Zugvogelzeit am Fährmannssander Watt vor Wedel

Stand: 28.09.2021 12:29 Uhr

Mehrere Tausend Zugvögel rasten jeden Herbst im Süßwasser-Watt der Elbe bei Wedel. Marco Sommerfeld beobachtet sie seit 16 Jahren.

Im Fährmannssander Watt vor Wedel (Kreis Pinneberg) ist Zugvogelzeit. Auf dem Weg vom Brutgebiet ins Winterquartier machen jedes Jahr mehrere Tausend Vögel im größten Süßwasserwatt Mitteleuropas Rast. "Es bildet hier an der Elbe natürlich einen idealen Punkt für Zugvögel, sich niederzulassen. Die Elbe knickt hier nach Nordwesten ab und das bildet für viele Vögel, wenn sie aus der Luft gucken, eine Leitlinie", erklärt Marco Sommerfeld. Er ist der Leiter der NABU-Vogelstation Wedeler Marsch und zählt alle zwei Wochen die rastenden Flug-Weltenbummler.

Vogelkundler zählen jeden Herbst rund 70 Vogelarten

Rund 70 verschiedene Arten zählt Sommerfeld hier im Herbst. Heute sieht er Alpenstrandläufer, arktische Gänsearten und 3.000 Krick-, Schnatter- oder Spießenten. Im Fährmannssander Watt fressen sie sich Reserven für den Weiterflug in die Überwinterungsgebiete an. Die Krickenten verpflegen sich hauptsächlich mit Süßwasserwatt-Nahrung - kleine Schlammröhrenwürmer oder Fadenwürmer und Algen.

Künstliche Flachwasserstellen hinter dem Deich

Wenn das Watt überspült wird, wechseln die Vögel ins Binnenland hinter den Deich - hier finden sie knapp 1.000 Hektar Grünland zum Ruhen. "Bei Hochwasser sitzen sie und machen Pause und lagern das Gefressene in Fett an", erläutert Sommerfeld. Hinterm Deich gibt es auch künstlich angelegte Flachwasserstellen. Hier zählt der Leiter der NABU-Vogelstation Wedeler Marsch auch Goldregenpfeiffer und hunderte Kiebitze. Sie kommen aus ihren Brutgebieten in Skandinavien und Russland und ziehen weiter, sobald der erste Frost kommt. Schwäne oder Gänse überwintern teilweise auch bei Wedel. Sie sind Vegetarier und finden auch bei leichtem Frost noch Nahrung.

Junge Alpenstrandläufer finden alleine nach Wedel

Die jungen Alpenstrandläufer beeindrucken den Ornithologen besonders. Sie kommen aus der Arktis, haben schon etwa 4.000 Kilometer zurückgelegt. "Bei den Alpenstrandläufern finde ich besonders beeindruckend, dass sie ohne ihre Eltern ihren Weg alleine vom Brutquartier in die Rastgebiete und Winterquartier finden", sagt Sommerfeld. Die Eltern ziehen bereits vor den Jungvögeln aus der Arktis ab.

Zugvögel ziehen bis Mitte November weiter

Seit seit 2005 leitet Sommerfeld die NABU-Vogelstation Wedeler Marsch und beobachtet seitdem auch jeder Woche die Vogelwelt. Langweilig wird das für ihn auch nach 16 Jahren noch nicht. "Ich hatte hier die letzten Tage eine Kranich-Beobachtung. Das war für mich auch neu: Kraniche sind ja meistens nur überziehend und wir hatten hier eine Familie die sich den ganzen Tag aufgehalten hat. Das hat mir selber so einen Spaß gemacht", sagt Sommerfeld über eine seiner schönsten Kranich-Beobachtungen, die er je hatte. Bis Mitte November ziehen alle Zugvögel weiter, dann bleiben nur noch die Wintergäste in der Wedeler Marsch.

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Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 28.09.2021 | 19:30 Uhr

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