Stand: 25.10.2017 20:24 Uhr

Erster Prozesstag um IBG-Pleite verläuft zäh

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Die IBG-Pleite hatte 2012 bundesweit Aufsehen erregt.

Die Pleite des Massivhaus-Herstellers IBG aus Büdelsdorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) hatte 2012 bundesweit Aufsehen erregt. Hunderte betroffene Bauherren mussten aufgeben und Bauruinen hinterlassen, zahlreiche Handwerker und Lieferanten gingen leer aus. Rund 2.400 Gläubiger machen Ansprüche geltend, die nach Angaben des Insolvenzverwalters Reinhold Schmid-Sperber rund 120 Millionen Euro betragen. Am Mittwoch standen zwei frühere Geschäftsführer des Unternehmens und ihr Steuerberater in Kiel vor Gericht. Die Schäden der Bauherren, Handwerker und Lieferanten waren allerdings nicht Gegenstand des Verfahrens. Der größte Gläubiger ist das Finanzamt.

Zäher Auftakt im Mammutprozess

Ein Betroffener Bauherr aus dem Kreis Plön hatte sich extra frei genommen, um den Prozessauftakt im Sinne der Gerechtigkeit verfolgen zu können. "Das ist ganz wichtig für uns. Ich bin heute alleine da, weil meine Frau das gesundheitlich so heruntergerissen hat. Sie würde das gar nicht durchstehen." Er musste Geduld mitbringen: Nach einer Verzögerung von eineinhalb Stunden, weil eine Schöffin fehlte, verlasen zwei Staatsanwälte zu Prozessbeginn die elf Anklagepunkte - und das nahm Zeit in Anspruch. Insgesamt zog sich der erste Verhandlungstag über dreieinhalb Stunden.

Prozessstart mehrfach verschoben

Die Anklage lautet "im Wesentlichen auf gewerbs- und bandenmäßige Untreue und Steuerhinterziehung" in Millionenhöhe. Gerichtssprecherin Rebekka Kleine bezifferte den Schaden auf rund elf Millionen Euro. Zwei Millionen Euro davon sollen die Angeklagten veruntreut, neun Millionen Euro dem Fiskus vorenthalten haben. Tatzeitraum seien demnach vor allem die Jahre 2008 bis 2012 gewesen. Der Prozess sollte schon im vergangenen Jahr beginnen, der Start war aber mehrfach verschoben worden.

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Urteil frühestens im Sommer 2018 erwartet

Den beiden ehemaligen Geschäftsführern und dem mitangeklagten Steuerberater drohe laut Kleine bei einer Verurteilung eine mehrjährige Freiheitsstrafe. Allerdings sei auch möglich, dass nicht alle Vorwürfe der Anklage bis zum Ende Bestandteil der Hauptverhandlung bleiben, auch Freisprüche wären möglich. Die Verteidiger bemängelten zu Prozessbeginn mehrfach, dass die Anklageschrift aus ihrer Sicht mangelhaft sei. Sie wollen, dass einzelne Vorwürfe eingestellt werden und forderten für den zweiten Verhandlungstag am Donnerstag ein Gespräch mit Staatsanwaltschaft und Richter. Insgesamt sind ursprünglich 40 Verhandlungstermine festgesetzt worden. Nach diesem Stand könnte das Urteil am 19. Juni 2018 verkündet werden. Es ist aber möglich, dass sich das Verfahren weiter verzögert.

Mit falschen Versicherungen Kunden abgezockt

Laut Anklage soll es beim Vorwurf der Untreue um die Vermittlung von Versicherungen zu überhöhten Preisen gehen. Eine tatsächliche Versicherungsleistung bekamen die Kunden dafür nicht. Die beiden 41 und 58 Jahre alten Geschäftsführer kassierten demnach über eine eigens gegründete Gesellschaft kräftig mit, der 46-jährige Steuerberater soll ihnen geholfen haben. Angeblich stellten die beiden Geschäftsführer im Oktober 2012 eine Selbstanzeige über die Umsatzsteuerhinterziehung. Ob das tatsächlich der Fall war, blieb am ersten Prozesstag offen. Die drei Angeklagten kamen nach Durchsuchungen in Privatwohnungen und Firmenbüros in Schleswig-Holstein, Bayern und Nordrhein-Westfalen im Frühjahr 2013 mehrere Wochen in Untersuchungshaft. Auf Antrag des Insolvenzverwalters mussten beide Geschäftsführer Privatinsolvenz anmelden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Welle Nord | Nachrichten für Schleswig-Holstein | 25.10.2017 | 22:00 Uhr

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