Stand: 07.11.2018 15:27 Uhr

Fahnder finden viele Mängel bei Lkw-Kontrollen

von Hauke Bülow

Es ist noch dunkel, als zwei große Fähren am Skandinavienkai in Lübeck-Travemünde festmachen. An Bord: Insgesamt rund 330 Lastwagen, die am Morgen ihre Fahrt fortsetzen wollen. Doch für viele von ihnen endet die Weiterreise schon nach wenigen Metern. Kurz hinter der Hafenausfahrt blinken im immer gleichen Rhythmus die Warnleuchten der Polizei durch den noch dichten Nebel. Viele der Lkw-Fahrer schauen mit müdem Blick aus ihrer Kabine hinunter zu den Beamten in der Hoffnung, dass die Polizeikelle sie nicht herauswinkt. Eine Kontrolle kostet schließlich viel Zeit. Viele Fahrer haben aber auch tatsächlich etwas zu verbergen.

Einsatzleiter Kai-Oliver Braß hat fast alle "Schwerlasttrupps" des Landes Schleswig-Holstein zusammengetrommelt. "Hier ist alles vor Ort, was sich mit Schwerlastverkehr auskennt, insgesamt fast 150 Beamte", sagt Braß sichtlich stolz. Schon vor knapp einem halben Jahr haben die Planungen für diese Großkontrolle begonnen, seit zwei Monaten beschäftigt sich das Organisationsteam laut Braß intensiv damit. Besonders glücklich ist der Einsatzleiter über den Ehrgeiz der anderen Behörden. "Vom Zoll über die Bundespolizei, selbst die Lübecker Hafengesellschaft als Gastgeber - alle haben ihre Ideen für den heutigen Tag eingebracht und so ist alles größer geworden, als gedacht." Diese ganzheitliche Kontrolle sei absolutes Neuland, so Braß.

Zoll schaut auch dahin, wo sonst nichts zu sehen ist

Während die Polizei nach und nach die herausgewinkten Lastwagen per Hand und Augenschein überprüft, setzt der Zoll Hightech ein: Eine mobile Lkw-Röntgenanlage aus Lübeck. Nur drei Stück davon gibt es in ganz Deutschland. Wie ein Transformer steht das 1,6 Millionen Euro teure Gerät an Anleger 3. Ein überdimensionaler Arm ragt über den Asphalt und bildet eine Art Brücke unter der die Lastwagen durchleuchtet werden.

Als erstes trifft es einen polnischen Sattelzug. Geladen hat er sogenanntes Sammelgut, unter anderem Regale, Rohre und Fässer. Weil die Beamten nicht alles öffnen können, haben sie entschieden, den Lkw zu röntgen. Nicht länger als eine halbe Minute dauert das Ganze. Gespannt schaut sich der junge polnische Fahrer die Arbeit der Zollbeamten an. So etwas habe er noch nie gesehen. Nervös sei er aber nicht, sagt er. Im Inneren des Spezialfahrzeugs sitzen die Bildauswerter vor ihren Monitoren. Sekundenschnell können sie zum Beispiel erkennen, ob in Hohlräumen Zigaretten versteckt sind. In diesem Fall ist allerdings alles in Ordnung. Der Fahrer kann seine Route wie geplant fortsetzen.

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Manipulierte Fahrtenschreiber, Fahrer unter Drogeneinfluss

Für viele andere endet die Fahrt allerdings noch im Lübecker Hafen. Neben Schmuggelwaren haben die Beamten auch alle anderen Vergehen im Blick. Verstöße gegen das Ausländerrecht, Urkundenfälschung, Drogen- und Alkoholdelikte. Und schnell werden sie fündig. Bei mehr als der Hälfte aller kontrollierten Lkw haben die Ermittler etwas zu beanstanden. Ein Fahrer hatte am Morgen eine Atemalkoholgehalt von 0,9 Promille, so Einsatzleiter Kai-Oliver Braß. Ein weiterer stand unter Cannabis-Einfluss. Außerdem wurden zwei digitale Fahrtenschreiber manipuliert.

"Die Sattelzugmaschinen wurden beschlagnahmt und die Staatsanwaltschaft eingeschaltet", erklärt Braß. Zoll und Ausländerbehörde ermitteln außerdem gegen mindestens fünf Fahrer, weil sie keine EU-Bürger sind und "illegal die Arbeit aufgenommen haben". Diverse Lastwagen haben die Ermittler außerdem direkt vor Ort stillgelegt - entweder wegen technischer Mängel oder weil sie falsch beladen wurden.

Lkw-Großkontrolle im Lübecker Hafen

Fahrer verstecken sich auf Hafengelände

Mehrere Lastwagen-Fahrer, die ganz offensichtlich Angst vor der Polizei haben, konnten sich am Morgen kurz vor der Kontrolle aus dem Staub machen. "Wir haben mehrere Lkw beobachtet, die aus der Schlange ausgeschert sind und umgedreht haben", erklärt Einsatzleiter Braß. Im Hafenbereich sind sie nicht im "öffentlichen Verkehrsraum", deshalb könne die Polizei sie dort nicht anlasslos kontrollieren.

Bedenkliches Ergebnis der Kontrolle 

Insgesamt spricht die Polizei von einem bedenklichen Ergebnis der Großkontrolle. Viele Fahrer hätten die erlaubten Lenkzeiten massiv überschritten oder ihre Ladung viel zu schlecht gesichert, meint Braß. "Was an so einem Vormittag alles auf die Straßen geht, das ist schon krass - aber leider nicht sehr überraschend".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 07.11.2018 | 08:00 Uhr

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