Das Bild zeigt ein Modell der Einfahrt in den geplanten Fehmarnbelttunnel. © Femern A/S

Fehmarnbeltquerung: Befürworter freuen sich im Stillen

Stand: 13.11.2020 16:55 Uhr

Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hat sein Urteil gesprochen: Die feste Fehmarnbelt-Querung darf gebaut werden - und das ohne weitere Auflagen. Die Befürworter freuen sich, halten sich aber zurück.

von Phillip Kamke

Es ist zwölf Uhr Mittags. Marktplatz in Burg auf Fehmarn. Neben einer Handvoll Stände, die Obst und Gemüse anbieten, steht auch Doris Klemptner mit einem eigenen Stand. Sie macht Wahlkampf, weil sie eine von drei Bürgermeister-Kandidaten ist, die im kommenden Jahr im März bei der Wahl antreten werden. Ein Thema in ihrem Wahlkampf: die Fehmarnbelt-Querung. Auch wenn sie sich inzwischen auf das Projekt freut, hat sie es immer mit einem kritischen Auge gesehen und wird das auch weiterhin. Doris Klemptner wohnt auf Fehmarn und ist Unternehmensberaterin. "Ich arbeite im internationalen Business, von daher habe ich schon immer Völker- und Menschenverständigung verstanden", sagt sie. Die Chance sei nun, eine interkulturelle Kompetenz auf Fehmarn zu gewinnen. Denn eine Verbindung per Bahn und Straße sei eine andere Verbindung als über das Wasser. "Wir haben endlich eine Rechtsgrundlage, das lässt uns aufatmen. Jetzt können wir die guten Dinge, die auf Fehmarn zukommen, endlich umsetzen", sagt sie.

Leipziger Entscheidung wird hinter vorgehaltener Hand begrüßt

Doris Klemptner ist eine von wenigen, die sich bislang auf der Insel öffentlich positiv über den Belttunnel äußert. Zu groß scheint der Einfluss der Gegner zu sein. Dieser Eindruck entsteht zumindest, wenn man sich mit Unternehmern auf der Insel unterhält. Hinter vorgehaltener Hand sagen sie zwar, dass sie die Entscheidung aus Leipzig begrüßen und sich auf den Tunnel freuen. Auf der anderen Seite weisen sie aber darauf hin, dass viele der Kunden Gegner des Projektes sind. Und sie Angst haben, diese zu verlieren, wenn sie sich öffentlich äußern.

Baltic FS: Wertschöpfung soll im Land bleiben

"Unser Eindruck ist, dass sich die Unternehmen aus der Region und von Fehmarn sehr darüber freuen, dass jetzt hier ein großer Schritt nach vorne gemacht wird", sagt Mirko Schönfeldt. Er ist Geschäftsführer von Baltic FS, einem Zusammenschluss von 22 Firmen mit insgesamt 10.000 Angestellten aus der Region und von Fehmarn selbst. Schönfeldt will nicht darüber spekulieren, warum viele Unternehmen ihre Freude nicht offen zeigen. Das erste Unternehmen von Baltic FS arbeitet jedenfalls schon auf der Baustelle. "Wichtig ist, dass die Wertschöpfung im Land bleibt. Genauso der Teil der insgesamt 7,1 Milliarden Euro, die hier verbaut werden", so Schönfeldt.

Erhebliche Einschränkungen für Bewohner befürchtet

Seit Anfang Oktober werden erste Bodenproben genommen. Dort, wo einmal die 2,5 Kilometer lange sogenannte Rampe für den Tunnel entsteht, zwischen Puttgarden und dem kleinen Ort Marienleuchte. Die Proben geben Aufschluss über die Beschaffenheit des Bodens und liefern weitere wichtige Informationen für das Bauvorhaben. Im Frühjahr sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Insgesamt sollen die Bauarbeiten voraussichtlich achteinhalb Jahre dauern. Von Euphorie ist beim Bürgermeister der Stadt Fehmarn, Jörg Weber (SPD), darum auch wenig zu spüren: "Die Freude ist bei mir begrenzt, das habe ich aber immer gesagt. Aber was da dranhängt im Positiven wie im Negativen werden wir sehen", sagt er. Die schwierigste Phase werde die Bauphase sein, denn da sieht Weber erhebliche Einschränkungen in vielen Bereichen auf die Bewohner zukommen. Er wisse aber auch, wie man mit einem Staatsvertrag umzugehen habe, nachdem das Gericht entschieden hat: "Wir sind natürlich dagegen, aber wir sind ja nicht bei Asterix und Obelix, das ist auch klar", macht Weber mit Blick auf die kommenden Jahre deutlich. Auch wenn das Bundesverwaltungsgericht nun entschieden hat: der Streit um das Großprojekt Fehmarnbelt-Querung ist auf der Insel noch nicht beendet.


14.11.2020 14:43 Uhr

Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version hatten wir berichtet, dass Doris Klemptner von Anfang an Befürworterin des Tunnels war. Sie teilte nun mit, dass sie zu keiner Zeit gesagt habe, von Anfang an Befürworterin des Tunnels gewesen zu sein. Auch wenn sie sich inzwischen auf das Projekt freut, hätte sie es immer mit einem kritischen Auge gesehen.

 

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