Stand: 15.01.2020 17:00 Uhr

Bombenentschärfung: Ein fast normaler Redaktionstag

Die Journalisten von NDR Schleswig-Holstein erleben bei ihrer Arbeit oft Ungewöhnliches: Sie berichten von Sturmfluten und aus Hochwassergebieten, von der spektakulären Festnahme Puigdemonts oder von Wildschweinen in der Heider Innenstadt. Da fällt die Entschärfung einer Weltkriegsbombe aus der Sicht der Berichterstatter fast schon ins Alltagsgeschäft - und doch ist bei dem Blindgänger auf der Kieler Werftgelände am Mittwoch alles anders: Der Gebäudekomplex des NDR liegt im Sperrgebiet. Erstmals müssen ausnahmslos alle Mitarbeiter das Landesfunkhaus bis 9 Uhr verlassen - doch das Programm geht weiter.

Kieler Arena und Landeshaus werden zum Ausweichquartier

Zwar berichtet der NDR Schleswig-Holstein regelmäßig von unterwegs - zum Beispiel bei der Sommertour mit dem mobilen Hörfunk-Studio von NDR 1 Welle Nord oder bei den Feierlichkeiten zu 30 Jahren Mauerfall mit dem Schleswig-Holstein Magazin aus Schlutup. Doch bisher gab es immer eine Zentrale im Sender, die Kollegen im Hintergrund mit der Betriebsabwicklung, den Redaktionssystemen und der Studio-Infrastruktur. Heute ist das Funkhaus menschenleer. "Das hatten wir noch nie", sagt Landesfunkhausdirektor Volker Thormählen. Für den ungewöhnlichen Arbeitstag sind Ausweichquartiere in der Kieler Arena und im Landeshaus eingerichtet. Dort ist im NDR Landeshausstudio und einem Konferenzraum eine kleine Kommandozentrale für Hörfunk und Fernsehen entstanden.

Trotz komplexer Infrastruktur - es läuft

Alle Gewerke sitzen in einem Raum, und während an einer Tischreihe die Hörfunk-Senderegie das Programm begleitet, besprechen die Fernseh-Kollegen am gegenüberliegenden Tisch über die Themen der Sendungen. Schnell haben sich die normalen Abläufe eingespielt. Von der Evakuierung hatte der NDR am Montagnachmittag erfahren, als die Polizei die Meldung veröffentlichte. Ein sportliches Zeitfenster für die komplexe Infrastruktur, die verlegt werden musste. Am Dienstag arbeiten alle im Akkord - und am Tag der Evakuierung sitzt alles. Hörfunkredakteurin Karen Hellwig freut sich. "Ehrlich gesagt: Ich bin begeistert", sagt sie, "mein Arbeitsplatz funktioniert, ich habe alle Sendepläne, die ich brauche, und die Gegensprechanlage zum mobilen Studio läuft auch - top." Auch der Umzug der Morgensendung läuft glatt: Während der laufenden Sendung fährt Moderator Horst Hoof ins Landeshaus, und erst als er am Mikrofon übernimmt, kommt Kollegin Mandy Schmidt hinterher.

Grüne Leuchtrakete nach knapp zwei Stunden

Die Polizei hatte vorab informiert, dass der Blindgänger in einem schlechten Zustand sei und die Entschärfung länger dauern könnte als gewöhnlich - insgesamt bis zu vier Stunden. Auch das NDR Fernsehen ist darauf vorbereitet: Schleswig-Holstein 18:00 und das Schleswig-Holstein Magazin sind umgeplant, um außerhalb des Funkhauses zu senden. Doch deutlich schneller als erwartet, gegen 13 Uhr, steigt die grüne Leuchtrakete über das Werftgelände auf - die Bombe ist erfolgreich entschärft. Die Experten des Kampfmittelräumdienstes haben eine sogenannte Wasserschneideanlage benutzt, ein System, das in Schleswig-Holstein im März zum ersten Mal in Einsatz kam. "Die Maschinen konnten genauso eingesetzt werden, wie es geplant war," sagt Oliver Pohl, Sprecher der Polizei Kiel. "Wir sind insgesamt zufrieden." Eine Bilanz, die die Kollegen des NDR teilen können.

Um 13.15 Uhr sind die Kabel wieder in den Kisten, die Laptops eingepackt, die Kameras abgebaut - der NDR zieht wieder zurück in das Landesfunkhaus. NDR 1 Welle Nord Moderator Jan Bastick beendet seine Sendung noch im Landeshaus. Und kurze Zeit später läuft alles wieder wie gewohnt, als wäre nie etwas gewesen.

Weitere Informationen
Einsatz der Wasserstrahlschneidanlage bei einer Bombenentschärfung in Kiel. © Kampfmittelräumdienst Schleswig-Holstein

Kiel: Bombe auf Werftgelände ist entschärft

Der Kampfmittelräumdienst hat eine Bombe am Ostufer der Kieler Förde unschädlich gemacht. Der schlechte Zustand des Blindgängers hatte eine "brisante" Entschärfung nötig gemacht. mehr

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 15.01.2020 | 19:30 Uhr

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