Stand: 19.04.2019 12:15 Uhr

5.000 kleine Aale für die Flensburger Förde

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Seit den 1970er-Jahren ist der Aalbestand dramatisch zurückgegangen.

Der Förderverein zur Erhaltung maritimer Lebensformen und Lebensräume in der Flensburger Förde hat 5.000 Aale ausgesetzt. Auch der ehemalige Ministerpräsident Peter Harry Carstensen war bei der Aktion dabei. Die ausgesetzten Aale sollen dafür sorgen, dass es wieder mehr Fische dieser Art in norddeutschen Gewässern gibt. Denn in den vergangenen Jahrzehnten ist der Bestand des Europäischen Aals dramatisch zurückgegangen. Der Fisch gilt als vom Aussterben bedroht. Nach Schätzungen von Experten leben in Europa inzwischen 95 Prozent weniger Aale als in den 1970er-Jahren.

Förderverein: Setzen nur herpesfreie Aale aus

Im März sorgte eine Nachricht für Aufsehen. In der Schlei seien über Jahre mit einem Herpesvirus infizierte Jungaale ausgesetzt worden, hieß es in einer Untersuchung von Fischforschern der Universität Hamburg. Die ausgesetzten Aale seien gar nicht krank gewesen, sagt Olaf Jensen vom Förderverein dem NDR Schleswig-Holstein: "Seitdem der Förderverein die Regie für den Aalbesatz an der Schlei übernommen hat, setzen wir nur zertifizierte Aale aus, das heißt auch absolut herpesfreie Aale. Das wird regelmäßig durchs Landeslabor verifiziert."

Einige Ale unter Wasser.

Aalebesatz in der Flensburger Förde

Schleswig-Holstein Magazin -

Weil der Aalbestand so gering ist, setzen Naturschützer immer wieder kleine Aale aus: jetzt 5.000 Stück an der Flensburger Förde. Eine umstrittene Aktion.

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Nabu: Zweifel, dass Tiere überlebensfähig sind

Ingo Ludwichowski vom Nabu sieht die Aktion des Fördervereins trotzdem kritisch. "Wir halten es für schwierig, wenn man Wildfische entnimmt, sie dann künstlich aufzieht, um sie dann wieder freizusetzen. Wir haben Zweifel daran, dass diese Tiere tatsächlich draußen überlebensfähig sind", betont Ludwichowski. Schleswig-Holstein und die EU fördern das Aussetzen von Aalen. Auf knapp 460.000 Euro beliefen sich die Ausgaben dafür im vergangenen Jahr. Für die Flensburger Förde gibt es allerdings keine Zuschüsse. Deswegen sammelt der Förderverein Spenden, als Urkunde stellt der Förderverein eine sogenannte Aalaktie aus.

Verlagerung des Golfstroms schwierig für Aale

Für den Rückgang des Bestands sieht der Nabu verschiedene Ursachen. Oft würden die Tiere in Wasserkraftwerken vernichtet. Auch die weltweite Nachfrage nach Aal bringe die Fische in Bedrängnis. Als weitere Faktoren gelten der Klimawandel und damit verbunden eine mögliche Verlagerung des Golfstroms, Schadstoffe im Wasser, Parasiten, Kormorane.

Aale stehen auf Roter Liste

Laut Experten wird der Europäische Aal (Anguilla anguilla) vor Nordamerika in den Tiefen der Sargassosee, einem Gebiet südöstlich von Bermuda, geboren. Mit dem Golfstrom werden die winzigen Jungaale über eine Zeit von einem bis drei Jahre an die Küsten Europas getrieben. Vor dem Erreichen der Küste verwandeln sie sich in Glasaale und wandern nach einer weiteren Umwandlung als Gelbaale in die Flüsse und Seen. Dort verbringen sie einen Großteil ihres Lebens, um sich eine Fettschicht anzufressen. Nach 8 bis 14 Jahren schwimmen sie als Blankaale zurück an ihren Geburtsort, wo sie wieder laichen und anschließend sterben. Die Tiere stehen auf der roten Liste und sind vom Aussterben bedroht.

Tiere sind nachtaktiv

Männliche Aale werden laut Nabu bis zu einem halben Meter lang, Weibchen bis zu anderthalb Meter. Aale sind nachtaktiv, tagsüber leben sie auf dem Gewässergrund unter Steinen, im Schlamm oder in Spalten. Sie ernähren sich von Würmern, kleinen Krebsen, Insektenlarven und Fischlaich, auch von kleinen Fischen.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 18.04.2019 | 19:30 Uhr

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