Stand: 27.02.2020 19:32 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

FSG: Schiffe der TT-Line werden nicht gebaut

Die finanziell angeschlagene Flensburger Schiffbau-Gesellschaft (FSG) wird nicht, wie geplant, zwei Passagierfähren für die australische Reederei TT-Line (Spirit of Tasmania) bauen. Der Auftrag hatte laut FSG ein Volumen von 438 Millionen Euro. Die Reederei hat mitgeteilt, dass sie den Vertrag aufgelöst hat. Sie begründet den Schritt abstrakt mit den Interessen des australischen Staates Tasmanien, dem Eigentümer der Reederei. Nach Angaben der Reederei TT-Line und der FSG erfolgte die Kündigung im gegenseitigen Einvernehmen. Die Entscheidung sei "Teil unserer Neuausrichtung der FSG", sagte der Geschäftsführer der FSG Alex Gregg-Smith. Nun soll eine finnische Werft die beiden mehr als 200 Meter langen Fähren bauen, die erstmals in der TT-Line-Geschichte mit einem kombinierten Diesel-LNG-Antrieb ausgestattet werden sollten.

FSG: Fehlender Auftrag reißt Loch in Auftragsbücher

Schleswig-Holstein Magazin -

Die Werft befindet sich durch Verzögerungen bei einem anderen Auftrag bereits in finanzieller Schieflage.

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Nach Reedereiangaben wurde bisher noch kein Geld an die FSG gezahlt und es soll auch keine Zahlungen geben. Zu den Gründen der Vertragsstornierung oder der Kommunikation mit der FSG werde man sich nicht weiter äußern.

Auswirkungen auf FSG unklar

Die Fähren sind für die Route Melbourne - Devonport (Tasmanien) vorgesehen. Ursprünglich war ihre Fertigstellung für 2021 geplant. Welche Auswirkung die Stornierung des Auftrags für die FSG hat, ist unklar. Die Werft hatte im vergangenen Jahr einen Nettoverlust von 111 Millionen Euro ausgewiesen. Grund waren vor allem Verzögerungen bei einem Neubau. Der damalige Eigentümer Siem hatte das Unternehmen 2019 an die Tennor Holding des Investors Lars Windhorst verkauft.

Wirtschaftsministerium: "Nicht zwingend schlecht"

Staatssekretär Thilo Rohlfs aus dem Kieler Wirtschaftsministerium sagte, es müsse nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten, wenn sich ein Unternehmen von absehbar verlustbringenden Aufträgen trenne, statt sich tiefer in die roten Zahlen zu manövrieren. In diesem Zusammenhang komme es "nun aber natürlich darauf an, dass sich die Werft mit Hochdruck bemüht, Ersatzaufträge reinzuholen." Die Liquidität der Werft sei durch Alt- und Neugesellschafter sichergestellt.

Großer Teil der Belegschaft bereits in Kurzarbeit

Aktuell baut die Werft zwei Schiffe. Eine RoRo-Fähre für Siem steht kurz vor der Fertigstellung. Das zweite Schiff, das sich derzeit in Bau befindet, ist die "Honfleur". Die Großfähre sollte eigentlich schon im vergangenen Sommer nach Frankreich ausgeliefert werden. Auf sie konzentrieren sich seit einem Jahr alle Kräfte. Allerdings war der Bau von Anfang an in Verzug und zieht sich hin. Der Endspurt betrifft vor allem die Innenausstattung. Nur ein Teil der Belegschaft wird hierfür gebraucht. Und somit gehen immer mehr Kollegen in Kurzarbeit. Der Betriebsrat schätzt die Zahl inzwischen auf 300. Das Büro der Geschäftsleitung bestätigte, ein großer Teil der Belegschaft sei betroffen. Genauere Angaben will die FSG aber nicht machen.

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 27.02.2020 | 10:00 Uhr

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