben. Und ich will gewinnen."

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Panorama 3 | 17.04.2018 | 21:15 Uhr

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