Stand: 10.07.2018 19:58 Uhr

Fehlende Vokabeln auf dem Bau? Kurs soll helfen

Die Auftagsbücher sind voll, die Baubranche boomt, die Umsätze der Bauunternehmen steigen. Aber: Unternehmen und Behörden in Schleswig-Holstein suchen händeringend nach Personal. Nach Angaben des Baugewerbeverbandes fehlen beispielsweise rund 800 Ingenieure. Viele Bauvorhaben können nicht umgesetzt werden, weil die nötigen Fachkräfte fehlen. Viele Menschen, die in Deutschland eine neue Heimat gefunden haben, sind für diese vakanten Jobs qualifiziert - zumindest theoretisch.

Das Fortbildungsnetzwerk IQ Schleswig-Holstein will diese Lücke schließen und mit einem Kurs qualifizierten Migranten helfen, in den deutschen Arbeitsmarkt zu kommen. "Durch passgenaue Qualifizierungsmaßnahmen können wir versteckte Fachkräftepotenziale für den Arbeitsmarkt heben und zugleich einen Beitrag leisten, zugewanderten Menschen eine berufliche Perspektive zu geben", sagt der Staatssekretär des Wirtschaftsministeriums, Thilo Rohlfs (FDP).

Fachvokabeln aus dem Bauingenieurwesen

An dem Kurs nehmen Migranten und Flüchtlinge aus Syrien und dem Iran teil, deren Berufsausbildung in Deutschland anerkannt ist. Außerdem müssen sie eine Arbeitserlaubnis haben. Damit sie teilnehmen dürfen, müssen sie sich schon fließend und spontan auf Deutsch verständigen können (Niveaustufe B2). Der im Mai gestartete Kurs in Kiel läuft bis Dezember. Die Ingenieure polieren dort ihr Deutsch auf - das Ziel ist C1-Niveau. Ein besonderes Augenmerk liegt auf dem Fachvokabular aus dem Bereich Bauingenieurwesen.

Zudem werden die Schüler bezogen auf Rechtsgrundlagen für Bauingenieure geschult - hier werden etwa die europäischen DIN-Normen behandelt. "Das Baugewerbe hat sehr, sehr nationale, aber auch landesspezifische Vorschriften. Das muss dann spezifisch in der Maßnahme geschult werden. Das macht einen großen Teil des Kurses aus", erklärt Projektleiter Benjamin Kindler. Außerdem gibt es Einheiten zu Projektmanagement, EDV und Kommunikation am Arbeitsplatz.

Vielen Betroffenen fehlt die Erfahrung

Auch eine einwöchige Hospitation beim Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr (LBV) gehört zum Kurs. Dort lernen die Teilnehmer die Arbeitsbereiche Hochbau und Straßenbau kennen. Wer gewillt ist, kann im Rahmen des Kurses zudem in einem Bauingenieur- und Architekturbüro hospitieren. Das ist wichtig, denn oftmals haben die Teilnehmer Probleme, überhaupt einen Praktikumsplatz zu finden. "Das ist ein großer Stein auf unserem Weg. Wir müssen immer Erfahrungen sammeln, um eine passende Arbeitsstelle zu finden", erklärt die Architektin Farah Badla.

Mit-Teilnehmer Shachpus Razmi berichtet beispielsweise davon, vom LBV eine Absage auf seine Bewerbung erhalten zu haben - weil er eben zu wenig Erfahrung habe. Er hofft auf eine Stelle, wenn er den Kurs erfolgreich abgeschlossen hat. Nach dem Kurs werden die Teilnehmer noch vier Wochen bei der Suche nach einem Job unterstützt.

Land steuert sechs Millionen Euro bei

Finanziert wird die Maßnahme auch mit Geld vom Bund und der EU - das Land steuert rund sechs Millionen Euro in diesem Jahr bei. Für die Teilnehmer ist der Kurs kostenlos. Träger ist der gemeinnützige Verein Umwelt Technik Soziales (UTS), der sich für gesellschaftliche Integration einsetzt.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 10.07.2018 | 19:30 Uhr

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