Stand: 15.10.2019 13:16 Uhr

Fangquoten: Fischer in SH sehen ihre Existenz bedroht

Kein Beruf mit Zukunft? Mit der weiteren Reduzierung der Fangmengen sehen viele Fischer ihre Existenz bedroht.

Jedes Jahr schauen die Ostseefischer in Schleswig-Holstein gebannt auf die Bekanntgabe der neuen Fangquoten. Bei einigen Betrieben hängt davon sogar die Existenz ab. Bei einem Treffen der EU-Fischereiminister wurde beschlossen, dass die erlaubte Fangmenge beim Hering um 65 Prozent und beim Dorsch um 60 Prozent gesenkt werden.

Das Fischerboot von Siegfried Sehmel im Hafen von Travemünde

Fangquoten gesenkt: Fischer fürchten um Existenz

Schleswig-Holstein Magazin -

Die EU hat die Fangquoten für Dorsch und Hering erneut stark gesenkt. Der Landesfischereiverband reagiert darauf entsetzt. Vielen Betrieben drohe jetzt das Aus.

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Verbände fordern sozialverträglichen Ausstieg

Einige Betriebe stünden damit vor dem Aus, erklärt der stellvertretende Vorsitzende des Landesfischereiverbandes Schleswig-Holstein, Benjamin Schmöde. "Es ist eine absolut belastende Situation für die Betriebe, ich rechne persönlich schon damit, dass im kommenden Jahr weitere zehn bis 15 Fischerei-Betriebe in Schleswig Holstein aufgrund der Quoten-Entscheidung aufgeben", so Schmöde.

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EU-Fangquoten: Kritik von Fischern und Umweltschützern

15.10.2019 05:30 Uhr
NDR Info

Die erlaubten Fangmengen für Hering und Dorsch in der westlichen Ostsee werden deutlich gesenkt. Während Umweltschützer ein absolutes Fangverbot fordern, fürchten Fischer um ihre Existenz. mehr

"Da fordern wir als Fischereiverbände einen sozialverträglichen Ausstieg für die Fischereibetriebe, die eben nicht mehr mit diesen geringen Quoten arbeiten können", sagte Schmöde. Rückendeckung bekommt Schmöde von Niclas Herbst, der für die CDU Schleswig Holstein im Europaparlament sitzt. Auch er sieht jetzt die Regierung in der Pflicht: "Wir müssen jetzt unbürokratisch alle zusammenstehen und unseren Fischern helfen, weil die Lage nach diesen Beschlüssen wirklich bedrohlich ist", sagte Herbst NDR Schleswig-Holstein.

Dorsch und Hering sind laut Fischereiverband die Haupteinnahmequellen der Fischer an der Ostsee. In Schleswig-Holstein sind von den verringerten Quoten 206 Haupterwerbsfischer betroffen, in Mecklenburg-Vorpommern 237.

Sportfischer nehmen Entscheidung zähneknirschend hin

Auch Freizeitfischer müssen sich einschränken: Sie dürfen nur noch fünf statt bislang sieben Dorsche am Tag aus dem Wasser holen. Im Februar und März sollen es nur noch zwei am Tag sein. Der Landessportfischereiverband nimmt die Entscheidung nach eigenen Worten zähneknirschend hin und empfiehlt seinen Mitgliedern, auf andere Fischarten wie den Plattfisch auszuweichen.

Umweltschützer: Keine Kompromisse möglich

Umweltschützern gehen die Pläne nicht weit genug. Sie fordern unter anderem generelle Fangverbote. Mit einem kollabierenden Ökosystem könne man keinen Kompromiss schließen, so eine Fischereiexpertin der Umweltorganisation WWF.

Der Naturschutzbund (NABU) Schleswig-Holstein findet zudem, dass Freizeitangler noch weniger aus dem Wasser holen sollten. "Das ist der Teil der Bevölkerung, der nicht kommerziell darauf angewiesen ist, Fische zu angeln - der aber auch nicht in der Lage ist, fünf Fische aus dem Fang wirklich frisch zu verwerten", so NABU-Geschäftsführer Ingo Ludwichowski. "Wir befürchten, dass diese Fische auch anderweitig in den Handel gebracht werden und dass auf diese Art und Weise eine Sicherung der Dorsch-Bestände - weil es eben keine kleine Menge ist, die entnommen wird - so nicht stattfindet."

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 15.10.2019 | 12:00 Uhr

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