Drei Erwachsene und ein junges Mädchen stehen neben einem Zelt auf dem zugefrorenen Passader See im Kreis Plön. © NDR Foto: Andrea Schmidt

Familie Albers übernachtet auf dem Passader See

Stand: 14.02.2021 13:46 Uhr

Polizei und Feuerwehren warnen nach wie vor, Eisflächen zu betreten. Familie Albers aus dem Kreis Plön hat sich dennoch entschieden, ein Abenteuer zu wagen: eine Nacht im Zelt auf dem Passader See.

von Andrea Schmidt

Morgens um 8.30 Uhr kommen die ersten Schlittschuhläufer zum Passader See im Kreis Plön. Alle wissen, dass die Flächen nicht offiziell freigegeben werden, dennoch sind zur Zeit Hunderte Menschen im Norden auf Seen unterwegs. Die Sonne ist gerade aufgegangen und taucht den See in ein warmes, zauberhaftes Licht. Die Temperaturen liegen bei minus zehn Grad - der Atem gefriert, die Luft ist ungewöhnlich klar. Leises Kratzen von den Kufen ist auf dem Eis zu hören - ansonsten Stille und einsame Weite. Nur ein kleines, langgezogenes rotes Zelt steht im vorderen Bereich des Sees. Die Schlittschuhläufer umrunden es neugierig - und nacheinander kommen leicht verschlafen fünf Leute aus dem Zelt herausgekrabbelt.

Ein alter Passader macht den Test

Staunende Gesichter bei den Schlittschuhläufern. Familie Albers hat hier die Nacht verbracht: Vater, Mutter, zwei Mädchen und ein Freund der Familie. Verfroren sehen sie aus, aber auch glücklich. Wie kommt man auf solch eine Idee? Und noch wichtiger: Wie sieht es aus mit der Sicherheit, denn die Polizei hat hier ja nichts freigegeben? Dagmar Albers ist da ganz entspannt: "Hier gibt es einen alten Mann im Dorf, der beobachtet das alles seit 70 Jahren. Der geht dann immer irgendwann auf's Eis und klopft." Genau das habe er dieses Mal wieder getan. "Wir haben dann selber auch noch mal gebohrt, und hier, wo wir geschlafen haben, ist das Eis 20 Zentimeter dick. Wir fühlen uns also sehr sicher, sonst hätten wir das mit den Kindern auch nicht gemacht."

Zweistellige Minustemperaturen und Eisknacken

Familie Albers lebt hier in Passade. Vater Lars macht sich jetzt auf zum eigenen Haus, um Frühstück zu holen. Auch das wird auf dem See gegessen. Er selbst hat schon mal eine Nacht auf dem Eis in der Mongolei verbracht, aber für seine Frau und die Mädchen war es Premiere. Wie war denn die Nacht bei zweistelligen Minusgraden? "Die Nacht war super, da haben die Kinder gar nicht gefroren. Die Luft zum Atmen war kalt, sonst war es richtig schön warm, denn wir waren ja auch zu fünft in dem kleinen Zelt." Aber das Aufstehen heute Morgen, das war dann nicht mehr angenehm, so Dagmar Albers. Die sechs und acht Jahre alten Mädchen haben ganz schön gebibbert. Dazu kam das Eisknacken, denn solch ein See arbeitet und Setzrisse bleiben nicht aus.

Dagmar Albers: "Wir leben gerade auf dem Eis"

Dennoch: Die Schlittschuhe werden gleich wieder angezogen, das Zelt schnell abgebaut, bevor alle anderen kommen, die Schlittschuh laufen wollen. Dagmar Albers lacht: "Wir leben hier gerade auf dem Eis und sind jetzt schon traurig, dass das dann spätestens Dienstag vorbei ist." Am Abend hatten sich noch etwa 50 Passader an einem Fackellauf am See beteiligt. Das Dorf rückt zusammen in dieser seltenen Eiszeit - natürlich immer mit Abstand und der Einhaltung von Corona-Regeln.

Fin Stöck angelt auf dem zugerorenen Blankensee . © NDR Foto: Thorsten Philipps
Fin Stöck genießt Eisangeln auf dem Blankensee bei Lübeck.
Seen sind voll von Menschen - trotz der Verbote

Im Laufe des Sonntags kommen noch regelrecht Massen an Menschen an den See - alle Straßen sind zugeparkt. Die Polizei ist vor Ort und beobachtet die Lage. Auch in anderen Landesteilen Schleswig-Holsteins wagen sich viele Menschen auf das Eis und setzen sich über die Warnungen von Polizei und Feuerwehr hinweg. Im Kreis Plön ist so ziemlich jeder See gefüllt, zum Beispiel der Lankersee bei Preetz, der Pönitzer See, Teile des Großen Plöner Sees oder der Mönkeberger See. Manche Menschen sind zur Zeit auch Eisangeln wie etwa Fin Stöck auf dem Blankensee bei Lübeck. "Endlich mal wieder", strahlt er und hält seine Angel in ein gebohrtes Loch auf der Eisfläche.

Frau bricht auf der Wakenitz ein

In Lübeck waren gestern 400 Personen auf der Wakenitz - dabei war das Eis nur wenige Zentimeter dick. Die Feuerwehr forderte die Menschen per Lautsprecherdurchsagen auf, sofort an Land zu gehen. Eine Frau brach ein, sie konnte sich aber selbst mit nasser Kleidung an Land retten. Am Sonntag waren Kinder auf der Schlei - die Polizei wollte sie dort vom Eis herunterholen. Sie waren dann aber schon selbst weggegangen.

Am Montag sollen die Temperaturen in vielen Landesteilen wieder über null Grad steigen. Dann wird es noch gefährlicher, die Eisflächen zu betreten. Bei den Leitstellen gehen viele besorgte Anrufe ein, sagte ein Sprecher in Kiel. Vorsicht ist also trotz des Bilderbuch-Winterwetters überall geboten.

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Beamten der Polizei und des Ordnungsamts beobachten Bürger auf einem zugefrorenen Stadtsee in Lübeck. © dpa - Bildfunk Foto: Markus Scholz

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 14.02.2021 | 12:00 Uhr

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