Stand: 10.06.2020 20:37 Uhr

Fall "Maddie": Verdächtiger im Gefängnis unter Schutz

Der Tatverdächtige im Fall "Maddie", der momentan wegen Drogenhandels in Kiel in Haft sitzt, musste in einen anderen Trakt verlegt werden. Er dürfe nur noch mit Wachpersonal aus der Einzelzelle, sagte Schleswig-Holsteins Jusitzminister Claus Claussen (CDU) am Mittwoch im Innen- und Rechtsausschuss des Landtags. In der Justizvollzugsanstalt bestand offenbar die Gefahr von Übergriffen auf den 43-Jährigen durch andere Gefangene. Am Mittwoch wurde ebenfalls bekannt, dass der Tatverdächtige seine Anwälte wechselt. Die bisherigen wollen ihn nicht mehr vertreten.

Mann steht unter Mordverdacht

Der Häftling steht im Verdacht, am 3. Mai 2007 Madeleine "Maddie" McCann kurz vor ihrem vierten Geburtstag aus einer Ferienanlage in Portugal entführt zu haben. Die Ermittler in Deutschland sind überzeugt, dass das Kind tot ist. Die britische Polizei geht hingegen auch nach 13 Jahren weiter von einem Vermisstenfall aus. Bis heute ist Maddie verschwunden. Das Bundeskriminalamt (BKA) und die Staatsanwaltschaft Braunschweig hatten am 3. Juni überraschend bekanntgegeben, dass der 43-Jährige in dem Fall unter Mordverdacht steht. Er ist mehrfach wegen Sexualstraftaten auch an Kindern vorbestraft und sitzt derzeit in Kiel die Haftstrafe ab, die das Amtsgericht Niebüll 2011 gegen ihn verhängt hatte. Dabei ging es um den Handel mit Drogen.

Tatverdächtiger war vier Wochen auf freiem Fuß

Im Innen- und Rechtsausschuss ging es am Mittwoch auch um die Abläufe 2018. Vor zwei Jahren hatte Portugal den Mann wegen eines Sexualstrafverfahrens ausgeliefert. Daraufhin verbüßte der 43-Jährige eine 14-monatige Haftstrafe in Deutschland. Ein konkreter Tatverdacht im Fall "Maddie" lag gegen den Mann damals nicht vor, erläuterte die Flensburger Staatsanwaltschaft. Damit sich die Haftstrafe für das Niebüller Urteil direkt anschließen konnte, mussten die portugiesischen Behörden, die ihn zuvor ausgeliefert hatten, zustimmen. Die Antwort aus Portugal kam aber erst nach mehreren Monaten. Auch der Widerruf der Bewährung des Niebüller Urteils habe sich wegen der vorgeschriebenen Vorgehensweise in die Länge gezogen. Die vier Wochen auf freiem Fuß waren daher juristisch nicht zu vermeiden, erklärte die Leitende Oberstaatsanwältin Ulrike Stahlmann-Liebelt.

Schwierigkeiten durch internationale Haftbefehle

In den vier Wochen in Freiheit setzte sich der Mann zudem nach Italien ab, was die Sachlage noch komplexer gestaltet. Die Ausschuss-Vorsitzende und justizpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion, Barbara Ostmeier, resümierte: "In Schleswig-Holstein hat es keine schuldhafte Verzögerung des Verfahrens gegeben. Die Staatsanwaltschaft Flensburg hat den komplexen Sachverhalt über Jahre kompetent begleitet." Festzustellen sei aber, dass insbesondere der europäische Haftbefehl vor dem Hintergrund parallel laufender Strafverfahren Schwierigkeiten mit sich bringe. "Es hat sich insbesondere gezeigt, wie schwierig das Zusammenspiel von Rechtskraft, Rechtsmitteln und europäischer Strafverfolgung im Rahmen des europäischen Haftbefehls sind."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.06.2020 | 20:00 Uhr

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