Stand: 21.05.2020 06:00 Uhr  - NDR 1 Welle Nord

Es geht wieder los: Büsumer Hotel bereitet sich vor

Nach zwei Monaten Stillstand während der Corona-Pandemie dürfen Andra Hansen und Patrick Kebekus wieder Gäste in ihrem Hotel und Restaurant "Zur alten Post" in Büsum begrüßen. "Wir sind zwar nicht ausgebucht für das lange Himmelfahrts-Wochenende, aber das ist auch ganz gut so. So können wir ein bisschen üben und sehen, wo es bei den ganzen Schutzmaßnahmen noch hakt", meint Andra Hansen. Es gibt viel, was beachtet werden muss - neben Mund- und Nasenschutz. Zum Beispiel werden die Gäste auf dem Parkplatz in Empfang genommen, um keine unnötigen Warteschlangen zu generieren. Jeder bekommt an der Rezeption einen Umschlag mit dem Zimmerschlüssel und einer Infomappe. Ab da soll alles andere möglichst telefonisch erledigt werden, also kontaktlos.

Nur 50 Gäste gleichzeitig im Restaurant

Andra Hansen und Patrick Kebekus haben ihre Mitarbeiter in drei Teams eingeteilt und ausgiebige Hygieneschulungen durchgeführt. "Nach jedem Essen müssen wir alles desinfizieren: die Salz- und Pfefferstreuer, die Vasen, die Kerzenständer, die Stuhllehnen, alles muss abgewischt werden, was der Gast berührt haben könnte", seufzt Andra Hansen und streift sich die schwarzen Einmalhandschuhe über. "Im Gastronomiebereich wird ja schon viel geputzt, aber Corona hat das noch mal getoppt." Im Restaurant dürfen sie nur 50 Gäste gleichzeitig bewirten. Reservierung ist vorgeschrieben und die Gäste können wählen, wann sie essen wollen: in drei Schichten zwischen 17 und 21.30 Uhr, alle eineinhalb Stunden wird gewechselt. "Das reicht dicke", sagt Andra Hansen und stellt den abgewischten Salzstreuer zurück auf den Tisch.

Besondere Aufmerksamkeit für Fernbedienung und Telefonhörer

Simone Schmidt kommt um die Ecke, ebenfalls mit Einmalhandschuhen, Schutzmaske und Desinfektionsmittel. Auf ihrem T-Shirt prangt der Schriftzug "Housekeeping". Sie ist auf dem Weg zu Zimmer 306 im zweiten Stock. Und sie weiß genau, was zu tun ist: Vor allem um die Fernbedienung für den  Fernseher und das Telefon kümmert sie sich intensiv. Für jedes Teil ein frisches Tuch, das mit Desinfektionsmittel getränkt wird. "Der Aufwand für jedes Zimmer ist zwar deutlich höher, aber wir haben ja auch noch nicht wieder alles belegt. Das gleicht sich dann aus", sagt sie, lacht und legt die saubere Fernbedienung auf den Nachttisch. Ihr ist die Freude anzumerken, dass es nun wieder richtig losgeht, wenn auch erst Mal nur zu 70 Prozent. Vor zwei Monaten war auch das noch nicht sicher.

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"Wir tragen Masken und keine Fußfesseln"

Gleich zu Beginn der Krise wurde die Arbeitszeit für alle 30 Mitarbeiter auf 75 Prozent reduziert, aber niemand musste gehen. Die zwei Monate ohne Einnahmen waren lang und hart, bis zum Herbst hätten sie das nach eigenen Angaben nicht durchgehalten. Deshalb haben sie sich vorgenommen, bloß keinen Fehler zu machen oder leichtsinnig zu werden, damit es keinen zweiten Lockdown gibt. "Am Montag war ich noch so nervös, aber die Geduld und das Verständnis unserer Gäste haben mich dermaßen begeistert, dass ich mich riesig auf das lange Himmelfahrtswochenende und danach auf Pfingsten freue, trotz aller Einschränkungen", sagt Andra Hansen und Patrick Kebekus ergänzt: "Mal ehrlich, über welche Einschränkungen reden wir denn: Wir tragen Mund- und Nasenschutzmasken und keine Fußfesseln. Unsere Gäste sehen das auch so. Das macht richtig Spaß und gute Laune."

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Noch deutlich weniger Leute unterwegs

Die gläserne Schiebetür schiebt sich auf. Die Gäste Anne und Klaus Korth aus Dortmund kommen vom Spaziergang zurück. Sie nehmen die Einschränkungen tiefenentspannt zur Kenntnis. "Das einzige, was wirklich stört, sind die Masken. Aber die nerven in Dortmund genauso wie hier. Nur hier ist die Luft besser", freut sich Anne Korth. "Zurzeit sind auch noch deutlich weniger Leute unterwegs, das merkt man schon." Aber das wird sich ändern, denn an der Rezeption klingelt das Telefon ununterbrochen.

Die wichtigste Frage: wie ist das Frühstück geregelt?

Ein Mitarbeiter der Rezeption telefoniert hinter der Plexiglasscheibe mit einem Gast, der in Kürze anreisen will. Sein Gesicht schmückt vorschriftsmäßig eine knallrote Stoffmaske. Als er aufgelegt hat, verrät er: "Die Fragen sind fast immer gleich. Da geht es um die Schutzmaßnahmen und Parkplätze und so weiter. Aber die mit Abstand häufigste Frage ist: Wie ist das in Coronazeiten mit dem Frühstück bei Ihnen geregelt?" Das Lächeln kann er nur schwer verbergen - auch mit Maske. "Der Stellenwert eines guten Hotelfrühstücks scheint schon sehr hoch zu sein."

Kleines Büfett am Tisch

Bei den Frühstücksregeln haben Patrick Kebekus und seine Partnerin auf eigene Erfahrungen im Urlaub zurückgegriffen. "Wir haben festgestellt, dass bei einem Frühstücksbüfett an einem Tisch mit vier Personen, mindestens einer immer unterwegs ist, der sich was holt. Da herrscht andauernd Unruhe. Jetzt ist das obligatorische Büfett ja verboten, also stellen wir jedem Gast ein persönliches kleines Büfett zusammen und servieren es ihm am Tisch. Wenn was fehlt, bestellt er nach, ohne aufstehen zu müssen. Das kommt gut an." Sofort springt Urlauberin Anne Korth ihm zur Seite: "Genau, das ist schön bequem, viel besser als vor Corona. Das sollten Sie beibehalten", strahlt sie den Hausherrn an. "Sehen Sie: so viel gute Laune und positives Denken, das macht doch Spaß."

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NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 21.05.2020 | 08:00 Uhr

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