Schleifischer Jörg Nadler steht in seinem Fischerboot an einem Anleger in Schleswig an der Schlei. © dpa - Bildfunk Foto: Markus Scholz

Fischer in Sorge: Zahl der Edelkrebse in Schlei geht zurück

Stand: 29.09.2021 16:19 Uhr

Seit einigen Jahren leben in der Schlei wieder Europäische Edelkrebse. Ein Fischer hilft bei der Dokumentation des Bestands, hat aber wochenlang keinen mehr gesehen.

Eigentlich interessierte sich Jörg Nadler vor allem dafür, wie viel Fisch in seinen Netzen in der Schlei landet. Doch vor ein paar Jahren hat der Berufsfischer eine besonders geschützte Art in seinen Reusen entdeckt: Den Europäischen Edelkrebs. Mittlerweile hilft er, den Bestand zu dokumentieren. Er fängt sie zu Forschungszwecken, dokumentiert unter anderem Größe und Geschlecht und wirft sie dann wieder zurück ins Wasser des Meeresarmes, der Angeln und Schwansen trennt. Doch nun schlägt der Fischer Alarm: Seit Anfang August findet er vor allem Signalkrebse in seinen Reusen. Zunächst bezog sich das nur auf eine Stelle, doch seit Anfang September findet er gar keinen Edelkrebs mehr, auch nicht weiter draußen. Er findet: "Das sind dramatische Zustände."

Forschungsprojekt sucht nach Antworten

2018 wurde das Edelkrebsvorkommen in der Schlei in einem Forschungsprojekt systematisch untersucht. Ergebnis: Die Edelkrebse, die eigentlich Süßwasserbewohner sind, kommen auch in dem Brackwasser in der Kleinen und Großen Breite sowie in der mittleren Schlei bis nach Sieseby (Kreis Rendsburg-Eckernförde) vor. Signalkrebse sind in dem Untersuchungszeitraum keine gefunden worden.

Jetzt wanderten diese jedoch verstärkt aus der Füsinger Au in die Schlei, sagt Projektleiter Kai Lehmann vom Institut für nachhaltiges Ressourcenmanagement (INR), mit dem Fischer Nadler zusammenarbeitet. Die Ursache für die Einwanderung sei unbekannt und auch, wie sich das Vorkommen entwickelt. "Wir wissen nicht, wie gut sich die Signalkrebse in der Schlei reproduzieren können. Das Besondere ist hier ja das Brackwasser - mit schwankendem, aber relativ hohem Salzgehalt", sagt Lehmann.

Krebspest in den 60er Jahren schadete dem Edelkrebs

Schleifischer Jörg Nadler zeigt einen gefangenen Signalkrebs. © dpa - Bildfunk Foto: Markus Scholz
Die Krebspest setzte dem Edelkrebs in den 1960er Jahren stark zu.

Die Signalkrebse wurden in Europa gezielt aus wirtschaftlichen Gründen ausgesetzt. Die Krebspest hatte in den 1960er Jahren die Bestände der einheimischen Edelkrebse bereits beträchtlich dezimiert. Um den Verlust zu kompensieren, wurde daher der Signalkrebs ausgesetzt. Dieser sei zwar gegen die meisten Krebspest-Erreger resistent, aber er könne den Erreger übertragen, wie das Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrum vor einigen Wochen über einen Artikel im Fachjournal "Frontiers in Ecology and Evolution" mitteilte.

Edelkrebse werden nachgezüchtet

Um die Europäischen Edelkrebse in Schleswig-Holstein zu erhalten, werden nun in einem Projekt neue Populationen aufgebaut. So soll das Risiko des lokalen Aussterbens der Art vermindert werden. Angesiedelt werden die nachgezüchteten Edelkrebse in Kiesgruben. Diese eignen sich laut Lehmann dafür besonders gut, denn hier fänden die Tiere optimale Lebensbedingungen vor. Zudem haben die durch Kiesabbau entstandenen Kleingewässer keine direkte Verbindung zu anderen Gewässern, in denen möglicherweise bereits Singnalkrebse leben.

Aus dieser Zucht hat Schleifischer und Krebsdokumentar Nadler nun mehrere Krebsreusen erhalten. Die will er nun an Stellen in der Schlei aufstellen, an denen er bisher nicht fischt. Vielleicht habe man ja Glück und die Signalkrebse kämen noch nicht an mehreren Orten an der Schlei vor, hofft Nadler. Denn: "Bisher ist es ein räumlich begrenzter Bereich", an dem der Signalkrebs vorkommt. "Vielleicht könnte man jetzt noch was machen."

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 29.09.2021 | 19:30 Uhr

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