Stand: 09.07.2020 21:12 Uhr  - Schleswig-Holstein Magazin

Erster Heuler verlässt Seehundstation Friedrichskoog

Die Seehundstation Friedrichskoog in Schleswig-Holstein hat den ersten Heuler dieser Saison ausgewildert - das Seehund-Weibchen "Mieke". Bei ihrer Entdeckung am 18. Mai 2020 auf Pellworm trug sie nach Angaben von Stationsleiterin Tanja Rosenberger noch ihr weißes Embryonalfell. In Friedrichskoog musste der Heuler in Quarantäne, bevor er mit zwei weiteren Seehund-Babys in die Aufzucht umzog. Dort fand "Mieke" schnell Geschmack an frischem Fisch und fraß in den vergangenen gut sieben Wochen viel. Es dauerte auch nicht lange und sie konnte ins Auswilderungsbecken wechseln, berichtete Rosenberger. Mit sechs anderen Heulern wurde "Mieke" auf ihre Rückkehr in die Nordsee vorbereitet. Drei Wochen dauerte es bis die Mitarbeiter der Seehundstation entschieden: "Mieke" ist die erste, die wieder zurück in die Freiheit darf.

Auswilderung nach 51 Tagen

Am Donnerstagmorgen wurde "Mieke" ein letztes Mal in der Seehundstation gefüttert und gewogen, gut 27 Kilogramm brachte sie auf die Waage. Als das Seehund-Weibchen nach Friedrichskoog kam, waren es gerade mal achteinhalb Kilogramm. Im Schnitt nahm sie an jedem ihrer 51 Tage in Friedrichskoog etwa 400 Gramm zu. Am Nachmittag luden Mitarbeiter der Station "Mieke" mit einer Transportkiste in einen Kleinlaster und brachten das Tier in die Meldorfer Bucht. In der Seehundstation warten weitere 161 Heuler auf ihre Auswilderung. Sie alle werden laut Rosenberger ganz ähnlich wie "Mieke" aufgezogen und Schritt für Schritt auf dem Weg zurück in die Natur begleitet.

Zurück ins Meer

Als sich am Deich der Meldorfer Bucht, rund fünf Meter von der Nordsee entfernt, die Klappe der Box öffnet, wollte das Seehund-Weibchen zunächst gar nicht zurück ins Meer. In Ruhe beschnupperte sie ihre Umgebung. Es sei ganz natürlich, dass "Mieke" sich zunächst orientiert, erläuterte Rosenberger. Sie und ein Mitarbeiter mussten nachhelfen und die Kiste ankippen. Dann robbte sich "Mieke" ins Meer. "Auswilderungen sind immer die schönsten Momente, weil man seine Arbeit damit gut gemacht hat", sagte Rosenberger. Das Tier sei gesund und fit für seinen eigentlichen Lebensraum. Aber in den will "Mieke" nicht sofort. Sie schwimmt einmal im Kreis und kommt dann noch einmal zurück ans Ufer, bevor sie in die Nordsee abtaucht.

Was soll man tun, wenn man einen Heuler findet?

Welchen Weg "Mieke" jetzt nehmen wird, weiß Tanja Rosenberger nicht. In der Vergangenheit seien Seehunde aus der Aufzuchtstation in England, den Niederlanden oder in Niedersachsen gesichtet worden. Viele sind aber auch einfach im schleswig-holsteinischen Wattenmeer geblieben. Zwar sei die Geburten-Hauptsaison allmählich vorüber, trotzdem würden in diesen Tagen noch einige Seehunde geboren, berichtet die Stationsleiterin. Wenn man eine junge Robbe entdecken sollte, gibt es drei Hinweise, die man beachten sollte:

  1. Heulende Neugeborene sollten auf keinen Fall angefasst werden. Vielmehr sollte schnellstmöglich ein Seehundjäger informiert werden.
  2. Größtmöglicher Abstand sollte eingehalten werden
  3. Der Seehundjäger entscheidet, ob das Tier Hilfe benötigt und beispielsweise in die Seehundstation gebracht wird.

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Schleswig-Holstein Magazin | 09.07.2020 | 20:48 Uhr

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