Stand: 02.01.2020 05:00 Uhr

Falsche Polizisten: Skeptisch sein und "Nein" sagen

von Marc Kramhöft

Eine Seniorin hält sich ein Telefon an ihr Ohr. © dpa Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Betrüger haben es oft auf Senioren abgesehen.

Immer wieder berichtet die Polizei auch in Schleswig-Holstein von Betrügern, die sich als Polizisten ausgeben. Die Masche ist jedes Mal ähnlich: Die Anrufer behaupten zum Beispiel, dass ein Einbruch bevorstehen würde. Deshalb sollen die Menschen, so die Begründung, mit der Hilfe der falschen Polizisten, Geld und Wertgegenstände in Sicherheit bringen. Wer sich darauf einlässt, sieht seine Sachen meist nie wieder. Häufig suchen sich die Täter gezielt Rentner als Opfer aus.

Ehemaliger Polizist engagiert sich seit fast sieben Jahren

Einer, der das verhindern möchte, ist Johannes Schaer. Der 69-Jährige aus Wobbenbüll im Kreis Nordfriesland ist einer von rund 50 aktiven, ehrenamtlichen Sicherheitsberatern im Land für Senioren. Früher war er selbst Polizist, unter anderem in Husum und Flensburg. 41 Jahre lang hat er den Job gemacht, bevor er 2010 in den Ruhestand ging. Drei Jahre später schob der Landespräventionsrat das ehrenamtliche Projekt zur Vermeidung von Straftaten an. Schaer ist von Anfang an dabei.

Vorträge in verschiedenen Einrichtungen

Wie aber genau sieht sein Engagement aus? "Ich halte Vorträge an Volkshochschulen, in kirchlichen Einrichtungen oder bei Gewerkschaften", erzählt der 69-Jährige. Einer der Themenschwerpunkte sind aktuell falsche Polizisten. Schaer weist auf die Gefahren hin und gibt Tipps. Er hält etwa 30 solcher Vorträge pro Jahr.

Schaer: Vereinsamung ist ein Problem

Die häufigsten Fragen an den ehemaligen Polizeibeamten: "Gehöre ich zu den gefährdeten Personen? Und wenn ja, wie schütze ich mich am besten?" Schaer sagt: "Die Täter suchen zum Beispiel im Telefonbuch gezielt nach älter klingenden Namen. Senioren sind oft hilfsbereiter als die jüngere Generation und haben Schwierigkeiten, jemanden abzuweisen." Ein weiteres Problem sei, dass viele Rentner alleine lebten. "Dann ruft mal jemand an und klingt auch noch nett, an Betrug denkt da nicht jeder sofort."

Keine Angst vorm Auflegen haben

Der Sicherheitsberater appelliert in seinen Vorträgen immer wieder: Man soll skeptisch sein und im Zweifel auflegen. Die echte Polizei würde bei einem Einsatz nie vorher anrufen oder Geld und Wertsachen abholen. Auch dann nicht, wenn auf dem Display die Nummer 110 erscheint. Das ist ein technischer Trick der Betrüger. "Eine intakte Nachbarschaft und ein Ansprechpartner im Familien- oder Freundeskreis sind auch viel wert", sagt Schaer. Wenn der Angerufene Zweifel habe, wisse er auf diese Weise immer, an wen er sich schnell wenden könne.

Betrugsfälle nehmen zu

Der ehrenamtliche Einsatz des 69-Jährigen scheint indes dringend nötig zu sein. Laut Landespolizei gab es in Schleswig-Holstein im Jahr 2019 bis Ende November mehr als 2.000 Versuche von Betrügern, als falsche Polizisten an das Ersparte ihrer Opfer zu kommen. 36 davon waren tatsächlich erfolgreich. Der Gesamtschaden beläuft sich auf etwas mehr als eine Million Euro. Im gesamten Jahr 2018 gab es 31 erfasste Fälle, bei denen die Täter Geld oder Wertsachen erbeuteten. Die Tendenz ist also steigend.

Positives Feedback für Sicherheitsberater

Johannes Schaer sagt den Betrügern den Kampf an und will weiter Vorträge halten. Die positive Resonanz treibt ihn an. "Einmal kam eine ältere Dame zu mir und sagte: 'Jetzt kann ich wieder ruhig schlafen!'", erzählt der 69-Jährige. "Das ist doch die schönste Bestätigung."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 19.12.2019 | 07:00 Uhr

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