Stand: 14.01.2019 12:59 Uhr

Flensburg: Rätsel um gesunkenen Zweimaster

In der vergangenen Woche ist der 141 Jahre alte Traditionssegler "Oline" in Flensburg gesunken - aus bisher unbekannter Ursache. Unterwasser-Aufnahmen des NDR zeigen, dass die Außenwand des Zweimasters beschädigt ist. Außerdem ist zu sehen, dass die Kabelverbindung, die zu den Pumpen auf der "Oline" führt, unterbrochen ist. Wodurch die Schäden entstanden sind - und wann, wodurch und wie die Stromversorgung der Pumpen unterbrochen wurde, ist allerdings offen.

Der 18 Meter lange Zweimaster war schon lange marode und nicht mehr fahrtüchtig. Motor und Schiffsgetriebe waren laut Polizeisprecher nicht mehr an Bord der "Oline". Deshalb ist auch kein Treibstoff in die Förde gelaufen. Nun liegt das Schiff immer noch im Flensburger Hafen. Wann es geborgen werden kann, ist derzeit unklar. Noch ist auch nicht bekannt, wer die Kosten dafür übernehmen wird.

Ein Schiff für 1,30 Euro und einen Kasten Bier

Die "Oline" lag an einem Anlieger, gepachtet von der Flensburger Museumswerft. Werftleiter Uwe Kutzner will dem Eigentümer des Schiffes jetzt eine mehrwöchige Frist setzen, bis wann er für die Bergung des Schiffswracks sorgen soll. Kutzner fürchtet aber schon jetzt, dass die Museumswerft auf den Kosten sitzen bleibt. Eine Bergung ist teuer. Dafür muss laut Kutzner ein Kran organisiert werden, der das Schiff an die Oberfläche hievt und auf einen Slip-Wagen setzt.

Der Eigentümer habe die "Oline" laut Kaufvertrag für nur einen Euro dreißig und einen Kasten Bier erstanden, berichtet Kutzner. Mitte des vergangenen Monats wurde der Vertrag geschlossen. Seitdem gab es immer wieder Differenzen zwischen Eigentümer und Museumswerft, so Kutzner. Dabei ging es meistens um die Stromversorgung für die Pumpen, die Förde-Wasser aus dem maroden Schiff fernhalten sollten.

Gesunken in Flensburg: Traditionssegler "Oline"

Mögliche Ursachen: Fehlender Strom oder starker Wind

Für Kutzner gibt es zwei Möglichkeiten, warum die "Oline" gesunken ist. Entweder wurden die Wasser-Pumpen über Nacht nicht richtig mit Strom versorgt, oder der starke Nordwestwind wehte so stark gegen die Schiffsseite, dass das marode Schiff auf den Stahlponton gedrückt wurde, bis die Bordwand nachgab und Wasser eindringen konnte. Ein paar Stunden bevor das mehr als 140 Jahre alte Schiff auf Grund ging, hat es Kutzner noch aus einem Fenster seiner Wohnung am Liegeplatz schwimmen sehen.

Gegenseitige Vorwürfe

Gegenüber dem NDR Schleswig-Holstein äußerte Kutzner nun die Vermutung, dass der Eigentümer sich nicht ausreichend um sein Boot gekümmert und nicht dafür gesogt habe, dass die Pumpen laufen. Außerdem habe er das Boot nicht ausreichend mit Fendern abgesichert. Das könnte zu einem Leck geführt haben. Der Eigentümer behauptet, ein Mitarbeiter der Werft habe die Stromversorgung zu seinem Schiff gekappt.

Der Eigentümer muss sich nun um die Bergung kümmern - sagt die Werft. Doch ist sich nicht sicher, ob er das kann. Klar ist nur, dass der Streit weitergeht.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 13.01.2019 | 19:30 Uhr

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