Stand: 12.07.2019 18:46 Uhr

"Mein Traumberuf? Kapitän!"

Kapitän auf großer Fahrt. Über die Weltmeere schippern, fremde Länder kennenlernen, in jedem Hafen eine Braut - diese Seefahrereromantik ist schon lange Geschichte, wenn es sie überhaupt mal gegeben hat. Heute ist die Seefahrt ein knallhartes Geschäft - alles muss möglichst schnell gehen, an Bord der Schiffe arbeiten kaum noch Deutsche - sie sind viel teurer als "Billigarbeiter" aus dem Ausland. Dennoch wollen immer noch junge Menschen Kapitän werden. In Flensburg haben am Freitag zehn Schüler der Seefahrtschule ihr Patent zum Nautiker erhalten.

Zwei junge Männer stehen vor einem Simulator der Seefahrtschule.

Flensburger Nautiker mit Traumberuf in Sicht

Schleswig-Holstein Magazin -

Fünf Jahre Ausbildung haben sie hinter sich: Erst Schiffsmechaniker, dann Nautiker in der Flensburger Seefahrtsschule: Zwei junge Männer auf ihrem Weg zum Kapitänspatent.

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Traumberuf: Kapitän

"Autopilot ist eingeschaltet ... Geschwindigkeit haben wir 13,2 Knoten...Radar ist soweit eingestellt" - Aljosha Malte Ubert und Klaus Christian Eickhoff gehen am Schiffsimulator ihre Checkliste durch. Sie haben beide schon drei Jahre lang in Rostock Schiffsmechaniker gelernt. Danach sind sie für zwei Jahre an die Seefahrtschule Flensburg gekommen, um sich hier zum nautischen Wachoffizier ausbilden zu lassen. Auf die Frage nach seinem Traumberuf lacht Klaus Christian Eickhoff und strahlt: "Kapitän! Ich finde es schön, zur See zu fahren, unterwegs zu sein und dass man auf See so auf sich alleine gestellt ist." Als Schiffsmechaniker habe er da schon reinschnuppern dürfen, wie der Kapitän das so macht oben auf der Brücke, erzählt er. Da war ihm schon klar: "Das würde ich auch gerne machen!"

Zeitdruck und teure Chartergebühren

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In Flensburg haben am Freitag zehn junge Männer ihr Patent erhalten - sie sind nun offiziell nautische Wachoffiziere.

Allerdings hat sich das Arbeiten in seinem Traumberuf in den vergangenen Jahren drastisch geändert. Von den 2.000 größeren deutschen Handelsschiffen fahren nur noch 300 unter deutscher Flagge. Etwa 90 Prozent der Besatzung kommt aus dem Ausland, arbeitet für etwa ein Fünftel des Lohns, den ein deutscher Schiffsmechaniker verdient. Der Kapitän ist oft der einzige Deutsche an Bord. Dazu kommt: Zeitdruck. Hello Potthoff ist Ausbilder an der Seefahrtschule Flensburg und erklärt, wie es abläuft in den Häfen: "In der Regel arbeiten die Häfen mit Gentry-Kränen, da werden ihnen gleich die Container vom Schiff genommen und wieder drauf gepackt und so ein Schiff im Hafen kostet nun mal Geld." Und zwar - je nach Größe - etwa 40.000 bis 60.000 Euro Chartergebühr am Tag plus Hafengebühr. Da bleibt kaum Zeit für einen entspannten Landgang.

Viele Stellenangebote

An der Flensbuger Seefahrtschule haben sich trotzdem zehn junge Männer zum Nautiker ausbilden lassen. Aber sie werden vermutlich nicht ein Leben lang zur See fahren. Heute sind drei bis zehn Jahre üblich. Dann folgt oft ein Job in Landnähe. Und da sieht der nautische Wachoffizier Klaus Christian Eickhoff seine Chancen: "Ich denke schon, dass die Reeder auch auf das Know-how eines deutschen ausgebildeten Seefahrers zurückgreifen werden und das vermehrt auch tun. Wir haben jetzt viele Stellenangebote gehabt."

Noch vier Jahre bis zum Kapitänspatent

Hapag-Lloyd habe sich gemeldet, Wasserschutzpolizei, Küstenwache - alle würden sie Leute suchen. "Ich empfinde die Situation momentan nicht als sehr schlecht", erzählt Eickhoff. Fünf Jahre Ausbildung liegen schon hinter ihnen - jetzt wollen sich die beiden noch mal für zwei Jahre an der Hochschule einschreiben, um Seefahrt zu studieren. Um dann noch einmal zwei Jahre zur See zu fahren, um das Kapitänspatent zu bekommen. Aber es ist und bleibt für sie eben: ihr Traumjob.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 12.07.2019 | 19:30 Uhr

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